Notruf aus Leichenwagen

Der Mitarbeiter eines Bestattungsinstituts hatte sich versehentlich eingesperrt und bat die Polizei in Hann. Münden um Hilfe

Lutterberg. Es gibt die unterschiedlichsten Orte, von denen aus Notrufe an die Polizei abgesetzt werden. Auch ungewöhnliche sind von Zeit zu Zeit darunter. Dass aber jemand aus dem Laderaum eines Leichenwagens anruft und die „Lebenden“ um Hilfe bittet, ist zumindest in der Polizeiinspektion Göttingen wahrscheinlich noch nie vorgekommen. Zumal in der Regel die „Passagiere“, die dort aus unabänderlichen Gründen verweilen müssen, nicht mehr telefonieren können. In einem Fall, der sich Anfang August ereignete, war der Hilfesuchende allerdings noch quicklebendig und wollte es auch bleiben. Über die Wache des Einsatz-und Streifendienstes in Göttingen kam es an einem Montagmorgen zu einem wirklich skurrilen Einsatz, der sich im Aufgabenbereich des Polizeikommissariats Hann. Münden ereignete. Der Hilferuf aus dem Leichenwagen traf die Göttinger Beamten gegen 7 Uhr morgens wie aus dem Nichts. Ein makabrer Scherz? Könnte man zunächst meinen.

Dabei war die Sachlage eine ganz andere: Auf dem Weg von Hamburg nach Frankfurt hatte den Mitarbeiter eines Beerdigungsinstitutes aus Norddeutschland am Vorabend auf der A 7 offenbar die Müdigkeit übermannt. Der 51-Jährige verließ die Autobahn an der Anschlussstelle Hann. Münden-Lutterberg und hielt mit seinem Bestattungsfahrzeug nach einem geeigneten Schlafplätzchen Ausschau. Was bot sich da besser an, als die vertraute, ruhespendende Umgebung des dortigen Friedhofes. Endlich angekommen, legte sich der Fahrer sogleich zum Schlafen in den leeren Laderaum seines VW Crafter. So weit, so gut. Den süßen Träumen sollte allerdings schon bald der unerwartete Schreck in der Morgenstunde folgen. Durch ein menschliches Bedürfnis geweckt, gelang es dem 51-Jährigen aus Schleswig-Holstein „entgegen sonstiger Gewohnheit“ nämlich dieses Mal partout nicht, die Wagen-Tür von innen zu öffnen. Auch der vorhandene Schlüssel erfüllte nicht seinen Zweck. Ein böses Omen?

Mitnichten, der modernen Technik sei Dank: Das Handy des Gefangenen brachte schließlich die Rettung. Der abgesetzte Hilferuf des Mannes landete bei der Polizei in Göttingen, die wiederum ihre Kollegen im Süden alarmierte. Eine vermutlich ziemlich gespannte Funkstreife eilte zum Friedhof und befreite den zwar ausgeschlafenen, dafür aber kurzzeitig gefangen gewesenen 51-Jährigen schließlich aus seiner misslichen Lage.

Rubriklistenbild: © Goss Vitalij - Fotolia

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