Arrestzelle bereitete Unbehagen

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Stadtführerin Marie Anne Langefeld mimte einen Soldaten der Herzöglichen Wachmannschaft am Taternturm.

Reges Interesse am Tag des offenen Denkmals: Taternturm war Publikumsmagnet

Hann. Münden.  Ein tolles Rahmenprogramm und selten geöffnete Gebäude lockten am Sonntag zahlreiche Interessierte zum Tag des offenen Denkmals, das in diesem Jahr unter dem Titel „Macht und Pracht stand“. Allen voran der Taternturm am Eingang des Dielengrabens hatte es den Besuchern angetan. Im ohnehin schon beengten Bauwerk musste man zusammenrücken, um den Worten von Stadtführerin Marie Anne Langefeld zu lauschen, die in die Rolle eines Soldaten der Herzöglichen Wachmannschaft geschlüpft war. „Früher wurde im Taternturm Munition gelagert, später diente er als Gefängnis. Die Tataren standen bei der Namensgebung Pate. Im 16. Jahrhundert wurden viele Zigeuner dieser Bevölkerungsgruppe zugeordnet und sie wurden im Taternturm eingesperrt. Wer hier einsaß hatte noch Glück im Unglück, denn zu der Zeit herrschte eine „Zigeunerplage“ und viele von ihnen galten als vogelfrei und durfte sofort ohne jeglichen Grund getötet werden. Tatern galten damals als Zauberer und Diebe und vor solchen Menschen hatte man Angst“, so die Stadtführerin.

Nicht ganz so ernst ging es auf dem Gelände des Welfenschlosses zu. Hier informierte das Mündener Architekturbüro Volkmer über bereits vollzogene bauliche Maßnahmen, wie die Einrichtung der Kindertagesstätte im ehemaligen Gefängnishof oder Vorhaben, wie die Herstellung der Barrierefreiheit am Amtsgericht. Unbehagen bereitete vielen der Anblick der Arrestzelle. Spärlich eingerichtet und klein war sie wenig einladend. Schöner war dagegen ein Rundgang durch das Museum, dass kostenfrei zugänglich war. Imposant auch der Rittersaal, indem heute kulturelle Veranstaltungen und Ratssitzungen stattfinden.

Organisierten den Markt der Nationen im Rathaus: (v.li.) Carmen Hering, Klaus Marquardt, Hartmut Teichmann, Andrea Möller, Werner Manke, Ursel Busch, Hannah Cakmak und Maike Manke von der Bürgerinitiative Ein.Münden.

Dichtes Gedränge herrschte in der unteren Rathaushalle, wo die Initiative Ein.Münden Menschen beim Markt der Nationen zusammengebracht hatte. Hier konnte man Spezialitäten aus aller Herren Länder genießen, darunter Eritrea, der Türkei, Dänemark, England oder Afghanistan. Mitorganisator Hartmut Teichmann wertete den Markt als vollen Erfolg und lobte vor allem den Moschee-Verein, der sich maßgeblich an der Veranstaltung beteiligt habe.

Rede und Antwort stand der Schauspieler Prashant Prabhakar dem Mündener Moritz Thiel. In seiner gewohnten humorvollen Art stellte sich der Mann mit den indischen Wurzeln und dem mimischen Talent vor. „Hann. Münden ist eine wunderschöne Stadt, die ich immer wieder gerne besuche. Ich habe gute Erinnerungen an sie. Vor neun Jahren habe ich hier meine erste TV-Rolle in einem Tatort gehabt“, erklärt Prabhakar, der aktuell in der Integrations-Komödie „Willkommen bei den Hartmann“ zu sehen ist. Laut dem Schauspieler ein hochaktuelles Thema, dem sich keiner verschließen sollte.

Auch Bürger, wie hier in der Sydekumstraße, beteiligten sich am Tag des offenen Denkmals: (v.li.) Ines Albrecht-Engel, Bettina Kallausch, Lore Puntigam und Anja Fehrensen.

Im Steinbrücken-Quartier suchten Anwohner und Gewerbetreibende das Wort mit den Gästen oder präsentierten ihre Waren. So wie Barbara Brübach von der Druckerei „Fette Typen“ in der Sydekumstraße. Hier lebt sie ihre kreative Seite aus, Druckt Briefkarten oder gestaltet alte Teller oder Gemälde um und zaubert aus schrecklichen Erbstücken und Dachbodenfunden echte Hingucker. Allein schön das Geschäft mit seiner rustikalen Optik ist einen Besuch wert. Doch die Öffnungszeiten sind rar: Brübach öffnet immer nur sonntags und geht unter der Woche einem anderen Beruf nach.

Fazit: Die Dreiflüssestadt hat mehr zu bieten, als so mancher Bürger glaubt.

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