Pflege-Flashmob

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Der Landtagsabgeordnete Ronald Schminke unterstützte die Mitglieder des Pflegestammtischs (v.li) Monika Gereke, Sylvia Wicke und Nicole Belch-Wünsch.

Hann. Münden. Fachkräfte demonstrierten für bessere Arbeitsbedingungen.

Von Luisa Hollmig

Hann. Münden. Es ist ein Beruf, der alle angeht – früher oder später wird jeder einmal auf die Hilfe von ihnen angewiesen sein: Den Pflegekräften. Allein in Hann. Münden arbeiten 900 Beschäftigte in der Pflege. Doch die Situation ist für Pflegekräfte immer schlechter geworden: Fachkräftemangel, niedrige Bezahlung, teilweise schlechte Arbeitsbedingungen und nicht zuletzt die geringe Wertschätzung der Tätigkeit, führen zu physischen und psychischen Belastungen. Das alles macht den Einstieg für Berufsanfänger immer unattraktiver. Hinzu kommen die Berufsaussteiger. Nach Angaben der Bundesanstalt für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin erwägen 18,8 Prozent der Befragten der im Jahr 2005 durchgeführten NEXT-Studie (nurses early exit study) mindestens "mehrfach monatlich" einen Berufsausstieg aus der Pflege. Unter ihnen vorwiegend jüngere und höher qualifizierte Beschäftigte. Bundesweit fehlen 162.000 Fachkräfte. Die Pflege liegt – wortwörtlich – am Boden. Dies zeigten auch die Teilnehmer des gleichnamigen Flashmobs, der am Samstag in der Mündener Innenstadt stattfand. Dieser wurde von Sylvia Wicke, Nicole Belch-Wünsch und Bianca Tiemann, Mitglieder des Mündener Pflegestammtischs, initiiert. Für zehn Minuten legten sich die Beteiligten auf den Kirchplatz, um auf die Missstände aufmerksam zu machen.  "Wir legen uns für eine bessere, menschenwürdigere Pflege und bessere Personalbemessung auf den Boden", fasst Sylvia Wicke, Krankenpflegerin im Krankenhaus Hann. Münden, die Forderungen zusammen, "wir brauchen mehr Zeit für die Alten und Kranken." Diese Forderungen standen am Samstag auch auf zahlreichen Plakaten und Transparenten.

Denen schlossen sich auch Ronald Schminke (SPD), Martin Bretzler (Bündnis 90/Die Grünen) und Julia Niekamp (Gewerkschaftssekretärin Verdi Göttingen, Bereich Gesundheit und Soziales) an. "Menschenwürdige und qualifizierte Pflege gibt es nur mit Fachkräften und dafür brauchen wir mehr Geld im gesamten Pflegesystem", bringt es Ronald Schminke auf den Punkt. Er selbst gehe einmal im Jahr als Tagespraktikant in ein Altenheim, wo er bei allen anfallenden Tätigkeiten selbst Hand anlege. Weiterhin sei der Personalschlüssel völlig unzureichend. Nach Angaben der Verdi versorgt eine Pflegekraft im Durchschnitt 10,3 Patienten, nachts versorgt eine Pflegekraft allein oft eine ganze Station. Mit diesen Zahlen bildet Deutschland im Europavergleich das Schlusslicht. Spitzenreiter ist Norwegen mit 3,8 Patienten pro Pflegekraft. "Der Plegeschlüssel muss verbessert werden", fordert Julia Niekamp (Verdi), durch den Personalmangel seien keine Pausen möglich. "Es besteht Handlungsbedarf", fordert auch Martin Bretzler, Fraktionsvorsitzender der Grünen Hann. Münden, "ich finde es toll, dass die Beschäftigten den Flashmob organisiert haben. Deshalb unterstützen wir diese Aktion." Zu der Aktion kamen nicht nur Pflegekräfte. Es gab auch Wortmeldungen von denen, die tagtäglich auf Hilfe angewiesen sind. "Ich bin dankbar für jede Pflege, vielen Dank, dass ihr hier seid. Ich wüsste nicht, was ich ohne euch machen sollte", sagte ein Mann.Die Teilnehmer des Flashmobs kämpfen weiter für bessere Bedingungen in der Pflege: schon im Winter sei die nächste Aktion geplant.

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