Mit Plakaten für den Schulerhalt

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Mit Plakaten forderten Schüler und Eltern aus Hemeln den Erhalt ihrer Grundschule.

Hemelner wollen ihre Einrichtung behalten - Ausschuss empfiehlt den Erhalt aller Grundschulstandorte

Hann. Münden. Mit Plakaten wie „Nein zur Schulschließung“ oder „Kurze Wege – kleine Füße“ marschierten am Donnerstag Kinder und Eltern aus Hemeln vor dem Verwaltungsgebäude in der Böttcherstraße auf. Hier tagte der Gesellschaftsausschuss und beriet über das Grundschulentwicklungskonzept als Teil des Haushaltssicherungskonzepts und darüber, ob die Grundschule in Hemeln erhalten bleibt oder geschlossen werden soll. Einen separaten Antrag auf die Schulschließung aufgrund geringer Schülerzahlen hatte das BürgerForum gestellt. Die Einsparungen, die dann zum Tragen kämen, liegen laut Stadtverwaltung bei rund 41.000 Euro pro Jahr. Ratsfrau Dr. Manuela Gantzer (BürgerForum) erklärte: „Wir müssen an alle Kinder in der Stadt denken und die Baustellen, die es in anderen Grundschulen gibt. Ich glaube nicht, dass es für die Kinder ein Drama wäre, wenn sie mit dem Bus zur nächstgelegenen Grundschule nach Gimte fahren müssten. Ich bitte die Politik, jetzt einmal etwas Unpopuläres zu machen und damit alle anderen Kinder zu unterstützen.“ Würde man die Hemelner Schule schließen, hätte man mehr Handlungsspielraum für andere Einrichtungen, die finanzielle Mittel dringend bräuchten. Bürgermeister Harald Wegener machte darauf aufmerksam, dass auch ein ausgeglichener Haushalt zum Sparen verpflichte, dafür sei das übernommene, haushalterische Erbe zu desaströs. Die Forderung nach Beibehaltung des IST-Zustands „kurze Beine – kurze Wege“ sei ein absolut indiskutables Argument, denn die Beine seien in anderen Ortschaften, in denen keine Grundschule stehen würde, ebenso lang wie in Hemeln. Markus Jerrentrup (CDU) gab dagegen zu bedenken, dass man in einigen Jahren wieder auf mehr Grundschulplätze angewiesen sei, wenn man heute zusätzliche Kita-Plätze benötige. Man würde dann nachbauen müssen. Aktuell seien, bis auf die Grundschule Gimte, „alle Grundschulen voll“. „Wenn wir jetzt Geld durch die Schließung sparen, riskieren wir in der Zukunft die Beschulung, qualitativ und räumlich gesehen. Und die müssen wir sicherstellen.“ Dirk Wedekind (SPD) wies darauf hin, dass durch die Schließung ein „marginaler Spareffekt“ zu erzielen sei. „Wir wollen Bildung auch im ländlichen Raum. Nicht Schulschließungen sind angesagt, sondern die zukunftsorientierte Aufstellung der Schulen.“ Hartmut Teichmann (Grüne) bemerkte: „Das Schulgebäude löst sich nach der Schließung nicht in Luft auf und die Kosten werden nur an anderer Stelle im Haushalt wieder auftauchen.“ Frank Bleibaum als Vertreter des Stadtelternrats teilte mit, dass man sich per Abstimmung für den Erhalt der Hemelner Schule ausgesprochen habe. Man könne nicht auf Kosten der Kinder sparen: „Es ist bedauernswert, wenn jeder Schüler nur eine Zahl ist und einen Preis hat. Lasst die Schulen wo sie sind.“

Eindeutige Empfehlung an den Rat

Eine von drei Varianten des Grundschulentwicklungskonzepts konnten die politischen und gesellschaftlichen Vertretern im Ausschuss zustimmen. Die ersten beiden Varianten hielten sich die Schließung von Schulen offen, beziehungswiese sie beinhalteten explizit die Schließung einer Schule. Die dritte Variante schloss die Schließung von Grundschulstandorten kategorisch aus. Für sie stimmte die Mehrheit mit acht Stimmen gegen Gantzer vom BürgerForum. Über diese Empfehlung von Variante 3 wird der Rat am 19. September entscheiden. Das Abstimmungsergebnis über den Antrag des BürgerForums auf Schließung der Hemelner Grundschule – er wurde wie das Grundschulentwicklungskonzept als eigenständiger Tagesordnungspunkt behandelt – war dagegen nicht so eindeutig: eine Stimme dafür, fünf dagegen, zwei Enthaltungen.

+++Zwischenruf von Mathias Simon+++

Die Schließung der Grundschule Hemeln stand in den vergangenen Jahren regelmäßig zur Debatte. Immer wieder blieb das Weserdorf vom Abzug verschont, obwohl im Nachbarort Gimte noch Kapazitäten frei waren und über eine Eingliederung gesprochen wurde. Und auch jetzt sieht es wieder so aus, als ob die Hemelner die Kurve kriegen. Gut für sie, aber auch für alle anderen? Über ein Argument der Hemelner musste ich schmunzeln: „Die Kinder hätten einen längeren Schulweg, müssten mit dem Bus fahren.“ Als ich Grundschulkind war, musste ich mit den öffentlichen Verkehrsmitteln quer durch die Gemeinde fahren, um die Schulbank drücken zu können. Eine Tour dauerte 30 Minuten. An jedem Schultag, vier Jahre lang. Klar war das ätzend, aber umgebracht hat es mich nicht. Es war normal, man hatte sich damit arrangiert.

Die meisten Veränderungen sind nie leicht hinzunehmen, weil der Mensch oft nur die Nachteile sieht. Doch ein Kollektiv funktioniert nur dann, wenn dafür die Rahmenbedingungen stimmen, und aufgrund Hann. Mündens schwieriger Finanzlage ist das sicherlich nicht mehr der Fall. Die Ratsmitglieger schilderten es selbst: Viele Schulgebäude sind marode, es gebe Löcher in den Decken. Doch woher will man das Geld für eine Sanierung bei so einen großen Schuldenberg nehmen? Richtig, man muss sparen und genau damit tut man sich in der Dreiflüssestadt gerade sehr schwer. Stattdessen dreht man sich im Kreis. Bislang gab es keinen Stadtwald-Verkauf, keine Bibliotheken- oder Museumsschließung und eben keine Schulschließung. Die einzig wirkliche Einsparung erfolgte bei den freiwilligen Leistungen mit Einführung des Tourismuskonzepts. Das allein wird aber nicht reichen, um in Zukunft effektiv schwarze Zahlen zu schreiben.

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