Reisen als Therapie

+
(V.li.) Sylvia Goll (Stadtbücherei), Blogger Marian Grau, Hanna Schädel (Kinder- und Jugendbüro) und Petra Dorner (Reisetante).

Blogger Marian Grau (16) erinnert mit Buch an seinen verstorbenen Bruder

Hann.Münden. Sommerferienzeit – Lesezeit. Die Mündener Stadtbibliothek ist eine von 49 Bibliotheken in ganz Niedersachsen, die beim Julius-Club mitmacht. Der Julius-Club ist ein Leseförderprojekt der VGH-Stiftung. „Brandneue“ Bücher können Kinder und Jugendliche von 11 bis 14 Jahren lesen und bewerten. „Bruderherz, ich hätte dir so gern die Welt gezeigt“ ist eines dieser Bücher. Der sechzehnjährige Marian Grau hat es geschrieben und las jetzt in der Stadtbücherei vor. Marian ist Reiseblogger, mit 17 Jahren der jüngste Deutschlands. 39 Länder hat er bisher besucht in Europa, Südamerika und Asien. Auf seinem Blog „GeoMarian“ gibt er Tipps für andere „Weltenbummler“. Ständig plant er weitere Reisen. Sie geben ihm ein „Gefühl der unbegrenzten Freiheit“. Es ist für ihn „Therapie geworden“. Es habe „viel geholfen“ mit dem Tod seines Bruders umzugehen. „Schau dir die Welt an!“, sagt er. In zwei Dritteln des lebendig, emotional berührend geschriebenen Buches gehe es um seinen Bruder Marlon.

„Mein Leben hat sich krass verändert“

Marlon hatte die seltene Stoffwechselerkrankung Morbus Leigh. Sie entsteht „durch einen Defekt auf jeweils demselben Gen wie bei den Eltern“. Als Marian zwei Jahre später zur Welt kommt, standen die Chancen, dass er selbst gesund ist, drei zu eins. „Marlon hat kein Glück gehabt“. Er konnte nicht laufen, nicht sprechen und wurde mittels Magensonde ernährt. Lebenserwartung zwei Jahre. Dennoch stirbt Marlon erst, als Marian neun Jahre alt ist. „Mein Leben hat sich krass geändert, eigentlich habe ich zwei Leben“. Er habe viel von seinem Bruder für das Leben gelernt, sei selbständig geworden. „Wenn Marlon gelacht hat, war der Tag gut“. „Die Welt war ganz klein“, berichtet der junge Autor, „Haus, Schule, ich kannte nicht einmal das Nachbardorf“. Die einzigen Reisen gingen nach Olpe zum Kinderhospiz. Im ersten Kapitel des Buches beschreibt der Gymnasiast der elften Klasse Erlebnisse seiner ersten Reise nach Kambodscha. Die Begegnung am Heiligabend mit Cheng und dessen sieben Brüdern in Battambang. Deren Eltern sind tot und die Kinder leben auf der Straße. Ihm wird bewusst, wie gut es uns in Deutschland geht und wie wenig wir das zu schätzen wissen. Nach dem Tod seines Bruders sei die „Blase geplatzt“. Nun will er die ganze Welt sehen. „Im Herzen“ hat er seinen großen Bruder „immer dabei“ und manchmal ist er ihm ganz nah. Wie bei einer Reise nach Paris zusammen mit seiner „Reisetante“. Dort, vor der Kirche Sacré-Coeur, spielt ein Straßenmusikant das Lied „Halleluja“ von Leonard Cohen. Es ist das Lied, das auch bei der Beerdigung Marlons gespielt wurde und es zeigt ihm „er ist auch mit dabei“.

Marian Grau ist seit neuestem Botschafter des Deutschen Kinderhospizvereins e.V. in Olpe. Er sagt, es brauche keine Urkunde, um eine Botschaft zu verbreiten. „Ich möchte, mit meinem Bruder Marlon im Herzen, hinaus in die Welt ziehen und dafür sorgen, dass mehr und mehr Menschen ihre Stimme für die Kinderhospizarbeit nutzen.“

Das könnte Sie auch interessieren

Meistgelesene Artikel

Vorschriften nicht erfüllt: Luftrettung darf Klinikum Hann. Münden offiziell nicht anfliegen

Offiziell darf die Luftrettung das Klinikum nicht anfliegen, nur in Notsituationen darf eine Landung erfolgen.
Vorschriften nicht erfüllt: Luftrettung darf Klinikum Hann. Münden offiziell nicht anfliegen

Kommentare

Hinweise für das Kommentieren

Von Mo. bis Fr. in der Zeit von 18 bis 9 Uhr und am Wochenende werden keine neuen Kommentare freigeschaltet.
Bitte bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht.