Die Renaissance war bunt

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Stadtarchivar Stefan Schäfer (re.) erklärt das Gießverfahren von Schrotkugeln im Fährenpfortenturm.

Hann. Münden. Der Tag des offenen Denkmals bot die Möglichkeit hinter sonst verschlossene Türen zu schauen.

Von HELGA PIEKATZ

Hann. Münden. Der Tag des offenen Denkmals stand unter dem Motto "Farbe macht Licht". In Rot, Blau, Gelb, Grün und verschiedenen Farbzwischentönen erstrahlte am Samstagabend der Innenraum der St. Blasiuskirche. Musikalisch begleitet vom Organisten Detlef Renneberg präsentierte Lichttechniker Jürgen Plotz zur Eröffnung des bundesweiten Denkmaltages eine Lichtschau, die die Besucher sichtlich berührte. Pastor Andreas Risse hatte vorab die Bedeutung von Farben erklärt: Blau steht für den Himmel, Rot für die Auferstehung, Grün für die Hoffnung und Liebe, Goldgelb für die Sonne und die göttliche Gegenwart. Es sind die Farben des Regenbogens und dieser ist Sinnbild für den "Bund" den Noah nach der Sintflut mit Gott geschlossen hat (lt. Altem Testament). Die Kirche sei vor 800 Jahren gebaut worden als "Haus des Lichtes" mit seinen großen Fenstern. Sein Dank ging an die Erbauer der Kirche und an die, die sie heute erhalten. Bürgermeister Klaus Burhenne, Patron der Stadtkirche, dankte den Ehrenamtlichen, den Sponsoren und besonders dem Stadtbildpfleger und Denkmalschützer Burkhard Klapp für die Vorbereitung des Denkmaltages.

Am Sonntag waren zahlreiche Gebäude zur Besichtigung geöffnet, teilweise mit Führungen. Im alten Fachwerkhaus von Carsten Görtelmeyer in der Petersilienstraße konnte man mit Musterrollen die Schablonentechnik auf einer lehmverputzen Wand ausprobieren. Auch Stofftaschen ließen sich mittels Walztechnik bedrucken. Das Fachwerkhaus in der Sydekumstraße wird als Büro genutzt. Dort zeigte Barbara Brübach wie man mit einem Computerprogramm die Fassade eines Fachwerkhauses farblich entwerfen kann. Bei Museumsleiterin Martina Krug bemalten Erwachsene und Kinder Kacheln mit Porzellanfarbe in Kobaltblau. Vorlagen waren alte Mündener Kacheln.

Beeindruckendes Römergemach

Martina Pakusch zeigte beispielsweise Gästen das "Römergemach" im Welfenschloss. Sie erläuterte die Wandmalereien. Da ist Midas, der sich wünschte, alles was er berührte sollte zu Gold werden. Der Wunsch ging in Erfüllung und entpuppte sich als Fluch. Denn Gold kann man nicht essen und nicht trinken. Oder Scevola, der seine "Hand ins Feuer legen" musste. Im "Gemach zum weißen Ross" sind Heldenfiguren des Alten Testaments dargestellt, wie David, Judith und Ester. Führungen zu diesen Gemächern sind immer freitags um 14.30 Uhr.

Mündens Archivar Stefan Schäfer erläuterte im Fährenpfortenturm die Schrotherstellung nach dem Turmgießverfahren. Die Arbeit vor hundert Jahren war schwer und gesundheitsschädigend. Die Arbeiterinnen und Arbeiter mussten an sechs Tagen zehn Stunden arbeiten.

Das historische Rathaus ist ein bedeutendes Bauwerk der Weserrenaissance. Auf den Spitzen der drei "Zwerchhäuser" stehen Symbolfiguren. Die Figur links mit dem Kreuz symbolisiert den Glauben, die in der Mitte mit dem Schwert die Gerechtigkeit und die rechts mit dem Buch die Weisheit. Stadtführerin Heidrun Lehmann erklärte Symbole, Farbe, Schmuck und Inschriften des 1601 begonnen Rathausbaus. Beispielsweise ist die Tür am nördlichen Rathausportal "die älteste Tür der Stadt", ebenso deren Klinke. Auf dem Anbau, der "Unlucht" von 1604 steht ein Loblied auf die Stadtoberhäupter. "Siehe, es regieren die Vaterstadt mit heimatlicher Tüchtigkeit…. Joachim Mecke, stark an Begabung und Einsicht, nicht geringer bewährt sich Heinrich Koning (König) zubenannt, wahrhaftig zu Friedens- wie in harter Kriegszeit." Heidrun Lehmann machte aufmerksam auf die Blütendekorationen, die Löwen- und Engelsköpfe, "das Rathaus ist farbenprächtig, denn die Renaissance war bunt".

Weiter waren zur Besichtigung offen die Moschee, das Logenhaus und das Fachwerk-Deelenhaus in Gimte. Überall wurde Kaffee und Kuchen angeboten oder auch Grillwürstchen und andere Leckereien.

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