Bilanz der Mündener Sch(l)aufenster-Aktion ernüchternd

+
Reinhard Müller vom Förderverein Mündener Altstadt vor dem Geschäft in der Rosenstraße 6, in dem derzeit der Förderverein und die Bürgergenossenschaft Mündener Altstadt ausstellen.  

Macher: ,Ein Dutzend Läden müssten nicht leer sein’

Hann. Münden. Wenn man durch die Rosenstraße schlendert und in den Schaufenstern das Warenangebot betrachtet, fällt einem erst auf den zweiten Blick auf, dass die Hausnummer 6 gar kein Angebot hat. Vielmehr stellen sich hier Bürgergenossenschaft und Förderverein Mündener Altstadt vor. Eigentlich würden die Blicke der Passanten hier in gähnender Leere enden, doch dank der „Sch(l)aufensteraktion“ des Fördervereins Mündener Altstadt, konnte man eine solche Situation an diesem Standort vermeiden: „Wir kamen mit dem Eigentümer des Geschäfts überein, dass wir das Schaufenster gestalten dürfen. Somit steht es nicht leer und wir können uns dort präsentieren. Beide Seiten profitieren davon“, erklärt Schriftführer Reinhard Müller die Idee.

57 Leerstände Anfang 2016 erfasst

Der Förderverein, so Müller, habe es sich zur Aufgabe gemacht die Stadt aufzuhübschen. Seit Januar 2016 habe man sich um die leeren Schaufenster der Stadt bemüht, 57 Leerstände erfasst, von denen elf belebt werden konnten. „Von diesen elf wiederum befinden sich nur noch drei in Gestaltung – das sind wir, das Nähcafé des Bürgertreffs und der Konzertchor der St. Blasius Kirche. In einem weiteren Geschäft befindet sich der Flohmarkt unseres Fördervereins“, so Müller. Doch was ist mit dem Rest? „Es ist pures Desinteresse vieler Inhaber. Sie teilen auf Anfrage mit, dass sie bald wieder vermieten werden, doch passieren tut dann nichts. Manche der Eigentümer wohnen auch gar nicht in Hann. Münden, sondern München oder Göttingen und sehen nicht tagtäglich dieses Bild der Leerstände. Viele Leerstände gibt es momentan in der oberen Langen Straße.“

Die Liste der Künstler, Vereine und Verbände, die sich gerne in einem der leeren Schaufenster der Öffentlichkeit zeigen würden, ist lang: „Wir haben derzeit rund zehn Interessenten und ein Dutzend potenzielle Schaufenster, die man beleben könnte. Doch dafür müssen die Eigentümer auch wollen“, bedauert Müller. Er kann die Zurückhaltung der Inhaber nicht verstehen: „Wir brauchen nur ein bis eineinhalb Meter Tiefe des Schaufensters. Die Fläche des Ladens bleibt unberührt. Gestaltet werden die Fenster in Eigenregie von den Ausstellern. Damit wirkt das Schaufenster auch gleich viel attraktiver und wird interessanter für potentielle Nachmieter, der sieht, dass dort etwas passiert und kein Stillstand herrscht. Wer stellt sich sein zukünftiges Geschäft schon gerne in einem leeren Laden vor?“

Die Eigentümer, die sich an der Aktion „Sch(l)aufenster“ beteiligt hätten, nahmen das Angebot des Fördervereins gerne an, so Müller: „Die Leute wollen eben nicht in leere Schaufenster gucken. Das wertet das Bild der ganzen Stadt ab.“ Und dabei werde gerade dagegen einiges getan: „Wir haben hier Blühstellen, Blühfässer, bunte Fahrräder und bemalte Telefonkästen – alles gestaltet von eifrigen Einwohnern – die unsere Stadt schöner machen. Auch wir vom Förderverein wollen unseren Teil dazu beitragen, dass die Stadt attraktiv bleibt“, so Müller.

Wirtschaftsförderer sucht das Gespräch

Mündens Wirtschaftsförderer Tobias Vogeley teilte auf Anfrage mit, dass er aktuell den Leerstand in der Innenstadt erfassen und mit den Inhabern betroffener Flächen sprechen wolle, um zu erfahren, welche Gründe es für den Leerstand gebe. „Kleine Läden, so wie wir sie haben, sind heute nicht mehr so gefragt. Es geht auch um die Überlegung Geschäft zusammen zu schließen, um größere Flächen zu erhalten, die besonders für Filialisten interessant sind“, so der Wirtschaftsförderer weiter. Er begrüße das Engagement des Fördervereins. Dennoch müsse vorrgangiges Ziel sein, die Geschäfte wieder kommerziell zu nutzen. Daran arbeite er derzeit: „Es stehen zig Gespräche an.“

Wer Kontakt zum Förderverein aufnehmen und über die Aktion „Sch(l)aufenster“ informieren möchte, kann sich unter e-Mail info@foerderverein-muendener-altstadt.de an die Organisatoren wenden.

+++Zurückhaltung ist unverständlich+++ Zwischenruf von Mathias Simon+++

Das Sch(l)aufenster ist eine wirklich tolle Idee des Fördervereins Mündener Altstadt. Unverständlich ist die Zurückhaltung der Geschäftseigentümer, die offenbar gar nicht an einer, wenn auch vorübergehenden und unentgeltlichen Nutzung ihrer Ladenfronten interessiert sind. Dabei geht es um viel mehr als nur um ein einzelnes Geschäft. Es geht ums Ganze. Um das Bild der Altstadt, die sich denen bietet, die entweder tagtäglich durch die Straßen bummeln oder aber zu besonderen Anlässen von weither kommen, um das Fachwerkflair zu genießen, wie zu Fronleichnam oder dem Stadtfest. Sie alle sehen, dass es viel Leerstand und offenbar wenig Nachfrage nach Geschäften in einem Mittelzentrum wie Hann. Münden gibt. Natürlich hilft das Sch(l)aufenster in erster Linie nur diesen Zustand zu kaschieren, ist aber auch für diejenigen von Nutzen, die einen Laden betreiben. Kundenströme reißen nicht ab, wenn es keine vermeintlichen Leerstände gibt und sorgen dafür, dass die neugierigen Blicke in die Geschäfte auch in in die entlegensten Ecken Mündens wandern. Auch diese Geschäfte gibt es und es wäre schade, wenn sie nicht allen potenziellen Kunden ihr Warensortiment zu Gesicht bringen könnten, nur weil davor zwei leere Geschäfte liegen und manche unverrichteter Dinge wieder umkehren, weil sie glauben das Ende der Fahnenstange erreicht zu haben. Der Förderverein sollte weiterhin versuchen in diese Lücken zu stoßen und am Ball bleiben, die Eigentümer weiterhin versuchen umzustimmen. Denn ein attraktives Straßenbild nutzt der gesamten Stadt.

Das könnte Sie auch interessieren

Meistgelesene Artikel

Mazda MX5-Treffen TidM auf dem Weserpark steht an

Vom 27. bis 29 Juli findet das Mazda MX5-Treffen auf dem Wesertor in Hann. Münden statt
Mazda MX5-Treffen TidM auf dem Weserpark steht an

Verkehrswacht und Sparkasse unterstützen Fahrradprüfungen

Im Altkeis Münden unterstützen die Verkehrswacht und Sparkasse die Fahrradprüfungen für Schüler
Verkehrswacht und Sparkasse unterstützen Fahrradprüfungen

ASB bietet Sanitätsdienstlehrgang an

Fit fürs Ehrenamt: Der Lehrgang befähigt die Teilnehmer bei bestandener Prüfung zur Durchführung von Sanitätswachdiensten, der Mitarbeit im Katastrophenschutz und in der …
ASB bietet Sanitätsdienstlehrgang an

NABU Niedersachsen warnt davor Vogelkinder aufzunehmen

Jungvögel am Boden sind nicht in Not
NABU Niedersachsen warnt davor Vogelkinder aufzunehmen

Kommentare

Ab dem 25.5.2018 gilt die Datenschutzgrundverordnung. Dazu haben wir unser Kommentarsystem geändert. Um kommentieren zu können, müssen Sie sich bei unserem Dienstleister DISQUS anmelden. Sollten Sie zuvor bereits ein Profil bei DISQUS angelegt haben, können Sie dieses weiter verwenden. Nutzer, die sich über den alten Portal-Login angemeldet haben, müssen sich bitte einmalig direkt bei DISQUS neu anmelden.

Hinweise für das Kommentieren

Von Mo. bis Fr. in der Zeit von 18 bis 9 Uhr und am Wochenende werden keine neuen Kommentare freigeschaltet.
Bitte bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht.