Schuss vor den Bug

Nachforderungen bis zu 130 Prozent: Brger wehren sich gegen eine ungerechte AbwassersatzungHessisch Lichtenau/Reichenbach. Das wird ein K

Nachforderungen bis zu 130 Prozent: Brger wehren sich gegen eine ungerechte Abwassersatzung

Hessisch Lichtenau/Reichenbach. Das wird ein Kampf wie David gegen Goliath, sagt Herbert Brill. Er ist Pressesprecher der aufgebrachten Reichenbacher Brger, die sich nicht alles gefallen lassen mchten. Es geht um die aktuelle Abwassersatzung der Stadt Hessisch Lichtenau genauer gesagt, um eine Kalkulation der Abwasserbeitrge, die sich nun um 130 Prozent erhht hat. Dagegen soll nun Widerspruch eingelegt werden. HintergrundDie Stadt Hessisch Lichtenau hat fr die Brger von Reichenbach und Wickersrode auf dem Gebiet der Stadt Spangenberg in den Jahren 2004 bis 2006 eine Abwasserreinigungsanlage errichtet. Erforderlich wurde die Baumanahme, da die aus den sechziger Jahren stammende Klranlage den heutigen gesetzlichen Bestimmungen nicht mehr entsprach. Die auf der gesetzlichen Grundlage ermittelten Kosten wurden als Vorausleistung in vier Teilbetrgen (in den Jahren 2004, 2005, 2006 und 2007) von den Hauseigentmern gezahlt. Emotionen kochten hochDoch dann der Schuss vor den Bug: Im November 2007 teilte die Stadt Hessisch Lichtenau den Brgern mit, dass gegenber dem Stand der Kalkulation aus dem Jahre 2004 sich die Baukosten um 343.367,07 Euro erhht htten. Aus diesen und einigen anderen Faktoren ermittelte die Stadt Hessisch Lichtenau eine Nachforderung von rund 130 Prozent fr die Reichenbacher Brger. Mit dem Nachforderungsbescheid vom 4. Januar wurden die Brger aufgefordert, den Betrag aufgeteilt in zwei Raten am 1. Mrz und 1. September zu zahlen.Das wollen die Brger so nicht hinnehmen. Nachdem die Emotionen auf einer Informationsveranstaltung der Stadt Hessisch Lichtenau hochgekocht waren und Brgermeister Jrgen Herwig eine Einladung zu einer Brgerversammlung ausgeschlagen hatte, haben sich die Reichenbacher Brger an zwei Rechtsanwlte gewandt.Drfer sterben ausIn einer Sitzung der Brgerinitiative, bis auf wenige Ausnahmen waren alle Grundstckseigentmer anwesend, wurde der Beschluss gefasst Widerspruch gegen die Forderung der Stadt einzulegen. Der an dem Abend gegrndete Vorstand der Brgerinitiative wurde ermchtigt, zur weiteren Rechtsberatung und zur Hilfestellung juristische Hilfe in Anspruch zu nehmen. Im Rahmen der Versammlung wurde sich darber emprt, dass auf Grund geschichtlich, begrndete Grundstcksgren einer Belastung ausgesetzt werden, die in vielen Fllen den Wert der Gebudeanlage bei weitem berschreitet. Bei Grundstcksgren von vielfach mehr als 1.000 Quadratmeter ist davon auszugehen, dass diese mit einer Flche von bis zu 80 Prozent Geschossflche bebaut werden, mag in der Stadt realistisch sein, ist aber fr die Drfer utopisch, argumentiert Brill. Hinzu kommt dass die Drfer erhebliche Nachteile im Bereich der Infrastruktur haben. Die Folge ist, das viele junge Menschen unsere Drfer fr immer verlassen.Viele Brger knnen aus fehlender Finanzkraft diese hohe Belastung nicht mehr tragen. Zum einen gewhren ihnen die Banken keinen zustzlichen Kredite mehr und zum anderen ist die Kreditwrdigkeit auf Grund ihres hohen Alters in Frage gestellt.Mit den Worten ,Willst du uns unglcklich machen? haben meine erwachsenen Kinder meine beiden Huser als Erbe dankend abgelehnt, erzhlt Brill.

Versammlung am 25. JanuarDieser Entwicklung will die Reichenbacher Brgerinitiative entgegenwirken und ein Zeichen setzen: Am kommenden Freitag, 25. Januar, ab 20 Uhr, knnen im Vereinshaus Reichenbach die einzelnen Widersprche fr jeden betroffenen Brger erstellt werden. Entsprechende Formbltter werden vorbereitet und Jedem wird bei Bedarf geholfen. Danach werden die Widersprche form- und fristgerecht bei der Stadt Hessisch Lichtenau durch den Vorstand eingereicht. (wer)Infos: Vorsitzende Birgit Osigus-Koch, Im Tor 2, 37235 Hessisch Lichtenau, OT Reichenbach, Telefon 05602-6669 oder Herbert Brill, Telefon 05602-7617.

Was sagt Brgermeister Jrgen Herwig?Die Statuten der Abwassersatzung sind gerichtlich verfgt. Die Stadt Hessisch Lichtenau hat sich danach zu richten. Die im Jahre 2004 ermittelte Kalkulation war zugebenermaen nicht zu halten. Viele Kosten sind inzwischen gestiegen, die umgelegt werden mssen. Ich gebe zu: Die damaligen Zahlen sind heute Schall und Rauch, so leid es mir fr die betroffenen Brger tut. Ich bezweifle, dass ein Widerspruch etwas bewirkt auer zustzlichen Rechtsanwaltkosten. Doch keiner braucht sein Haus zu verkaufen. Bei Zahlungsschwierigkeiten kann jeder Hausbesitzer einen Stundungsantrag an die Stadt stellen und individuelle Raten vereinbaren. (wer)

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