Seltene Gesellen: Luchs und Schwarzstorch im Reinhardswald abgelichtet

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Von Farn verdeckt, aber doch gut zu erkennen: Ein Luchs.

Tiere tappen in Fotofalle und lassen auf die Ansiedlung von Populationen hoffen

Reinhardshagen. Unter der Federführung von Dr. Markus Port von der Uni Göttingen wird seit Herbst 2014 die kleine Teilpopulation des eurasischen Luchses in Nordhessen erforscht. Das Luchsmonitoring wird finanziert durch die Heinz-Sielmann Stiftung und die Bürgerstiftung Kassel. „Ohne das Engagement der Stiftungen wäre dieses Projekt nicht möglich geworden“, betont Port. Neben elektronischen Kameras (Fotofallen) in den Wäldern südöstlich von Kassel, wo immer wieder Luchse gesichtet und auch fotografiert wurden, sind seit 2016 auch Fotofallen im Reinhardswald installiert. Obwohl auch im Reinhardswald immer mal wieder Luchssichtungen dem Forstamt Reinhardshagen gemeldet wurden, gab es bisher keine fotografische Bestätigung dieses Tieres. Doch jetzt, gleich zweimal, ein fotografischer Beweis. Zunächst hatte eine Jägerin des Forstamtes die seltene Gelegenheit den Luchs nicht nur zu beobachten, sondern mit dem Handy zu fotografieren. Das Foto ist sehr undeutlich, doch der Fachmann erkennt zweifelsfrei einen Luchs. Kurze Zeit später, Anfang Juli diesen Jahres, hat es dann mit der Fotofalle geklappt. Dr. Port und seine Mitarbeiter sowie die Förster im Reinhardswald sind mächtig stolz, jetzt endlich auch einen eindeutigen Beweis des Luchses im Reinhardswald in den Händen zu haben.

Ist der Luchs im Reinhardswald zuhause?

Ob es sich bei dem Luchs um ein junges oder ein älteres Tier handelt, welches Geschlecht es hat und wo es herkommt, lässt sich leider nicht sagen. Auch wird sich erst noch zeigen müssen, ob sich der Luchs dauerhaft im Reinhardswald niederlassen wird. „Tappt uns der Luchs zukünftig noch häufiger in die Fotofallen, können wir davon ausgehen, dass er im Reinhardswald eine neue Heimat gefunden hat“, so Dr. Port. „Jeder Luchs hat seine typische Fleckzeichnung im Fell, anhand derer die Tiere individuell voneinander unterschieden werden können“, erklärt Port.

Nicht schlecht staunten die Mitarbeiter vom Luchsprojekt, als Sie bei einer Routinekontrolle der Fotofallen einen Schwarzstorch auf einer Aufnahme zu sehen bekamen. Auf dem etwas unscharfen Foto spaziert der Storch auf einem Erdweg und kontrolliert die dort stehenden Wasserpfützen auf etwas Fressbares wie Molche oder Frösche. Der Schwarzstorch ist, wie der Luchs, eine geschützte Art nach Naturschutzrecht mit hohen Ansprüchen an seinen Lebensraum. Insbesondere ist er sehr störungsanfällig bei der Besetzung seines Brutrevieres im Frühjahr. Als Zugvogel kehrt er oft in den gleichen Horst zurück wenn die Bedingungen stimmen. Er bevorzugt als Waldstorch, ausgedehnte ruhige Waldgebiete mit Bächen, Teichen und Feuchtgebieten. Seine Lieblingsspeise sind Fische. Aber auch Amphibien stehen auf dem Speiseplan.

Dieser Schwarztstorch ist nicht auf der Flucht, sondern auf Futtersuche.

"Die Bedingungen hier im Reinhardswald scheinen für den Schwarzstorch zu passen", erklärt Klemens Kahle vom Forstamt Reinhardshagen. Das Vorkommen in Hessen wird auf knapp über 50 Brutpaare geschätzt. Vor 50 Jahren waren es noch etwa 20 deutschlandweit. „Dem Forstamt Reinhardshagen ist ein Brutpaar und der Horst bekannt. Das Storchenpaar hat, wie auch im vergangenen Jahr, drei kräftige Jungvögel großgezogen, die kurz vor dem Ausfliegen sind“, informiert Kahle. Der besonderen Lebensweise des seltenen und heimlichen Storches hat sich das Forstamt über eine Artenpatenschaft angenommen. "Durch Rücksichtnahme in der Waldbewirtschaftung, die Anlage von Nahrungsbiotopen sowie die Rücknahme von Fichten in Bachtälern und deren Umwandlung in eine naturnahe Bestockung, sind wir bestrebt den Lebensraum und die Lebensbedingungen des Schwarzstorchs weiter zu verbessern", so Kahle abschließend.

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