Spektakuläre Idee: Macht Hann. Münden die Surfer-Welle klar?

Das Historische Nadelwehr an der Wanfrieder Schlagd reguliert die Werra gegenüber dem Packhof. Nun soll geprüft werden, ob das Bauwerk dem Wasserdruck standhält, wenn sich der Strom in der Mitte konzentriert, um die künstliche Welle für Surfer zu erzeugen. Foto: Archiv

In Hann. Münden könnte etwas Realität werden, was es bundesweit bisher so nur in München am Eisbach gibt: Eine "stehende Welle" für Surfer, geplant am Nadelwehr der Dreiflüssestadt.

Hann. Münden. Als „spektakuläres Projekt“ bezeichnete Thomas Oppermann, Bundestagsabgeordneter der SPD, die „stehende Welle“, die auf der Werra vor dem Mündener Packhof entstehen könnte. Das historische Gebäude könnte zu einem Gastronomiebetrieb ausgebaut werden und später von dem neuen Freizeitangebot profitieren (der Extra Tip berichtete). Bis zur Umsetzung gibt es aber noch dicke Bretter zu bohren. Ende Mai saßen Ideengeber Fritz Fehrensen, Landtagsabgeordneter und Unterstützer Gerd Hujahn und weitere Vertreter wichtiger Einrichtungen, wie Wirtschaftsförderung, HMM und Stadtverwaltung mit Katrin Urbitsch, Leiterin des Wasserstraßen- und Schifffahrtsamtes (WSA) in Hann. Münden zusammen, um das Projekt vorzustellen. Die Gäste des WSA, die davon überzeugt sind mit der Welle einen Besuchermagneten in die Dreiflüssestadt holen zu können, erfuhren, dass die Umsetzung des Vorhabens nicht so leicht werden wird. Sorgen bereitet das Historische Nadelwehr neben der Schleuse. Es darf laut Urbitsch nicht entfernt oder beeinträchtigt werden.

Ist Nadelwehr bei Veränderung stabil genug?

Laut Fehrensen kein Problem: Er möchte aus dem Bauwerk sogar einen Nutzen ziehen: Um genügend Wasserdruck für die Welle zu erzeugen, so die Ausführung Fehrensens, müsse das Nadelwehr in der Flussmitte einen höheren Wasserdurchfluss erzeugen. Die Fallhöhe des Bauwerks mit etwa 1,50 Meter sei ideal, um einen ausreichenden Strom hervorzurufen, der dann über eine am Flussgrund verankerten Holzrampe fließe und über einem „Kicker“, eine Art Sprungschanze, die Welle erzeuge, auf der später die Surfer ihre Runden drehen sollen. Urbitsch sah das Vorhaben nicht ganz so optimistisch wie der Mündener Unternehmer und betonte, dass man das Nadelwehr nicht ohne weiteres verändern dürfe. Außerdem zweifelte sie die Stabilität des Wehrs bei einem höheren Wasserdurchfluss an, der bislang durch Holzstangen reguliert wird. Wie Hujahn informierte, sei eine stehende Welle in Hannover jüngst erst genehmigt worden, wenn auch unter anderen Voraussetzungen wie in Hann. Münden. Hujahn versprach in Erfahrung zu bringen, wie die Planungen der Welle in der Landeshauptstadt ausgesehen haben und inwiefern dortige Erfahrungen in das Mündener Vorhaben einfließen könnten. Oppermann schlug außerdem vor, dass Fehrensen einen Ingenieur beauftragt, um zu prüfen, ob das Nadelwehr baulich dermaßen verstärkt werden könne, um einen höheren Wasserdurchfluss standzuhalten. Diese Lösung, so Urbitsch, müsse aber den Abbau des Nadelwehrs, der in den Wintermonaten von WSA-Mitarbeitern vorgenommen wird, weiterhin möglich machen und auch die Konstruktion, die die stehende Welle erzeuge, müsse jederzeit abgebaut werden können. Anfang Juli wolle man sich erneut zusammen setzen und die Ergebnisse besprechen und dann entscheiden, wie und ob man das von Fehrensen bezeichnete „Riverside-Projekt“ umsetzen könne.

Alternativer Standort für Investor Uninteressant

Den Standort auf der Fulda, unterhalb der Mühlenbrücke, den sich Urbitsch ohne Bedenken vorstellen könne, lehnte Fehrensen ab. Dann könnten die Touristen die Surfer nicht mehr von der Wanfrieder Schlagd beziehungsweise vom Doktorwerder aus beobachten. Der, so hatte der Bürgermeister im vergangenen Sommer bemerkt, soll gastronomisch stärker genutzt werden. Deshalb, so Fehrensen, wolle man alles „dicht beieinander haben“.

So soll das Projekt finanziert werden

Der Unternehmer setzt sich stark für die stehende Welle ein und nannte auf Rückfrage auch konkrete Zahlen: Die Kosten für die Unterwasserkonstruktion belaufen sich nach seinen Schätzungen auf etwa 300.000 Euro – die nötigen Fundamente nicht mitgerechnet. Fehrensen stellt sich vor, dass die Finanzierung durch Sponsorengelder und Crowdfunding gelingt. Ebenso sollen regionale Förderprogramm in Betracht gezogen werden. „Später soll sich ein Trägerverein gründen, dessen Mitglieder gratis surfen können. Gäste könnten zeitlich eingeschränkte Tages- oder Wochenpässe kaufen. So wäre ein Teil der Refinanzierung gesichert und anfallende Reparaturen könnten so bezahlt werden“, erklärt Fehrensen, der optimistisch bleibt: „Es wäre doch gelacht, wenn wir dieses wertvolle Projekt nicht umgesetzt bekämen. Wir sollten alle Möglichkeiten zur Umsetzung prüfen.“

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