Spiel mit der Gefahr: Präventionstheater gab Schülern Tipps für den Umgang mit Facebook und Co.

Von HELGA PIEKATZ Hann. Münden. Alles fängt ganz harmlos an: Silvio Nones und Billa Berger sind in der gleichen Schulklasse. Sie müssen zusammen

Von HELGA PIEKATZ

Hann. Münden. Alles fängt ganz harmlos an: Silvio Nones und Billa Berger sind in der gleichen Schulklasse. Sie müssen zusammen einen Film für die Projektwoche machen. Billa filmt Silvio, dessen Hobbies Disco- und Effektlicht sind. Aus Spaß sagt Silvio Dinge über Billa in die Kamera, die er "gar nicht meint". Beim anschließenden "chatten" im Internet mit seinem Cousin Joel sendet er "mit einem Click" den Film und vergisst dabei die anfänglichen Aufnahmen. Für unzählige User ist das peinliche Video jetzt im Internet zu sehen. Und auch über Silvio kursiert ein "Klovideo" im Netz. Er wird Opfer von Cybermobbing, traut sich nicht mehr, in die Schule zu gehen, fühlt sich einsam und verlassen.

Begeisterte Schüler

Ungefähr 300 Kinder der Klassen 6 bis 8 aus der Werra-Realschule und der Heinrich-Sohnrey-Realschule sahen am vergangenen Mittwoch im Mündener Schloss das Theaterstück "click-it! 2".

Zum Auftakt betritt Captain Sorglos die Bühne, eine fiktive Figur, die das Internet als "sicher und ungefährlich" einschätzt. Deshalb fordert er "freien Zugang zum Netz" und erhält begeisterten Applaus von den Schülern. Er versucht ihnen zu beweisen, dass das Internet total ungefährlich ist, etwa so wie "Bananen schälen".

Internetseiten wie YouTube, Facebook, SchülerVZ sind den Mündener Schülern bekannt, auch die Chatsprache ist ihnen geläufig. Begeistert verfolgen sie daher die Dialoge von Silvio, Billa und Captain Sorglos. Auf einem Parkplatz kommt es zu einer Auseinandersetzung zwischen der mobbenden "Gang" und Jugendlichen, die Silvio und Billa helfen.

Nach der Aufführung wechseln die Schauspieler ihre Kleidung. Der Dialog zwischen den Realschülern und den Schauspielern beginnt, die Fragen sprudeln: "Kann das im wirklichen Leben passieren?", "Geht das wirklich, Gesichter auf fremde Körper montieren?", "Ist das Internet gefährlich?" "Was passiert mit den Leuten die mobben?"

Antworten auf Fragen

Theaterpädagogin Birgit Mehrmann und Jonas Schweizer-Farst, der auch Regie führte, sowie Carsten Keller beantworten die Fragen. Das Theaterstück, so erklären sie, greift die Erfahrungen vieler Mädchen und Jungen, vor allem mit Cybermobbing, auf. Auch wenn man ein Foto im Internet lösche, könne es vorher schon kopiert und verbreitet worden sein. Das von einem Schüler angeführte Argument, das Foto mit Kopierschutz zu versehen, entkräften sie mit der Möglichkeit des "Screenshots", (per Tastendruck wird der Bildschirm dabei fotografiert).

"Ja", warnt Birgit Mehrmann, "man kann mit speziellen Programmen Gesichter auf fremde Körper montieren." Das Internet sei aber nicht per se nicht gefährlich, sondern manche Leute, die es benutzen. Schützen können sich die Schüler, indem sie keine persönlichen Daten ins Internet setzen, in Chatrooms Nicknamen benutzen und keine Fotos, die sie auch privat nicht zeigen würden, veröffentlichen. "Am besten", erklärt Jonas Schweitzer-Farst", man sieht nur Teile von euch, wie Hinterkopf, Hand oder Nase." Auch Comicgesichter und Smileys seien ungefährlich. Werde jemand gemobbt, so sollten sich die Jugendlichen ihren Eltern, Lehrern oder erwachsenen Geschwistern anvertrauen. Denn, so die Theatermacher: "Hilfe holen ist kein Verrat. Mobbing ist ab 14 Jahren strafbar."

Das Theaterstück click it! des Zartbitter-Präventionstheaters gibt es übrigens seit ungefähr fünf Jahren, die aktualisierte Fassung wird seit einem Jahr aufgeführt.

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