Aus Liebe zur Fachwerkstadt - anpacken statt meckern

Ein Traum: Das Ehepaar Staub fühlt sich in ihrer neuen Bleibe wohl.­
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Ein Traum: Das Ehepaar Staub fühlt sich in ihrer neuen Bleibe wohl.­

Das Ehepaar Staub fühlt sich in Münden pudelwohl

Hann. Münden. Wenn das Ehepaar Staub zurück schaut, fallen ihm gute und weniger gute Erinnerungen ein, wobei die guten ganz klar überwiegen. Ein Rückblick: Hermann Staub wurde in Göttingen geboren und wuchs in der Dreiflüssestadt auf. Nach dem Abitur studierte er Germanistik und Geschichte in Göttingen. Später ging er nach Hofheim, arbeitete in Frankfurt am Main, unter anderem als Wissenschaftlicher Mitarbeiter der Deutschen Nationalbibliothek, bevor er 2017 in den Ruhestand ging. Seine Frau Conny lernte er 1978 kennen, und heiratete sier 1982: „Ich sagte ihm damals, dass er bloß nicht auf die Idee kommen soll, irgendwann wieder nach Münden zurückzuziehen“, sagt sie heute und lacht. Die Staubs waren trotz der Entfernung über die Jahre immer mit Hann. Münden verbunden gewesen. Hier hatten sie das Elternhaus von Hermann Staub wieder aufgebaut und vermietet, sowie ein Haus in der Ritterstraße geerbt, um das sie sich kümmerten. Von Zeit zu Zeit zog es sie an die drei Flüsse. So ganz ohne ging es dann doch nicht.

Schock im Mai 2008

Dann kam es zu einem dieser Ereignisse, die weniger schön waren: Das Ehepaar verbrachte im Mai 2008 wieder einige Tage in Münden und hatte sich in der Hotel „Zur Reblaus“ einquartiert als es eines morgens an der Tür klopfte: „Wir wurden von einem unserer Mieter geweckt mit dem Hinweis, dass mein Elternhaus brennt. Als wir am Ort des Geschehens ankamen, stand der Dachstuhl des Gebäudes komplett in Flammen. Wir mussten danach ein Stück weit von vorne anfangen und bauten das Haus wieder auf. Gar nicht so einfach, denn zwischen Hofheim und Hann. Münden liegen etwa 220 Kilometer. Da ist es gut, wenn man jemanden vor Ort hat, auf den man sich verlassen kann. Hier müssen wir der Architektin Christa Lotze und Bauleiterin Katja Danne danken“, blickt Hermann Staub zurück.

2013 folgte das DenkmalKunst-Festival mit der Aktion „9x24“ (in neun Tagen sollte das Haus in der Speckstraße 7 rund um die Uhr saniert werden, die Red.) und damit eine einschneidende Erfahrung für Ehefrau Conny: „Uns hat dieses gemeinschaftliche Erlebnis persönlich verändert. Ich für meinen Teil habe meine eigene Position in Münden gefunden und war plötzlich nicht mehr nur Hermanns Frau. Von diesem Zeitpunkt an konnte ich mir vorstellen hier zu leben“, erklärt Conny Staub.

Eigentumswohnung gekauft

Simon

Während des Kunstfestivals kam man mit dem Denkmalaktivisten Bernd Demandt ins Gespräch und erfuhr, dass er sich zum Ziel gesetzt hatte das Gebäude namens „Destille“ Hinter der Stadtmauer zu sanieren und dort Eigentumswohnungen einzurichten. „Sofort haben wir an unsere Zukunft gedacht. Mit 70 Jahren macht es wenig Sinn auf drei Etagen zu leben. So haben wir die Gelegenheit genutzt und die zum Großteil eingeschossige Dachgeschosswohnung der Destille gekauft, die über einen Fahrstuhl bequem zu erreichen ist“, erklärt Hermann Staub. Ende Juli vergangenen Jahres zog man hier ein, obwohl noch nicht alles fertig war, informiert das Ehepaar. Ausschlaggebend für die Rückkehr nach Hann. Münden war für beide in erster Linie aber nicht die Wohnung, sondern vielmehr das Umfeld: „Viele Freundschaften konnten wir in den vergangenen Jahren schließen. Die Grundversorgung ist fußläufig zu erledigen. In den ersten Monaten waren wir nicht einmal in Kassel oder Göttingen einkaufen – mit Ausnahme von IKEA. Man bekommt hier wirklich alles was man braucht. Natürlich vermissen wir nach den 30 Jahren in Hofheim einige unserer Freunde, aber es ist kein Problem sie für einen Besuch bei uns zu begeistern. Die meisten kennen Hann. Münden und kommen sehr gerne hierher. Aus Leipzig, Frankfurt oder dem Rheinland – kein Weg ist ihnen zu weit“, so Conny Staub. Zurücklehnen kommt für sie und Ehemann Hermann aber nicht in Frage. Beide engagieren sich in der Bürgergenossenschaft Mündener Altstadt sowie dem Förderverein Mündener Altstadt, dem KunstNetz und dem Freundeskreis von DenkmalKunst-KunstDenkmal. Entweder als Mitglied oder im Vorstand.

Ob sie ohne das Engagement der Mündener Bürger die Dreiflüssestadt als „Altersunruhesitz“ auserkohren hätten, bleibt schwer zu beantworten. Tatsache ist, dass sie sich in der Dreiflüssestadt pudelwohl fühlen und sicher sind, alles richtig gemacht zu haben. „Hier ist auch immer etwas los. Uns wird nie langweilig“, sagt das Ehepaar.

Über die Destille

Die Destille wurde zwischen 1933 und 1935 in der Straße „Hinter der Stadtmauer“ errichtet. Es handelt sich hier eigentlich um zwei Gebäude, die miteinander verbunden sind. In der Anfangszeit dienten sie als Getreidelager. Wie der Name vermuten lässt, wurde hier in den Folgejahren allerdings kein Schnaps gebrannt, sondern in einer Weinhandlung lediglich Hochprozentiges gemischt. In den 1950er Jahren waren in dem Gebäude Gastarbeiter untergracht, die in den Gummiwerken arbeiteten. Bis zur ihrer Wiederbelebung im Oktober 2014 durch Denkmalaktivist Bernd Demandt stand die Destille über zwei Jahrzehnte leer. Heute befinden sich zehn Eigentumswohnungen in dem Komplex, von denen alle verkauft sind. Bis auf zwei Wohnungen im Untergeschoss sind alle Wohnungen barrierefrei.

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