Toiletten und Sauberkeit in Mündens Innenstadt gefordert

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(V.li.) Guido Einecke, Betreiber des Ratsbrauhauses und Vorsitzender im Kreisverband des DeHoGas, Andreas Sadowsky vom Leitungsteam der Mündener Gilde und Matthias Biroth, Manager für Tourismus und Stadtmarketing von der HMM.

Gespräch mit Vertretern von Gastronomie, Einzelhandel und Stadtmarketing

Hann. Münden. Nach den vorteilhaften Wetterbedingungen für den Tourismus im Jahr 2018 wollten wir wissen, wie Mündener Gastronomen, Einzelhändler und die Hann. Münden Marketing GmbH (HMM) die vergangene Saison rückblickend bewerten und was sie von der bevorstehenden erwarten. Wir sprachen mit Guido Einecke, Betreiber des Ratsbrauhauses und Vorsitzender im Kreisverband des Deutschen Hotel- und Gaststättenverbands (DeHoGa), Andreas Sadowsky vom Leitungsteam der Mündener Gilde und Matthias Biroth, Manager für Tourismus und Stadtmarketing von der HMM.

Mündener Rundschau (MR): Wie verlief das Jahr 2018 für Mündener Unternehmer, die direkt vom Tourismus profitieren? Einecke: Trotz des guten Wetters waren die Umsätze nicht viel besser oder schlechter als in den Jahren davor. Unser Geschäft hat sich nur verlagert und zwar in den Abend hinein, weil mittags niemand in der Hitze etwas essen wollte. Das war aber alles machbar und nur eine Frage der Organisation.

Sadowsky: Als Leiter des Sport-Treff kann ich sagen, dass es ein gutes Sommergeschäft war. Kurze Hosen, Bademode – all diese Artikel waren natürlich sehr gefragt.

Biroth: Rein aus der statistischen Sicht war 2018 ein gutes Jahr für den Tourismus und die Stadt. Zwar waren die Ankunftszahlen im Vergleich zu 2017 etwas niedriger, sind aber im Vergleich zum Jahr 2016 gestiegen. Dieser Vergleich hat den Hintergrund, dass im Jahr 2017 die Documenta in Kassel stattfand und somit eine große Wirkung auf die Region hatte. Dass man im nachfolgenden Jahr keine derart hohen Zahlen erwarten kann, da die Strahlwirkung in der Region fehlt, ist selbstverständlich. Wenn man aber den gesamten Trend der letzten Jahrzehnte anblickt, ist die Zahl der Ankünfte stetig am Steigen.

MR: Aber die Übernachtungszahlen sind rückläufig. Wie passt das ins Bild? 

Einecke: Generell sind die Übernachtungszahlen sehr sprunghaft und werden durch mehrere Faktoren beeinflusst. Sind Großbaustellen in der Region, übernachten auch viele Monteure hier. Auch Großveranstaltung mit überregionalem Interesse, wie die Documenta Kassel bringen Gäste. Die Situation ist die, das wir in den warmen Monaten eine gute Auslastung haben und die Kapazitäten nahezu ausgeschöpft werden. Viel mehr geht nicht. Wichtig ist deshalb, das wir von November bis April mehr Angebote schaffen, um in dieser Zeit mehr Besucher nach Münden zu holen.

Sadowsky: Ähnlich ist es im Einzelhandel. Zwischen Januar und März kämpft auch der Einzelhandel mit schwächeren Umsätzen. Das ist aber auch in den Oberzentren Kassel und Göttingen so. Dieses Jahr begann für uns aber vergleichsweise gut. Mal sehen, wie’s weitergeht.

Biroth: 2018 war wettertechnisch ein Jahr der Extreme. Hitze, Trockenheit und Sonne haben den Sommer geprägt. An dieser Stelle kann man dann auch ein deutliches Problem erkennen: Zu heißes Wetter ist nicht zuträglich für den Tourismus. Wenn es über eine längere Zeit zu heiß ist, verlassen die Leute tagsüber ihr Haus nicht und wenn doch, suchen sie eher die Nähe zur Abkühlung. Das ist auch einer der Gründe, warum die Küstenregionen im letzten Jahr Rekordzuwächse hatten.

MR: Bei schwächelnden Tourismus in der kalten Jahreszeit kommt die HMM ins Spiel. Gibt es schon Ideen oder sogar konkrete Pläne, um in dieser Zeit die Situation zu verbessern?

Biroth: Ein schon letztes Jahr von der Hann. Münden Marketing GmbH umgesetztes Projekt ist die inzwischen etablierte und beliebte Kneipennacht. Bei dieser hat die HMM maßgeblich unterstützt und zur Umsetzung beigetragen. Mit etwa 1.500 Besuchern in diesem Jahr werden die Gastronomen auch in der eigentlich „leereren“ Zeit unterstützt. In diesem Zuge muss man auch die reaktivierte Nacht des Sportes nennen, welche von uns aktiv begleitet wurde. Ebenso hat die Eröffnung des Weihnachtsmarktes 2018 für einen großen Publikumsverkehr in der Innenstadt und für volle Geschäfte gesorgt. Dementsprechend ist es ein Ziel dies auch über weitere Veranstaltungstage in der Weihnachtszeit fortzusetzen.

Einecke: Zunächst möchte ich sagen, dass ich sehr froh darüber bin, dass es die HMM gibt. Durch Zusammenlegung von Stadtmarketing und Tourismusverein ist alles transparenter geworden. Früher hat jeder sein eigenes Süppchen gekocht. Erste Erfolge sehe ich in der neuen Homepage und dem Gastgeberverzeichnis. Man muss dem Ganzen auch etwas Zeit geben. Und man muss sich bewusst machen, dass alles Geld kostet. Marketing ist nun mal nicht billig.

MR: Braucht Hann. Münden denn über das Jahr verteilt weitere Events, um noch mehr Besucher anzulocken? 

Biroth: Generell finden, wie man an unserem Print- und Onlineveranstaltungskalender sehen kann, in diesem Jahr außerordentlich viele Veranstaltungen in Hann. Münden und Umgebung statt. Angesichts der Menge an Eigen- und unterstützten Fremdveranstaltungen ist die Durchführung von mehr eigenen Veranstaltungen zeitlich aktuell nicht möglich. Ideen sind noch viele Vorhanden und in der Schublade. Genauso werden wir weiterhin neue und spannende Konzepte anderer Veranstalter unterstützen und nach Hann. Münden holen.

Einecke: Soweit ich weiß wurden noch nie so viele Veranstaltungen geplant, wie in diesem Jahr: Kneipennacht, Münden Live, Bierfest, DenkmalKunst-Festival, um nur einige zu nennen. Ich denke es sollte an anderen Stellschrauben gedreht werden.

MR: Die da wären? 

Sadowsky: Das Erscheinungsbild der Stadt müsste sich verbessern, sie müsste sauberer werden. Es ist erschreckend, wie unsere Visitenkarten Tanzwerder und Bahnhof aussehen. Viel Dreck und Hundekot hinterlassen keinen guten Eindruck. Eine stadtnahe öffentliche Toilette wäre wünschenswert.

Einecke: Sehe ich auch so. Wir können uns glücklich schätzen, dass der Weser-Radweg zum beliebtesten in Deutschland gewählt wurde. Davon kann vor allem die Gastronomie profitieren. Aber dann sollte es am Weserstein, nach wie vor ein beliebtes Ausflugsziel, auch ordentlich aussehen. Die Möglichkeiten, um sein Fahrrad abzustellen, sind begrenzt.

Biroth: Eine weitere Sache sind mit Sicherheit die verfallenen Häuser in manchen Straßen und die leerstehenden Geschäfte. Wobei sich in diesem Bereich zum Glück etwas tut und zumindest bei manchen Gebäuden Abhilfe geschaffen wird. Interessant für die dunklere Jahreszeit wäre auch eine ausführlichere Illumination verschiedener Sehenswürdigkeiten in der Stadt. Mit einem ausgefeilten Konzept und etwas Werbung könnte man eine Lichtroute durch die Stadt etablieren und diese durch eigene Veranstaltungen mit Leben füllen oder auch zu anderen Veranstaltungen einbringen. Wünschenswert wäre auch eine bessere Erschließung des Wassers, zum Beispiel durch Gastronomie am Wasser und mehr Erlebnissen dort.

MR: Wie sieht es mit verkaufsoffenen Sonntagen nach Erholungsortregelung aus? Die Stadt hat sozusagen ein Privileg darauf.

Einecke: Andere Städte beneiden uns darum. Man sollte definitiv mehr daraus machen.

Sadowsky: Viele inhabergeführten Geschäften würden natürlich belastet, weil es für sie dann eine Sieben-Tage-Woche gibt. Dabei müsste man ja nicht jeden Sonntag öffnen, sondern vielleicht von Mai bis Oktober nur einmal im Monat. Dann sollten aber alle verlässlich mitziehen und natürlich das Wetter mitspielen, denn sobald der erste Regentropfen fällt, ist die Begeisterung weg. Wir werden mit unseren Mitgliedsbetrieben darüber diskutieren und die Bereitschaft abfragen, ob sie regelmäßig öffnen möchten.

Biroth: Natürlich kann ich die Argumente des Personalmangels und der wenigen Freizeit gut nachvollziehen, auch ist die Sonntagsöffnung bestimmt nicht für alle Geschäfte zwingend lohnenswert. Trotzdem würde es einigen Geschäften meiner Meinung nach nicht schaden, wenn auch sie diese Möglichkeit nutzen würden. Besonders in Anbetracht der Tatsache, dass uns andere Händler berichten, dass sie an Sonntagen den größten Umsatz in der Woche machen. Ich denke, dass man mit einer einheitlichen Regelung und einer guten Werbung in der Umgebung über eine gewisse Zeit, diese Situation noch bekannter machen und somit mehr Menschen zum Einkaufen nach Hann. Münden locken könnte.

MR: Wir danken für das Gespräch.

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