34-Jähriger nach Überfällen auf Mündener Spielhalle und Lebensmittelmarkt vor Gericht

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Der Täter hatte die Überfälle begangen, um sich nach eigenen Angaben Drogensucht und Glücksspiel zu finanzieren.

Mann steht wegen Geiselnahme und räuberischer Erpressung vor dem Landgericht

Hann. Münden/Göttingen. Wegen schwerer räuberischer Erpressung und Geiselnahme in Hann. Münden muss sich derzeit ein 34-Jähriger aus dem Altkreis Münden vor dem Göttinger Landgericht verantworten. Dem Mann wird vorgeworfen, im Juli 2017 zunächst eine Spielhalle in der Rosenstraße sowie einige Tage später einen Lebensmittelmarkt in Neumünden mit vorgehaltener Schreckschusswaffe überfallen zu haben. Der Angeklagte, der sich derzeit im Maßregelvollzugszentrum Moringen befindet, räumte seine Taten ein. Demnach lauerte er am frühen Morgen des 16. Juli einer Mitarbeiterin der Spielhalle im Rosenhof auf und überraschte sie, als sie im Begriff war, die Spielhalle abzuschließen. Eine Schreckschusspistole hielt der 34-Jährige dem Opfer ans Ohr mit der Androhung zu schießen und zwang sie mit ihm in die Spielhalle zurückzukehren. In deren Kasse befand sich lediglich Kleingeld, das der Täter vernachlässigte. Der Tresor ließ sich zu dem Zeitpunkt des Überfalls nicht öffnen. Der Täter flüchtete daraufhin ohne Beute

Wenige Tage später, am Abend des 25. Juli, gegen 22.20 Uhr, passte der Mann zwei Mitarbeiterinnen des Lebensmittelmarktes in der Wilhelmshäuser Straße ab, bedrohte sie ebenfalls mit seiner Pistole, drängte sie in den Markt zurück und brachte sie zur Herausgabe von rund 4.000 Euro, die der Täter in einem Stoffbeutel verstaute. Als der Mann fliehen wollte, die alarmierte Polizei aber bereits am Tatort eingetroffen war, soll er eine Mitarbeiterin als Schutzschild benutzt, sie hinterrücks mit der Schusswaffe bedroht und die Polizei aufgefordert haben, ihn ziehen zu lassen, sonst würde er schießen. Jedoch ergab sich der 34-Jährige wenig später im Eingangsbereich des Lebensmittelmarktes den Beamten.

,Gezockt und gekokst’

Der 34-Jährige bedauerte die Vorfälle. Er habe nicht mehr weiter gewusst, sei Kokainabhängig und sich auf die schnelle Art Geld beschaffen wollen. Seine Taten habe er nicht geplant, sondern spontan durchgezogen. Am Abend vor den Taten seien die Entzugserscheinungen kaum auszuhalten gewesen. Schweißausbrüche und Zitteranfälle hätten ihn geplagt. Er habe keinen klaren Gedanken mehr fassen können und Stimmen gehört.

Geld habe er sich aus seinem Umfeld nicht mehr leihen können. Durch die Sucht habe er nicht nur seine Arbeit vernachlässigt und sich mehr und mehr zurückgezogen, sondern auch gespielt. In der von ihm überfallenen Spielhalle oder am Pokertisch. Mal habe er tausende Euro gewonnen, meist aber einen drei- oder vierstelligen Betrag verloren. Das Geld für die Zockerei und seine Sucht habe er sich mit der Zeit geliehen. Bis heute schulde er anderen Leuten etwa 18.000 Euro. Einige hätten gedroht, ihm und seiner Familie etwas anzutun, wenn er die Schulden nicht langsam zurückzahlen würde. Er habe sich unter Druck gesetzt gefühlt und nach einem Ausweg gesucht.

Er bedauere zutiefst, was er den Opfern angetan habe. Für ihn seien Überfälle immer ein „No-Go“ gewesen. Die Sucht habe aber am Ende gesiegt.

Gegenstand der Verhandlung war auch die Schreckschusspistole des Täters. Sie sei seiner Aussage nach defekt, er habe die Überfälle deshalb ohne Magazin und Munition begangen. Tatsächlich war das Magazin später nicht bei ihm, sondern während der Wohnungsdurchsuchung von Beamten gefunden worden.

Angeklagter will drogenfrei werden

Der Richter zog eine Unterbringung in einer Entziehungsanstalt in Betracht. Der 34-Jährige gab an, sein Leben in den Griff kriegen zu wollen, in seinem Kopf habe es „klick“ gemacht. Ohne Drogen leben zu können sei sein größter Wunsch. Hilfe würde er sehr gerne annehmen. Er sei bereit, dafür alles zu tun. Wenn er sein Leben in geregelte Bahnen gelenkt habe, wolle er seine Schulden begleichen. Mehrere Verhandlungstage wurden angesetzt. Ein Urteil wird im Februar erwartet.

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