Verteidiger sprach von zweierlei Maß

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Der 43-Jährige besaß über 550 illegale Dateien mit kinder- und jugendpornografischem Inhalt.

Hann. Münden. Besitz von Kinder- und Jugendpornos: 43-jähriger Mann aus Staufenberg zu Bewährungsstrafe verurteilt.

Hann.Münden. Sein Verteidiger sprach von einer Ungleichbehandlung, sollte sein Mandant zu einer Freiheitsstrafe verurteilt werden. Schließlich sei in ähnlichen Fällen die Zahlung der von der Staatsanwaltschaft Hannover beantragten Geldstrafen laut Strafbefehl (siehe unten) üblich. Doch diese Ansicht nutzte dem 43-jährigen Staufenberger am Ende wenig. Er wurde gestern wegen des Besitzes kinder- und jugendpornografischer Schriften zu einer sechsmonatigen Freiheitsstrafe auf Bewährung und zur Zahlung einer Geldstrafe an das Mütterzentrum Hann. Münden in Höhe von 2.400 Euro verurteilt.

Über 160.000 Sexdateien gefunden

Im September vergangenen Jahres wurde in der Wohnung des kaufmännischen Angestellten einschlägiges Material auf mehreren Datenträgern sichergestellt. 83 Dateien seien kinder- und 473 jugendpornografischer Natur gewesen. Ein geringer Anteil, so der Verteidiger, wenn man bedenke, dass sich insgesamt über 160.000 pornografische Dateien auf PC und CDs seines Mandanten befanden. Dieser hatte sich nach eigener Aussage tausende Bilder über seinen Internetzugang in Chats besorgt, sich ganze Archive auf einmal heruntergeladen. Das sich darin auch illegales Material befand, sei ihm nicht bewusst gewesen. Zufällig seien im Datenwust auch Kinderpornos dabei gewesen.Die Staatsanwaltschaft glaubte der Version des Angeklagten und wertete seinen Fehltritt als kein "gezieltes Beschaffen" von Kinderpornografie. Dennoch habe er in Kauf genommen strafbares Material herunterzuladen. Eine Einstellung des Verfahrens sei wegen der hohen Anzahl der illegalen Daten jedoch nicht mehr möglich. Er sei Ersttäter und unbelastet, habe zudem eine günstige Sozialprognose, was für ihn spreche. Die Staatsanwaltschaft forderte deshalb eine sechsmonatige Freiheitsstrafe auf Bewährung und eine Geldstrafe in Höhe von 1.000 Euro.

Verteidiger: ,Freiheitsstrafe wäre Ungleichbehandlung’

Das sah der Verteidiger anders: Die Hauptverhandlung habe bereits großen Eindruck auf seinen Mandanten gemacht und sei zudem auch äußerst unangenehm und belastend für ihn gewesen. Der 43-Jährige zähle nicht zu der Kategorie von Nutzern, die pädophile Neigungen hätten und ihren Drang zu befriedigen versuchten.Zudem zeigte sich der Anwalt mit der Tatsache nicht einverstanden, dass Richter Dr. Wilfried Kraft es nicht bei der Geldstrafe im Strafbefehl – gefordert von der Staatsanwaltschaft Hannover – belassen, sondern eine Hauptverhandlung angesetzt habe. Damit würde das Amtsgericht Hann. Münden "anders verfahren als 99 Prozent der anderen Gerichte." Dort würde das Geld gezahlt und gut. Es sei ein "eigentümlicher Vorgang" eine Freiheitsstrafe für ein Vergehen zu fordern, obwohl der Angeklagte geständig sei. "Was um Gottes Willen hat mein Mandant getan? Mit einer Freiheitsstrafe wird es eine Ungleichbehandlung und damit die Vorgehensweise der Staatsanwaltschaft Hannover durchbrochen" so der Verteidiger.

Richter: ,Bin kein gallisches Dorf’

"Ich bin der Meinung, dass in einem solchen Fall eine Geldstrafe allein nicht angemessen ist. Man muss sich anderen Urteilen nicht anschließen – die Mehrheit hat nicht immer Recht. Ich komme mir auch nicht vor wie ein kleines gallisches Dorf, dass, in meiner Figur als Obelix, Widerstand leistet und kann nur das tun, wozu ich nach Recht und Gesetz verpflichtet bin. Wer sich solche Daten auf den Rechner lädt, macht sich mitschuldig daran, dass Kinder auf der ganzen Welt dafür gequält werden. So etwas kann in meinen Augen nicht wie ein Bußgeldbescheid behandelt werden. Strafbefehle werden viel zu häufig von Richtern unterschrieben, ohne sich die Sauereien anzusehen. Eine Gerichtsverhandlung mit Urteil halte ich für eine sinnvollere Strafverfolgung."Eine Ungleichbehandlung zu ähnlichen Verfahren sah Kraft nicht. Es gebe in Deutschland unterschiedliche Arten mit Taten umzugehen, dass hätte der Gesetzgeber so hingenommen. Eine zusätzliche Belastung für den Angeklagten durch die Verhandlung könne nicht als Nebenstrafe gelten. Sie sei das "normalste von der Welt".Der Staufenberger, der zugab zu unkritisch "an die Sache" herangegangen zu sein und sagte, dass ihm das nicht nochmal passieren werde, muss neben seiner Strafe die Kosten des Verfahrens tragen. Außerdem verzichtete er auf die Rückgabe seines PCs und diverser Datenträger, auf denen die illegalen Pornos gefunden wurden. Er und sein Verteidiger ließen offen, ob sie das Urteil anfechten werden.

Extra-Info: Der Strafbefehl

Das Strafbefehlsverfahren ist im deutschen Recht ein vereinfachtes Verfahren zur Bewältigung der leichten Kriminalität durch einen schriftlichen Strafbefehl, der, wie im aktuellen Fall, eine Geldstrafe vorsehen kann. Die Besonderheit des Strafbefehlsverfahrens liegt darin, dass es zu einer rechtskräftigen Verurteilung ohne mündliche Hauptverhandlung führen kann. Den Erlass eines Strafbefehls beantragt die zuständige Staatsanwaltschaft bei Gericht. Im Fall des 43-jährigen Staufenbergers ist dies die Staatsanwaltschaft Hannover als Zentralstelle zur Bekämpfung gewaltdarstellender, pornografischer oder sonst jugendgefährdender Schriften.    Quelle: Wikipedia

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