Wegener schnuppert schon mal Rathausluft

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Schaute dem noch amtierenden Bürgermeister Klaus Burhenne (re.) bereits über die Schulter: Harald Wegener (li.), ab November neuer Chef der Mündener Stadtverwaltung.

Hann. Münden. Der Wiershäuser wird am 1. November das Amt des Mündener Bürgermeisters antreten.

Hann. Münden. Einer Ära folgt ein Neuanfang: Ende nächsten Monats wird Klaus Burhenne (CDU) nach dreizehnjähriger Amtszeit die Geschicke der Stadt in die Hände seines Nachfolgers legen. Harald Wegener (Freie Wähler) habe nach eigenen Aussagen die Zeit nach der Bürgermeisterwahl genutzt, und sei regelmäßig mit Entscheidungsträgern Hann. Mündens, darunter Vertreter des Landkreises, der Ratsfraktionen, Unternehmen, Organisationen und Bürgerinitiativen, in den Dialog getreten. Für ihn sei es nicht einfach nur ein Wechsel des Verwaltungschefs, der bevorstehe. Er wolle die Stadt entwickeln und die Bürgerinnen und Bürger dabei mitnehmen. Wegener sei sehr dankbar, als Bürgermeister die Zukunft der Stadt mit gestalten zu dürfen, wie er sagt.

Mündener Rundschau (MR): Herr Wegener, am 1. November werden Sie das Amt des Mündener Bürgermeisters antreten. Gibt es eigentlich eine Einarbeitung durch ihren Vorgänger Klaus Burhenne?Harald Wegener: Es gibt informelle Gespräche zu alten und aktuellen Problemen und den Aufgaben des Bürgermeisters außerhalb der Stadt in Gremien und Verbänden.

MR: Ist eine offizielle Zeremonie für die Amtsübergabe geplant?Wegener: Als Ausdruck der Achtung vor dem Amt halte ich das für selbstverständlich.

MR: Der Inhalt Ihres Wahlkampfes zielte auch auf die Förderung des Tourismus ab. Wie könnte der in Ihren Augen weiter vorangetrieben werden?Ich favorisiere die Umwandlung des Touristikvereins in eine GmbH. In dem Gesellschaftervertrag müssen die Zielsetzungen besonders klar definiert werden, um ein besseres Angebot zu bekommen. Es gibt gut aufgestellte Bereiche, aber auch viele Felder die entwickelt werden müssen. Rad- und Wanderwegenetz mit Angebotsangaben auf der Wegstrecke, Baumwipfelpfad über dem Römerlager, Münden als Marke zu entwickeln (dies geht mit Hann. – Münden und Hannoversch Münden nicht) – um nur einiges zu nennen. Besondere Bedeutung hat der von ehrenamtlichen Engagement getragene Kulturtourismus, der aus unserer Stadt und unseren Dörfern unter Mitwirkung unseren Nachbarn entwickelt werden muss.

MR: Nach unseren Informationen plant die WWS einen Imagefilm für die Stadt drehen zu lassen. Was ist Ihre Meinung dazu und was sagen Sie zu den Plänen eines Schwergutterminals am Weserpark?Wegener: Wenn es eine transparentere Vorgehensweise gäbe, könnte ich dazu mehr sagen. Völlig unklar, im Übrigen auch für den amtierenden Bürgermeister, sind die damit verbundenen Kosten. Weitere wichtige Bestandteile zum Beispiel wer angesprochen werden soll, was das Ziel des Filmes ist, wie er verbreitet werden soll und ob es Vergleichsangebote gegeben hat, sind mir nicht bekannt. Ein Film kann nicht allein unter dem Aspekt der Wirtschaftsförderung entstehen. Wo bleiben Vereine, Künstler und die zahlreichen Initiativen? Ich werde alle Maßnahmen vorantreiben, um einen Schwergutterminal zu ermöglichen. Auch hier gehört eine bessere Kommunikation dazu.

MR: Sie legen laut eigener Aussage viel Wert auf Transparenz. Wie kann die in Hinblick auf Ihre zukünftige Aufgabe aussehen?Wegener: Ich werde mit gutem Beispiel vorangehen und eine Bürgersprechstunde einrichten. Worüber ich zur Zeit nachdenke ist eine barrierefreie Erreichbarkeit. Wichtig ist es auch, Verwaltungshandeln für Bürgerinnen und Bürger verständlicher zu machen.

MR: Was sagen Sie zu den Plänen des RP in Kassel, stadtnahe Flächen als Vorranggebiete für Windräder auszuweisen?Wegener: Selbstauferlegte Mindestabstände (Sababurg-Hessen) müssen auch für die historische Altstadt von Münden gelten. Aufgrund der zu befürchtenden Flugroutenänderung lehne ich die Standorte ab.Von den für Münden zuständigen Politikern (Kreis, Land und Bund) erwarte ich mehr Engagement und Unterstützung als bei unseren Bedenken gegen den  Flughafen-Neubau Kassel-Calden.

MR: Verkehrstechnisch gesehen gilt Hann. Münden als Nadelöhr. Bei Sperrungen auf der A7 droht der Dreiflüssestadt permanent der Kollaps. Wie kann man das Problem aus Ihrer Sicht in den Griff bekommen?Wegener: Es sind alle Anstrengungen zu unternehmen, um die Ursachen der viel zu vielen Unfälle auf dem betroffenen Autobahnabschnitt zu ermitteln und zu bekämpfen.Die dringendste und in ihrer Durchführung einfachste Maßnahme vor Ort ist die Verlängerung der Rechtsabbiegerspur am Feuerteich. Darüber hinaus ist zu prüfen, welche zusätzlichen Umleitungsstrecken ausgewiesen werden können.

MR: In den vergangenen Wochen kam es in der Innenstadt vermehrt zu Einbrüchen und Überfällen. Manche Bürger besorgt die Situation. Was sagen Sie dazu?Wegener: Nach meinem Gespräch mit der Leitung der Mündener Polizei Anfang des Jahres bin ich mir sicher, dass dort alle erforderlichen Maßnahmen zur Kriminalitätsbekämpfung, auch und gerade in der aktuellen Situation, ergriffen werden.Um sie dabei zu unterstützen sollten die Bürgerinnen und Bürger aufmerksam sein und verdächtige Beobachtungen der Polizei melden.

MR: Die SPD stellt nach wie vor die Mehrheit im Rat. Haben Sie Angst, dass Ihre Ideen von der politischen Konkurrenz nach wie vor abgewürgt werden?  Haben Gespräche mit der Fraktion bereits stattgefunden?Wegener: Auf die erste Frage kann ich mit einem klaren "Nein" antworten. Mit Frau Albrecht-Engel hat es Vieraugengespräche gegeben und einer Einladung der SPD-Fraktion bin ich schon deswegen gerne gefolgt, um mein Interesse an gemeinsamer Entwicklungsarbeit für die Stadt und ihre Dörfer zu bekunden. Ich bewerte die Ergebnisse positiv und zielführend.

MR: Weil die Stadt zu viele Einnahmen hat, kommt eine Entschuldungshilfe durch den Zukunftsvertrag nicht in Frage. Gibt es überhaupt Mittel und Wege die Verbindlichkeiten zu tilgen?Wegener: Eine Inanspruchnahme einer Entschuldungshilfe ist Segen und Fluch zugleich. Freiwillige Leistungen wie Bücherei, Museum und das Angebot im GSH werden gegen Null gefahren. Soziale Kälte ist genau das, was wir nicht brauchen. Ich werde die Ausgaben der Stadt prüfen. Notwendige, erhaltende Maßnahmen (Rathausdach) dürfen nicht aufgeschoben werden. Projekte (Schloßplatz) müssen auf Nachhaltigkeit ausgelegt sein. Und was noch fehlt werden wir durch eine noch bessere Einnahmesituation schaffen!

MR: Als Verwaltungschef haben Sie die Verantwortung für Ihre Mitarbeiter. Hand aufs Herz: Was für ein Typ Chef sind Sie?Wegener: Ich freue mich auf die neue Aufgabe und das ist sicher die beste Voraussetzung den Funken positiv überspringen zu lassen und sich kennenzulernen. Motivierte Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, die Inanspruchnahme eines guten Fortbildungsangebotes und Aufstiegsmöglichkeiten sind Grundvoraussetzungen für gute Arbeitsergebnisse. Und dabei auch noch gesund bleiben. Dazu wird es einen und wenn nötig mehrere Gesundheitstage mit fachkundigen Referenten zu Themen wie "Gesunder Rücken", "Bildschirmarbeitsplatz", etc. geben.

MR: Wir danken Ihnen für das Gespräch.

Zur Person

Harald Wegener (Jahrgang 1962) ist gelernter Raumausstatter (Meisterabschluss 1990) und seit 1991 selbstständig. Nach seiner Dozententätigkeit im Berufsbildungszentrum Kassel (2000 bis 2003) ist er mit entsprechender Qualifizierung seit 2005 Lehrer an den Berufsbildenden Schulen Einbeck. Seit drei Jahren ist er Fachkraft für Arbeitssicherheit und Gesundheitsmanagement bei der niedersächsischen Landesschulbehörde und unterstützt die Schulleiter im Landkreis Göttingen in ihrer Verantwortung gegenüber Landesbediensteten. Zu den vielen ehrenamtlichen Tätigkeiten des Wiershäuser zählt das Obermeisteramt der Raumausstatterinnung Südniedersachsen (seit 1998). Seit 2014 tritt er außerdem als stellvertretender Kreishandwerksmeister im Bereich Südniedersachsen auf.Politisch ist Wegener für die Freien Wähler aktiv (seit 2012), sitzt im Vorstand des Bezirksverbandes, ist 1. Vorsitzender des BürgerForums und war 2013 Landtagskandidat im Wahlkreis Göttingen-Hann. Münden.Wegener ist verheiratet, zweifacher Vater und wohnt in Wiershausen.

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