Wichels im Interview: ,Voraussetzungen für Erfolg sind ideal'

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NZN-Mitgesellschafter Dr. Reinhard Wichels äußert sich über die Zukunft des Mündener Standorts.

Hann. Münden. Eine Investorengruppe möchte das  Nephrologische Zentrum Niedersachsen (NZN) in Hann. Münden übernehmen. Wir sprachen mit deren Vertreter und Mitgesellschafter Dr. Reinhard Wichels über den Ist-Zustand und die Zukunftsaussichten.

Mündener Rundschau (MR): Herr Dr. Wichels, Sie sind Vertreter der Investorengruppe, die das NZN aus den Händen der Arbeiterwohlfahrt Gesundheitsdienste (AWO GSD) übernehmen möchte. Wie steht es um die Übernahme des NZN/Klinikums Hann. Münden. Ist alles in trockenen Tüchern oder sind etwaige Bedingungen noch nicht erfüllt?

Dr. Reinhard Wichels: Wir haben die Verträge zum Erwerb der Kliniken in Hann. Münden und Bad Münder in der Nacht zum 31. Dezember unterzeichnet. Momentan arbeiten wir intensiv an der Erfüllung einiger aufschiebender Bedingungen, an denen die Wirksamkeit des Kaufvertrages noch hängt. Hervorzuheben sind dabei die Finalisierung der Gespräche mit dem Marburger Bund zu einem Sanierungstarifvertrag und noch ausstehende Gespräche mit den Krankenkassen. Wir sind sehr zuversichtlich, dass wir Beides zu einem positiven Ende bringen werden. Wichtig ist mir allerdings, dass der Erwerb sich nicht nur auf das NZN bezieht – wir werden auch den Betrieb des Krankenhauses Hann. Münden übernehmen und damit die Grund- und Regelversorgung in Hann. Münden und Umgebung sicherstellen und sogar ausbauen.

MR: Was haben Sie für einen Eindruck von der Mündener Einrichtung gewinnen können?Wichels: Je länger wir uns mit dem Krankenhaus Hann. Münden und dem NZN beschäftigen, desto überzeugter sind wir von der Chance, die der Standort bietet. Die medizinische Versorgungsqualität der beiden Mündener Krankenhäuser ist bereits jetzt überdurchschnittlich, in einigen Bereichen sogar herausragend. Wir haben zudem ausgesprochen engagierte und qualifizierte Mitarbeiter kennenlernen dürfen, die auch in diesen schwierigen Zeiten zum Unternehmen stehen. Allerdings hat die lange Phase der Unsicherheit auch Spuren hinterlassen. Gerade zu Beginn wird es eine unserer wesentlichen Aufgaben sein, dafür zu sorgen, dass die Mitarbeiter sich wieder auf ihre Arbeit am Patienten konzentrieren können und auch die Freude an ihrer Tätigkeit zurückgewinnen.

MR: Was macht den Standort in Ihren Augen so interessant?

Wichels: Neben der hervorragenden medizinischen Versorgungsqualität und dem überdurchschnittlichen Engagement der Mitarbeiter wird mit dem Neubau gerade die dritte Grundvoraussetzung für eine langfristig erfolgreiche Zukunft geschaffen. Das runderneuerte Klinikum Hann. Münden wird mit 230 Betten eine ideale Größe in einem attraktiven Einzugsgebiet haben. Wir möchten auf der einen Seite als Grund- und Regelversorger der Bevölkerung von Hann. Münden und den umliegenden Gemeinden eine qualitativ hochwertige medizinische Versorgung bieten. Auf der anderen Seite leistet das Haus mit dem Nephrologischen Zentrum seit Jahren Spitzenmedizin auf nationalem Niveau für ein weit überregionales Einzugsgebiet. So eine Konstellation wünscht sich jeder Krankenhausbetreiber – das sind beste Voraussetzungen, um auch langfristig wirtschaftlich erfolgreich zu sein.

MR: Wie gedenken Sie, das spätere Klinikum nach vollendetem Umbau wettbewerbsfähig zu machen? Vor allem die Transplantationszahlen – die früher einmal für ein Alleinstellungsmerkmal des NZN sorgten –  haben der AWO GSD als Vorbesitzer Kopfzerbrechen bereitet. Sie sollen  vor allem wegen des Organspendeskandals stark rückläufig gewesen sein.

Wichels: Wir wissen, dass sinkende Transplantationszahlen nicht der Hauptgrund für die wirtschaftlichen Schwierigkeiten der Vergangenheit waren. Gleichwohl freuen wir uns, dass die Zahlen in den vergangenen Monaten wieder ansteigen. Ob wir in Zukunft erfolgreich sind, hängt davon ab, ob uns die Menschen und Patienten der Region wieder in gleichem Maße wie früher vertrauen. Dazu werden wir unser medizinisches Angebot so gestalten, dass wir von den Mündenern und insbesondere auch den behandelnden Ärzten der Region als ihr Krankenhaus vor Ort wahrgenommen werden.

MR: Sie selbst sind Arzt, haben in unterschiedlichen Krankenhäusern gearbeitet. Inwiefern bringt das Vorteile  im Hinblick auf Ihre Aufgabe in Hann. Münden mit sich?

Wichels: Meine mehrjährige Tätigkeit als Arzt im Krankenhaus hat in allererster Linie den Vorteil, dass ich weiß, wie schwierig und fordernd die Arbeit für Mitarbeiter in der Krankenversorgung ist. Sowohl Krankenpfleger, Mitarbeiter in den technischen Diensten und Funktionsbereichen, Ärzte, aber auch alle anderen Mitarbeiter eines Krankenhauses leisten Außergewöhnliches. Ich bringe daher großes Verständnis für die besondere Belastung aller Berufssparten im Krankenhaus mit. Darüber hinaus macht es immer wieder Spaß, zu sehen, auf welchem hohen medizinischen Niveau Patienten am Klinikum in Hann. Münden, aber auch in der Deister-Süntel-Klinik in Bad Münder, versorgt werden.

MR: Bei WMC Healthcare sind Sie Geschäftsführer eines Unternehmens, dass für Beratungsleistungen, Softwareentwicklungen und IT-Lösungen für Kliniken, Krankenhäuser und sonstige Einrichtungen im Gesundheitswesen sorgt. Inwiefern werden Sie Ihr Know-How auch am Mündener Standort einfließen lassen?

Wichels: Für WMC bietet sich die Chance, Steuerungs- und Controllinginstrumente in Echtzeit-Umgebung zu erproben und weiterzuentwickeln. Diese Erfahrungen werden sich positiv auf unser Beratungsangebot auswirken. Aber auch das Klinikum wird davon profitieren, dass wir uns kontinuierlich mit der Qualität von Prozessen und Strukturen auseinandersetzen und im Dialog mit den Mitarbeitern und Führungskräften stetig verbessern werden. Dadurch steigt in der Regel auch die Zufriedenheit von Patienten und Zuweisern – das ist letztlich der wichtigste Aspekt. Ich freue mich daher darauf, als sehr aktiver Gesellschafter bei der Zukunftssicherung der Kliniken mitzuwirken.

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