,Wieland hat Situation in der Stadt nicht im Blick'

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Hann. Münden. Bürgermeisterkandidatin der Linken und Grünen-Ratsfrau kritisieren in Leserbriefen Pläne des Bauvereins.

Hann. Münden.Uns erreichten in der vergangenen Woche folgende Leserbriefe zum Artikel "Mündener Bauverein will das Filet-Stück", erschienen am 14. Mai  in der MÜNDENER RUNDSCHAU. Die Bürgermeisterkandidatin Anne Freimuth (Die Linke) und Ratsfrau Lena Kürschner (Die Grünen) äußern sich zum Vorhaben des Bauvereins, der in der Innenstadt Wohnungen, Nahversorger und Tiefgarage in einem Neubau unterbringen möchte:

"Vordergründig erscheint das Bauvorhaben des Bauvereins auf dem Parkplatz am Hampeschen Turm gut und bürgerfreundlich: bei einer Einwohnerzahl von etwa 17.000 (Kernstadt) – und einer rückläufigen Entwicklung – gibt es 23 Anfragen von alten Menschen nach einer innenstadtnahen Wohnung und schon nimmt der Bauverein mindestens 9 Mio. Euro in die Hand, um diese Nachfrage zu decken. Doch es sollen nicht nur Wohnungen dort entstehen, auch die Anzahl der Parkplätze soll um mehr als 50 Prozent auf 82 erhöht werden. Damit nicht genug: Ärzte und Physiotherapeuten sollen sich dort einmieten und zu guter Letzt auch ein Nahversorger.Hier wird deutlich, dass der Geschäftsführer des Bauvereins und Bürgermeisterkandidat der SPD, Jörg Wieland, die Situation in der Stadt überhaupt nicht überblickt. Es mangelt nicht an innenstadtnahem Wohnraum, es gibt dort keine Ärzteknappheit und es fehlt auch nicht an physiotherapeutischen Einrichtungen. Freilich ist es wichtig, barrierefreie Wohnungen gerade für ältere Menschen bereit zu stellen, das lässt sich aber durch Förderprogramme für den aktuellen Leerstand besser lösen; den vorhandenen medizinischen Einrichtungen zudem noch Konkurrenz durch die AWO vor die Nase zu setzen ist auch nicht zielführend.Insgesamt klingt das Ganze genauso undurchdacht wie die unausgereiften Projektpläne der mit viel Geld der Mündener Bürger finanzierten Wirtschaftsförderungsgesellschaft WWS. Es müssen jedoch Konzepte und Ideen her, die die Stadt und ihre Bürger im Blick haben.Herr Wieland macht hier mit Hilfe des Bauvereins Wahlkampf, wobei seine Haltung zu einem anderen Projekt, dem Verbrauchermarkt am Bahnhof, auch nicht ganz eindeutig ist: Herr Bilstein von der WWS sagte jedenfalls auf dem letzten Mündener Weihnachtsmarkt, der Verbrauchermarkt sei noch nicht vom Tisch, sein Freund Wieland werde es schon richten, wenn er erstmal Bürgermeister sei."

Anne Freimuth,

Bürgermeisterkandidatin, Die Linke"Dem Vorhaben des Bauvereins, auf die letzte verbleibende Freifläche in der Innenstadt einen großen Gebäudekomplex zu setzen, erteilt der Ortsverband der Mündener  Grünen eine klare Absage. Ortschaften leben auch von den Freiflächen, die das Gesamtbild einer Stadt ausmachen. Wenn man derzeit aus den Wallanlagen in Richtung Marktstraße kommt, wird man durch den freien Blick zum Geschwister-Scholl-Haus auf das Ambiente der Innenstadt eingestimmt.

Schon allein aus diesem Grund, sollte es undenkbar sein, dort eine moderne "Blickbarriere" zu errichten. Abgesehen von den optischen Gesichtspunkten halten wir es außerdem für nicht vertretbar, bei dem herrschenden hohen Leerstand in der Innenstadt einen weiteren riesigen Gebäudekomplex auf der letzten verfügbaren Fläche zu errichten. Frei nach dem Motto "so ist es einfacher und günstiger, um den Leerstand sollen sich dann andere kümmern".

Gerade Herr Wieland, als Bürgermeisterkandidat und Herr Bilstein als Geschäftsführer der WWS betonen aber immer wieder, dass es in der Innenstadt möglich sei, verschiedene Gebäude "innerlich" zu verschmelzen und so zusammenhängende Flächen zu gewinnen. Mit einer Investition in die Innenstadt wäre Bausubstanz gerettet, ein attraktives Angebot erreicht und die jetzt schon enge Stadt nicht noch weiter zugebaut. Ein weiteres Problem würde dadurch entstehen, dass die vom Bauverein geplanten, neuen Wohnungen, gerade die Menschen ansprechen, die auch potentielle Mieter von Innenstadtwohnungen wären. Diese wären dann wiederum noch schlechter zu vermieten und der Leerstand würde nicht aufgehalten, sondern beschleunigt!Der gemeinnützige (!) Bauverein sollte mit gutem Beispiel vorangehen und sein Geld in den geschützten Gebäudebestand investieren und dadurch helfen unserer Stadt wieder auf die Füße stellen, anstatt den Leerstand zu ignorieren und ein weiteres Gebäude zu errichten, dass unsere Probleme nur verschärft statt sie zu lösen. Als befremdlich empfindet es die Stadtratsfraktion der Grünen auch, dass die Pläne, ohne jede Information der Gremien seitens des Bauvereins, zuerst mit der Vorsitzenden der SPD Landtagsfraktion öffentlich gemacht wurden. Hier wäre es besser gewesen, wenn der SPD-Bürgermeisterkandidat Jörg Wieland überparteilich in seiner Funktion als Geschäftsführer des Bauvereins erst mit der Verwaltung und den Stadtratsfraktionen gesprochen hätte. Dies scheint aber angesichts des Bürgermeisterwahlkampfs nicht gewollt gewesen zu sein."

Ratsfrau Lena Kürschner, Die Grünen

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