Völlig wilde Schweinerei in Hann. Münden

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Andreas Friedrichs uns Ehefrau Trixi im aufgewühlten Garten. Hier haben Wildschweine ihr Unwesen getrieben.

Anwohner des Eichenwegs beklagen Wildschweine im eigenen Garten

Hann. Münden. Im Eichenweg, unweit der Weserliedanlage, fühlt sich Familie Friedrich nicht mehr ganz so wohl in ihrer Haut. Ihr weitläufiges Grundstück grenzt an den Stadtwald. In den vergangenen Wochen habe das zu mehr oder weniger unliebsamen Begegnungen geführt, erklärt Familienoberhaupt Andreas Friedrichs. Zu später Abendstunde würden sich ab zirka 20 Uhr im Schutz der Dämmerung Wildschweine auf seinem Rasen tummeln und ihn durchwühlen. „Sie trauen sich in der Gruppe bis ins Wohngebiet vor und finden in unserem Zaun eine Lücke um durchzukommen“, erklärt der besorgte Vater. Das habe Probleme mit sich gebracht: Seine Stiefsöhne Colin (16) und Luca (11) hätten sich an der Rotte nicht mehr vorbei getraut. Die Schwarzkittel hätten ihn dann doch gehörig imponiert. „Den einen betrifft es, wenn er früh morgens zur Schule geht, den anderen, wenn er abends nach Hause kommt. Wir wissen nicht, ob die Rotte vielleicht aggressiv ist, weil die Muttertiere ihren Nachwuchs verteidigen wollen“, ist Friedrichs unsicher. Selbst der Labrador der Familie, der sonst sehr friedlich sei und sonst nie bellen würde, habe einmal seinen Unmut über die Situation lautstark kundgetan: „das ist sonst nie der Fall.“ Friedrichs erinnert sich an seine letzte Begegnung mit einem Keiler, den er im Dunkeln im Schein einer Taschenlampe begegnete: „Wir waren nur durch einen Zaun getrennt. Ich bin froh, dass es zu keiner gefährlichen Situation gekommen ist.“ Mittlerweile mache er sich lautstark bemerkbar wenn er in der Dunkelheit seinen Garten betrete: „Einen Kochlöffel auf einen Topf zu schlagen reicht momentan aus, um die Tiere zu vertreiben.“ Doch das könne kein Dauerzustand sein: „Ich habe nichts gegen Wildschweine und bin für den Tierschutz, doch wenn man sich Sorgen um die Gesundheit seiner Kinder machen muss, ist eine Grenze erreicht.“

„Nahrungsmangel treibt die Tiere in die Randgebiete“

Susanne Gohde, Leiterin des Betriebs Stadtwald, bestätigt, dass sich einige Wildschweine an die Weserliedanlage zurückgezogen haben und teilt mit, dass es in diesem Jahr einen besonders gravierenden Nahrungsmangel gibt, der die Wildschweine an die Randbereiche treibt und sie auf Friedhöfen, Sportplätzen oder Gärten nach etwas Essbarem suchen: „Bucheckern und Eicheln gibt es kaum, weshalb sich die Tiere anderweitig umschauen“, informiert Gohde. Kompostreste könnten zum Beispiel die Schwarzkittel anlocken. Eine Gefahr für den Menschen sieht Gohde in den Tieren allerdings nicht. Mit bloßem Klatschen in die Hände seien die Wildschweine wieder zu vertreiben. „Man darf sie nur nicht in die Enge treiben, sie müssen eine Fluchtmöglichkeit haben, sonst werden sie sich der vermeintlich drohenden Gefahr stellen“, so Gohde weiter.

Weil es sich bei den Wohnhäusern am Eichenweg um einen befriedeten Bezirk handele, könne man dort auch nicht jagen. Auch die Jagd im angrenzenden Wald sei wegen der Nähe zu den Fußwegen nur bedingt möglich.

Die zuständigen Jäger wüssten von dem Problem: An der Weserliedanlage seien den Sommer über 13 Wildschweine geschossen worden. In südöstlicher Richtung, in Hermannshagen, habe man eine sechsköpfige Rotte erst am 17. November aufs Korn genommen. Das, so Gohde, sei natürlich weit von dem eigentlichen Naturgedanken weg und sollte das letzte Mittel sein.

Da Wild als herrenlos gilt, müssten Grundstücksbesitzer, die in Waldnähe leben und sich von den ungebetenen Gästen gestört fühlen würden, selbst dafür sorgen, dass die Tiere nicht in die Gärten vordringen könnten. Schäden könnte nur die eigene Versicherung übernehmen.

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