Zahl der Wildunfälle in Münden gestiegen

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Solche Dreibeine sollen ab 2018 neben der L 561 zwischen Gimte und Oberweser auf Wildunfälle aufmerksam machen.

Achtung: In den kommenden Wochen beginnt die Paarungszeiten vieler Waldbewohner

Hann. Münden. „Ab August wird es kritisch, wenn die Paarungszeit für Rehwild beginnt. Dann haben die Tiere anderes im Kopf als die Angst vor dem Straßenverkehr“, erklärte Axel Eichendorff von der Jägerschaft Göttingen. In der vergangenen Woche stand der pensionierte Förster dem Verkehrssicherheitsberater der Polizeiinspektion (PI) Göttingen, Jörg Arnecke, zur Seite als die aktuellen Wildunfallzahlen vorgestellt wurden. Innerhalb der PI habe es im vergangenen Jahr 846 Wildunfälle gegeben, die eine Gesamtschadenshöhe von 2,1 Mio. Euro verursachten. Wenn es knallte, wurde es teuer: Durchschnittlich entstanden Sachschäden in Höhe von 2.500 Euro.

Weniger Unfälle in Münden, aber mehr Verletzte

„Im Bereich Hann. Münden wurden 2016 etwa 1.000 Verkehrsunfälle registriert – in 189 Fällen waren Wildtiere involviert“, informierte Arnecke. Unfallschwerpunkte sind die Landstraße 561 zwischen Gimte und Oberweser, das Schedetal und die Staufenbergstraße zwischen Lutterberg und Sichelnstein. Obwohl die Zahl der Unfälle im Wirkungsbereich des Mündener Polizeikommissariats leicht rückläufig sind, stieg die Zahl der Leichtverletzten von drei auf 16 an. Gab es 2014 und 2015 keine Schwerverletzten, so waren es 2016 drei. Grund für den rasanten Anstieg ist ein durch ein Wildtier verursachter Auffahrunfall nahe Hedemünden, an dem mehrere Autos beteiligt waren. Als Unfallursachen wurden nicht angepasste Geschwindigkeit beziehungsweise mangelhafter Sicherheitsabstand vermutet.

Folgen schon bei geringer Geschwindigkeit verheerend

Jörg Arnecke, (Verkehrssicherheitsberater der PI Göttingen).

Doch es gibt auch andere Ursachen: „Hinzu zählen das Abkommen von der Fahrbahn und die Unkenntnis über das Wild und seine Verhaltensweisen. Auch das Fehlverhalten in Gefahrensituationen kann ernsthafte Konsequenzen nach sich ziehen. Fahren Sie deshalb immer mit angepasster Geschwindigkeit, seien Sie stets bremsbereit, vergrößern Sie den Sicherheitsabstand auf Vorausfahrende. Bei einer Geschwindigkeit von 60 km/h entspricht das Aufprallgewicht eines Wildschweins etwa 3,5 Tonnen. Vielen Auto- und auch Motorradfahrern ist die potentielle Gefahr gar nicht richtig bewusst“, warnt Arnecke.

Das Rehwild sei gerade jetzt durch das Einsetzen der Paarungseit unberechenbar. Hinzu komme der sogenannte „Ernteschock“, wenn im Zuge von Mäharbeiten den Tieren die Rückzugsmöglichkeiten und Nahrungsquelle auf den Feldern genommen werde, erläutert Eichendorff. In dem Zuge käme es zu Abwanderungen in andere Reviere und damit unweigerlich zum Überqueren von Straßen und damit zu Begegnungen mit Fahrzeugen. Die Polizei versucht die Bevölkerung um mögliche Gefahren ab dem Sommer aufzuklären bevor die Paarungszeiten von Rotwild (ab Mitte September), Damwild (ab Mitte Oktober) und Schwarzwild (November bis Dezember) beginnen. Auf der L 561 ab Gimte in Richtung Oberweser möchte die Polizei aktiv werden und 2018 orangefarbene Dreibeine neben der Straße aufstellen, die einen Wildunfall markieren.

Axel Eichendorff (Jägerschaft Göttingen).

Momentan wird diese Art der Abschreckung und der Hinweis auf Wildwechsel auf der B27 zwischen Gieboldehausen und Herzberg am Harz praktiziert. Außerdem soll ein Runder Tisch einberufen werden, an dem Vertreter der einzelnen Jagdbereiche teilnehmen, ebenso Vertreter der Jagdbehörde, des Kreisbauernverbands und der Polizei. Um direkten Einfluss auf die Senkung der Wildunfallzahlen zu nehmen, seien weitere Maßnahmen der Verkehrssicherheit, wie das Freischneiden des Fahrbahnseitenraumes für eine bessere Übersicht der Verkehrsteilnehmer denkbar. Oder aber die Erhöhung der Abschusszahlen: „Diese Maßnahme, so hat man in der Vergangenheit beobachten können, half gegen das Problem“, so Eichendorff.

Wie kann ich einem Unfall vorbeugen?

- Beachten Sie das Verkehrszeichen „Wildwechsel“ und achten Sie auf sogenannte „Wildwarnreflektoren an den Leitpfosten am Fahrbahnrand. Sind welche zu sehen, besteht erhöhte Wildwechselgefahr - Nehmen Sie im Wildwechsel-Bereich den Fuß vom Gas - beobachten Sie die Fahrbahnränder besonders und rechnen Sie stets mit Wild - Tiere sind keine Einzelgänger. Sollte eins in sicherer Entfernung auftauchen, könnten immer noch Nachzügler folgen

Was tun, wenn ein Tier auftaucht?

- Weichen Sie nicht aus - Bremsen Sie stark und kontrolliert ab - Blenden Sie unbedingt das Fernlicht ab - Hupen Sie - Schalten Sie zur Warnung des nachfolgenden Verkehrs die Warnblinkanlage ein

Richtiges Verhalten nach einem Verkehrsunfall

- Ziehen Sie Ihre Warnweste an - Schalten Sie die Warnblinkanlage ein - Stellen Sie das Warndreieck sichtbar auf - Versorgen Sie Verletzte - Merken Sie sich die Fluchtrichtung des Tieres -Informieren Sie die Polizei -Entfernen Sie sich nicht vom Unfallort - Halten Sie Abstand vom verletzten Tier und fassen Sie es auf keinen Fall an

Die rechtliche Seite

Wenn man in einem Wildunfall verwickelt ist und sich vom Unfallort entfernt, ist das keine Unfallflucht – allerdings Tierquälerei, sofern das Tier verletzt zurückgelassen wird. Wird das Wild mitgenommen, macht man sich der Wilderei strafbar. In beiden Fällen droht eine Freiheitsstrafe von bis zu 3 Jahren sowie eine Geldstrafe. Wird die Polizei nach einem Unfall nicht informiert, kann der Jagdausübungsberechtigte Schadensersatzansprüche gegenüber dem Verursacher geltend machen, wenn dieser ausfindig gemacht wird.

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