Wummernde Bässe nervten Nachbarn - Anklage

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Geldstrafe: 31-Jähriger drehte Musikanlage regelmäßig zu laut auf und bekam Ärger mit der Polizei.

Hann. Münden. Wegen Widerstands gegen Vollstreckungsbeamte wurde ein 31-jähriger Mündener in der vergangenen Woche vor dem Mündener Amtsgericht zu einer Geldstrafe in Höhe von 300 Euro verurteilt.

Am 18. Februar hatte der Arbeitslose seine Musikanlage nebst Subwoofer  zum wiederholten Mal bis in die Abendstunden voll aufgedreht und damit für Ruhestörung in einem Mehrfamilienhaus gesorgt. Ein Nachbar informierte die Polizei, die zunächst telefonisch versuchte, das Problem zu lösen.Doch der 31-Jährige ließ sich von dem Anruf nicht abbringen – nach einer kurzen Ruhepause ging es mit lauter Musik weiter. Kurze Zeit später klingelten Beamte an der Haustür. "Wir hörten die Bässe schon auf der Straße. Als uns ein Nachbar in das Treppenhaus ließ, wurde das ganze Ausmaß deutlich. Die Musik war unerträglich laut", erklärte ein 52-Jähriger.Nach mehrmaligem Klingeln und Klopfen an der Wohnungstür habe der 31-Jährige schließlich geöffnet, dann aber den Polizisten aus dem Türrahmen geschubst und versucht, die Eingangstür wieder zu schließen. Die Aktion misslang, der Beamte und eine Kollegin zogen den Störenfried am Arm ins Treppenhaus. Der habe sich gewehrt und wurde daraufhin von den Beamten mit Handschellen fixiert und mit auf die Mündener Polizeiwache genommen. Die Blutprobe ergab später einen Wert von 1,7 Promille.

Der Angeklagte, der zwar ohne Anwalt, dafür aber mit seinem Betreuer im Gerichtssaal erschienen war, gab an, nichts mehr zu dem Vorfall sagen zu können, da er zu lange zurückliege. Sehr gut erinnerten sich dagegen die Zeugen, darunter der Nachbar und der Polizist: "Wir hatten den Eindruck, dass er stark alkoholisiert war. Das niedrige Ergebnis der Blutprobe hat uns etwas überrascht", so der Beamte. Den von der Staatsanwaltschaft geschilderten Tathergang bestätigte der Nachbar weitestgehend.

"Hellhörige Wände"

Laut dem Betreuer des Angeklagten bestehe zwischen dem 31-Jährigen und dem Nachbarn schon seit geraumer Zeit eine Art Nachbarschaftsstreit. Die Wände der aneinanderliegenden Wohnungen seien sehr hellhörig. Das habe des Öfteren zu Problemen geführt."Ihr Nachbar leidet regelmäßig unter dem Lärm, den sie verursachen. Gerade bei dünneren Wänden sind Sie zu gegenseitiger Rücksichtnahme verpflichtet. Lärm kann krank machen. Ich gehe davon aus, dass Sie keine Symphonie von Beethoven gehört haben", sagte Richter Dr. Wilfried Kraft. Er redete dem Angeklagten ins Gewissen: "Kopfhörer sollen ja auch von guter Qualität sein, habe ich mir sagen lassen, und belästigen obendrein keine anderen Menschen."

Musikanlage einkassiert

Die Musikanlage des 31-Jährigen wurde in der Zwischenzeit einkassiert – das Ordnungsamt machte vom Sicherheits- und Ordnungsgesetz Gebrauch. Der Mann räumte ein, immer dann laut Musik zu hören, wenn er Alkohol getrunken habe: "Wenn ich einen gewissen Pegel erreicht habe, habe ich mich nicht unter Kontrolle." Ein Alkoholproblem wollte er sich allerdings nicht eingestehen. Da war Kraft anderer Meinung: "Lösen Sie selbst Ihr Alkoholproblem, das tut   niemand anderes für Sie. Denken Sie an Ihre Zukunft!"

Wegen Drogenbesitzes bereits verurteilt

Sollte der Nachbar in einer zivilrechtlichen Klage eine Unterlassung erwirken, warnte Kraft, drohe dem Angeklagten eine hohe Geldstrafe und ersatzweise Ordnungshaft von einem halben Jahr. Ein unbeschriebenes Blatt ist der junge Mann nicht, denn er wurde bereits wegen Besitzes und unerlaubten Anbaus von Betäubungsmitteln verurteilt.

Zugute hielt Kraft dem Angeklagten, das sich dieser einsichtig gezeigt und versprochen habe, in Zukunft Ruhe zu halten. Er milderte die geforderte Strafe der Staatsanwaltschaft in Höhe von 500 Euro etwas ab.

Neben der Geldstrafe, die er in monatlichen Raten abbezahlen kann, muss der 31-Jährige  die Kosten des Verfahrens tragen. Sollte er die Summe nicht begleichen können, bestehe die Möglichkeit, die Strafe abzuarbeiten, so Kraft.

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