Zahl der Unfallfluchten im Raum Göttingen um 20 Prozent gestiegen

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Stellten die aktuellen Zahlen vor: (v.li.) Matthias Rink, Leiter der Göttinger Autobahnpolizei, Polizeioberrat Thomas Reuter und Thorsten Moschkau, Sachbearbeiter Verkehr.

Weniger Verletzte und Tote im Straßenverkehr - Geschwindigkeit und Unachtsamkeit bleiben Hauptunfallursachen

Hann. Münden. Es ist Anfang Juni, als auf der A7, kurz vor der Anschlussstelle Göttingen-Dransfeld, ein dänischer Sprinterfahrer vermutlich unachtsam und zu schnell in Fahrtrichtung Norden unterwegs ist. Er bemerkt zu spät den aufgestauten Verkehr und prallt mit hoher Geschwindigkeit auf einen BMW, in dem zwei Frauen sitzen. Eine von ihnen wird schwer, die andere schwerstverletzt, unter anderem an Kopf- und Wirbelsäule. Sie stirbt wenige Tage später im Krankenhaus. Es ist die einzige Verkehrstote im Wirkungsbereich der Göttinger Autobahnpolizei. Und wie immer eine zu viel, denn auch dieser Unfall hätte, wie viele andere auch, vermieden werden können. Erstmals nach der Landkreisfusion zwischen Göttingen und Osterode wurde in der vergangenen Woche die Verkehrsunfallstatistik der Polizeiinspektion (PI) Göttingen vorgestellt. Zum besseren Vergleich zog die PI die Zahlen aus dem Jahr 2017, wo beide Landkreise noch getrennt betrachtet wurden, zusammen. Demnach ereigneten sich 2018 im neuen Landkreis insgesamt 8.668 Verkehrsunfälle, 2017 im gleichen Gebiet 9.044, was einen Rückgang von 4,2 Prozent entspricht. Die Anzahl der Verkehrsunfälle mit Personenschaden verringerte sich um 33 auf 1.158 und auch die Zahl registrierten Wildunfälle verringerte sich auf 1.153 (-8,4 Prozent).

Erschreckend hohe Zahlen bei den Unfallfluchten

Bauchschmerzen bereiten den Beamten die Verkehrsunfallfluchten. 2.102 angezeigte waren es im vergangenen Jahr – ein Anstieg um 20 Prozent! Aber auch fast jedes zweite unerlaubte Entfernen vom Unfallort wird aufgeklärt. Und das habe meist unangenehme Konsequenzen: „Wem eine Unfallflucht nachgewiesen wird, dem droht in der Regel ein einjähriger Führerscheinentzug“, so Polizeioberrat Thomas Reuter. Die Zusammenarbeit mit den Medien und die Zeugensuche in den sozialen Netzwerken habe sich bewährt. Man erhalte hier wichtige Hinweise auf die Täter. „Das Risiko erwischt zu werden wächst damit. Unser Auftrag ist neben der Strafverfolgung, dass Opfer nicht auf ihrem Schaden sitzen bleiben und er reguliert werden kann“, so Reuter weiter.

Die Anzahl der verunglückten Personen reduzierte sich im Jahr 2018 um 51 auf 1.428. Die Zahl der Verkehrstoten sank von zehn auf fünf. Die Zahl der Schwerverletzten stieg von 199 auf 207 leicht an, wobei die bei den Leichtverletzten ein Rückgang um 54 auf 1.270 zu verzeichnen ist. Unter den 1.428 Verletzten waren 784 Kfz-Insassen, 69 Motorradfahrer, 105 Fußgänger, 106 Motorrad- und 364 Radfahrer. Die Anzahl der verletzten Kinder, die als Mitfahrer in Kraftfahrzeugen geschädigt wurden, konnte deutlich von 39 auf 19 gesenkt werden. Reuter: „Ich gehe davon aus, dass wir diesen positiven Trend durch unsere Präventionsmaßnahmen sowie durch Gurt- und Kindersitzkontrollen - zum Beispiel auch in den sogenannten „Eltern-Taxis“ – mit beeinflusst haben. Trotz dieser erfreulichen Entwicklung werden wir daran arbeiten, die Unfälle mit Kinderbeteiligung weiter zu senken.“

Anstieg der verletzten Motorradfahrer

Die Anzahl der verletzten Zweiradfahrer hat sich im neuen Zuständigkeitsbereich der Polizeiinspektion Göttingen von 92 auf 106 erhöht. Im Jahr 2018 verlor – wie im Vorjahr auch – ein Motorradfahrer im Zuständigkeitsbereich der Polizeiinspektion Göttingen sein Leben. Ein 63-jähriger Mann hatte auf einer Bundesstraße im Landkreis Göttingen in einer Kurve die Kontrolle über seine Maschine verloren und war anschließend mit einem entgegenkommenden Fahrzeug zusammengestoßen. Die Zahl der schwerverletzten Motorradfahrer stieg von 33 auf 41. Bei den leichtverletzten Motorradfahrern ist ein Anstieg von 58 auf 64 zu registrieren. Die Unfälle verteilen sich über den gesamten Zuständigkeitsbereich, ein Großteil der schweren Zweiradunfälle werden außerhalb geschlossener Ortschaften verursacht. Oftmals spielen auch hier zu hohe Geschwindigkeiten eine entscheidende Rolle. Reuter kündigte an, im Jahr 2019 vermehrt Zweiradkontrollen durchführen zu lassen.

Anstieg der Verkehrsunfälle auf Autobahnen

„Auf den Bundesautobahnen 7 und 38 im Zuständigkeitsbereich der Polizeiinspektion Göttingen wurden im Jahr 2018 insgesamt 1.172 Verkehrsunfälle aufgenommen, dies sind 93 mehr als im Vorjahr. Die Verkehrsunfälle mit Personenschaden haben sich leicht reduziert“, informierte Matthias Rink, Leiter der Göttinger Autobahnpolizei. Registriert wurden 113 Unfälle, bei denen Personen verletzt wurden (Vorjahr 124). Bei den Unfällen wurden im vergangenen Jahr insgesamt 149 Verkehrsteilnehmer verletzt (Vorjahr 212). Die Zahl der Schwerverletzten verringerte sich von 39 auf 30, die der Leichtverletzten von 173 auf 119. Nach dem im Jahr 2017 keine Unfalltoten zu beklagen waren, ist im Jahr 2018 der eingangs erwähnte Verkehrsunfall tragisch ausgegangen.

+++Stress und Ärger+++ Zwischenruf von Mathias Simon+++

Wer fremdes Eigentum beschädigt und nicht dafür geradesteht, gehört bestraft. Punkt. Ein Jahr Führerscheinentzug droht bei einer Verkehrsunfallflucht in der Regel. Offenbar ist das Strafmaß nicht abschreckend genug auf diejenigen, die beim Aus- oder Einparken eine Beule zurücklassen und dem Fahrzeugeigentümer jede Menge Stress und Ärger bescheren. Ein asoziales Verhalten, dass neue Dimensionen erreicht hat und von einer egoistischen und rücksichtsloser werdenden Gesellschaft zeugt. Dabei kann man die Täter oft nicht verstehen, da die Versicherungen in den meisten Fällen einspringt, außer es sind Alkohol, Drogen oder grobe Fahrlässigkeit im Spiel. Die feigen Verursacher sollten sich fragen, wenn die Rollen umgedreht wären und Ihr Fahrzeug von Unbekannten in Mitleidenschaft gezogen würde. Als Opfer sieht sich keiner gern und obendrein meist hilflos wie im Fall der Unfallfluchten. Ein Lichtblick ist die steigende Aufklärungsquote, wonach beinahe jede zweite Tat aufgeklärt werden kann. Wachsamen Menschen sei Dank. Durch die sozialen Netzwerke ist es heutzutage ein leichtes Zeugen eines Unfalls ausfindig zu machen. Ein Segen für die Ermittler und ein Fluch für die Täter, die sich unerkannt wähnen. Also beim nächsten Rempler lieber warten und die Angelegenheit regeln.

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