Zimmer frei!

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Fred Dettmar vor dem Neubaugebiet unterhalb des Freibades in Veckerhagen. Hier sollen bis zu 30 Bauplätze entstehen. Die Planungsphase läuft.

Hann. Münden. Bauverein und NABU hängen Schwalbennester auf.

Hann. Münden. 823 Wohnungen vermietet der Mündener Bauverein. Am Mittwochmorgen kamen nochmal 20 dazu. "Mietfrei", wie Geschäftsführer Jörg Wieland scherzt, denn es geht bei den neuen Unterkünften um künstliche Schwalbennester. Hier sollen sich nach den Vorstellungen des Bauvereins und des NABU Niedersachsen Mehlschwalben ansiedeln. Als eine der ersten Wohnungsbaugesellschaften in Deutschland betreibe der Bauverein laut Wieland somit aktiven Tierschutz. "Die Tiere finden durch die Oberflächenversiegelung in den Städten immer weniger vom Baustoff Lehm vor. Es kommt kaum noch zu Vollendungen des Nestes. Wie helfen mit dem Bauverein als Partner nach und stellen sozusagen fertige Mehrfamilienhäuser zu Verfügung", erklärt Stephan Schäfer vom Naturschutzbund (NABU). Mit den Mehrfamilienhäuser meint Schäfer den Aufbau der künstlichen Nester. Jeweils zwei werden samt Holzbrett an Hauswänden befestigt. Darunter wird  ein zusätzliches Brett angeschraubt, dass den Kot der Vögel auffangen soll. "Der ist sehr aggressiv und sieht an Hauswänden nicht sehr schön aus. Außerdem werden Menschen dadurch nicht belästigt. In den letzten Jahren wurden unsere Häuser verstärkt von Schwalben aufgesucht. Die Verunreinigung brachte auch Mieterbeschwerden mit sich. In diesem Konfliktfeld mussten wir uns auch mit Mietminderungsandrohungen beschäftigen. Daraufhin hatten wir einige Nester entfernen lassen und Kaninchendraht zur Verhinderung weiterer Nestbauaktivitäten anbringen lassen. Ein Vogel verfing sich und wir erhielten eine Anzeige. Um nicht untätig zu sein und aus der Not eine Tugend zu machen, kontaktierten wir den NABU", informiert Wieland.

Die Lage im Mündener Wiesenpfad sei ideal, erklärt Schäfer. Die Nähe zur Fulda sorge für ausreichend Nahrung, denn Insekten würden sich hier in Scharen tummeln. Zwischen den Dachbalken werden an der Fassade von Dachdeckermeister Benjamin Grischke vier Witterungsbeständige Holzbetonnester angebracht. Weitere sollen am Hohen Feld und dem Wiershäuser Weg installiert werden.

Wie wichtig die Nisthilfe für die Schwalben sind, erläutert Schäfer: "Diese Zugvögel verweilen in den Wintermonaten in Zentralafrika und legen tausende Kilometer zurück, um sich im Mai wieder in unseren Breitengraden zu vermehren. Seit der Mensch Häuser baut sucht die Schwalbe die Nähe zum Menschen und baut hier ihre Nester. Leider sieht sich der Vogel immer mehr Umwelteinflüssen ausgesetzt. In Afrika wird er beispielsweise mit riesigen Netzen gefangen und dient den Menschen dort als Nahrung. Immer weniger Nistmöglichkeiten  mangels Lehmvorkommen zählen zu diesen negativen Einflüssen." Durch die Fertighäuser spart die Schwalbe viel Energie – beim Bau eines Nestes fliegt eine Schwalbe rund 20.000 Mal in und her.

Das Thema ist akut. Der NDR, der extra mit einem Kamerateam angereist ist, widmet ihm eine 45-minütige Dokumentation, die sich mit der Situation in der Region befasst. Wann die Sendung ausgestrahlt werden soll, stand während des Pressetermins leider noch nicht fest.Gefördert wird das Projekt durch die Bingo-Umwelt-Lotterie.

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