Zum 100. Todestag Konrad Dudens: Geschichte eines Bestsellers

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Das Konrad-Duden-Denkmal im Stiftsbezirk. Foto: Ling

Bad Hersfeld. Morgen jährt sich zum 100. Mal der Todestag von Konrad Duden. Über­all in Deutschland wird daher an seinen Wirkungsstätten mit Veran

Bad Hersfeld.Morgen jährt sich zum 100. Mal der Todestag von Konrad Duden. Über­all in Deutschland wird daher an seinen Wirkungsstätten mit Veranstaltungen und Ausstellungen an den "Vater der deutschen Rechtschreibung" erinnert – natürlich auch in Bad Hersfeld (siehe Infokasten), wo er 1880 das "Vollständige Orthographische Wörterbuch der deutschen Sprache" veröffentlichte, das bald seinen Namen tragen sollte. Zunächst deutete aber nichts darauf hin, dass der im nordrhein-westfälschen Wesel geborene Konrad, ein Sohn aus einer gutbürgerlichen, wenn auch nicht sehr wohlhabenden Familie, Berühmtheit erlangen sollte.

1846 machte er sein Abitur in Wesel – in Deutsch hatte er allerdings eine 4 im Abiturzeugnis. Nach dem Studium in Bonn und Marburg ergriff er den Lehrerberuf, zunächst als Hauslehrer, später im Schuldienst und schließlich als Gymnasialdirektor.

Bereits 1872 hatte er dabei in Schleiz (Thüringen) ein orthografisches Wörterbuch für den Hausgebrauch zusammengestellt. Doch seine Freunde und Kollegen waren davon so begeistert, dass das Buch kurz darauf gedruckt wurde. Von diesem Erfolg bestärkt, machte Duden sich daran, sein Wörterbuch noch einmal zu überarbeiten und zu vervollständigen. Der "Ur-Duden" mit rund 28.000 Stichworten erschien am 7. Juli 1880 – und wurde gleich ein großer Erfolg.

Zu Dudens Zeit herrschte in Deutschland ein regelrechter Kampf um die Rechtschreibung. Mit der Reichsgründung 1871 wurde der Ruf nach einer einheitlichen Rechtschreibung laut, doch unter den Reformern gab es sehr gegensätzliche Ansichten: Während die Traditionalisten  eine Rückkehr zur mittelhochdeutschen Rechtschreibung forderten, strebten die  Progressiven eine radikale Angleichung der Rechtschreibung an die Aussprache an, alle Doppellaute (wie v und f) sollten wegfallen. Auf der ersten Orthografischen Konferenz 1876 in Berlin konnte daher keine tragfähige Einigung erzielt werden.

Duden ging pragmatischer an die Sache heran, denn er war überzeugt, dass sich von oben verordnete akademische Regelwerke ohnehin nur schwer durchsetzen lassen würden. Wie einst Martin Luther bei seiner Bibelübersetzung "dem Volk aufs Maul schaute", erfasste auch Duden also die im Volk verbreiteten Varianten und ordnete sie nach einfachen und sinnreichen Regeln, die aber auch Ausnahmen erlauben. Sein Werk stellte damit einen guten Kompromissvorschlag sowohl zwischen den unterschiedlichen akademischen Richtungen als auch zwischen den Sprachgelehrten und dem Sprachvolk.Der Erfolg gab ihm Recht: Auf der Zweiten Orthographischen Konferenz wurden die Regeln des Duden bestätigt.

Bis heute ist der Duden, obwohl er keinerlei verbindlichen Charakter hat, das Leitwerk der Deutschen Rechtschreibung. Ob für den Geschäftsbrief oder zum Streitschlichten beim Scrabble – jeder muss irgendwann mal etwas "im Duden nachschlagen".

In der Zwischenzeit sind natürlich viele Wörter veraltet und ungebräuchlich geworden und viele neue Wörter hinzugekommen. Der Duden dokumentiert diesen Sprachwandel, indem in jeder Auflage neue Wörter aufgenommen und veraltete weggelassen werden. Manch einem gilt der Duden daher als zu liberal, wenn er auch neumodische Wörter und verbreitete englischsprachige Begriffe aufnimmt. Doch die Aufgabe eines Wörterbuches ist es nicht, zu entscheiden,  ob solche sprachlichen Trends schön sind oder nicht. Der Duden bildet nur ab, wie in Deutschland eben geschrieben wird – auch nach 100 Jahren noch ganz im Sinne Konrad Dudens.

EXTRA-INFO: Veranstaltungen zu Konrad Duden +++ +++ +++

Bereits heute, am Sonntag, 31. Juli, um 11.30 Uhr, wird eine Sonderausstellung im Konrad-Duden-Museum (Am Neumarkt 39) eröffnet. Die Ausstellung zum 100. Todestag von Konrad Duden: "Schreibe wie Du sprichst" ist bis zum 2. Oktober täglich außer montags, von 10 bis 12 und von 15 bis 17 Uhr zu sehen, während der Festspielzeit auch abends.

Ab sofort ist eine Gedenkschriftzum Preis von 10 Euro bestellbar bei Bertold Schmidt, Telefon: 06625/ 5128 oder museumsscheu­ne@web. de.

Ebenfalls heute, um 17 Uhr, eröffnet eine Mitglieder-Ausstellung des Kunstvereinszum Thema "Sprachbilder – Bildersprache in der Schildehalle, die bis zum 26. August zu sehen sein wird. Geöffnet ist dienstags bis sonntags von 15 bis 18 Uhr.

Morgen, am 1. August, stellt der Duden-Verlag in Bad Hersfeld dieBuch-Neuerscheinungen zum Gedenkjahr der Presse vor: Das "Lieblingswörterbuch der Prominenten" und "Wörter des Jahrzehnts (2000-2010)". Der Kreisanzeiger wird darüber berichten.

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