Es ist höchste Zeit für die Ehe für alle

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Der Ehe für alle wurde am 30. Juni in Deutschland der Weg frei gemacht.

Deutschland schließt sich mit der Ehe für alle rund 20 anderen Ländern weltweit an, die gleichgeschlechtlichen Paaren die Ehe ermöglichen.

Waldhessen. Ab November dürfen die ersten gleichgeschlechtlichen Paare in Deutschland heiraten und das ist nicht nur gut so, sondern höchste Zeit.

Am Freitagmorgen, 30. Juni, stimmten 393 der 623 abgegebenen Stimmen im Bundestag für die völlige rechtliche Gleichstellung homosexueller und heterosexueller Paare. Bislang konnten gleichgeschlechtliche Paare lediglich eine Lebenspartnerschaft eintragen lassen, die der Ehe zwar gleichgestellt ist, aber da es nicht den selben Namen trägt, schwingt doch immer ein Unterton mit. Damit ist nun Schluss. Bereits geschlossene Lebenspartnerschaften werden nicht automatisch zur Ehe umgeschrieben, aber es können auch keine weiteren Lebenspartnerschaften eingetragen werden. Es ist zudem möglich, bestehende Lebenspartnerschaften einfach fortzuführen.

Als nächstes muss der Bundespräsident das Gesetz unterschreiben. Für die Änderung werden im Bürgerlichen Gesetzbuch gerade mal ein paar Worte ergänzt. Auch den Standesämtern wird eine Vorbereitungszeit von drei Monaten gegeben, was bedeutet, dass die ­ers­te gleichgeschlechtliche Ehe in Deutschland am 1. November geschlossen werden kann.

Abgesehen von der nun identischen Bezeichnung hat die Ehe gleichgeschlechtlicher Paare aber einen weiteren Vorteil beim Adoptionsrecht: Gleichgeschlechtlichen Paaren war es daher nicht gestattet, Kinder zu adoptieren. Ab November wird diese Hürde dann glücklicherweise wegfallen. Weiterhin entscheidet das Jugendamt in jedem Einzelfall darüber, ob das familiäre Umfeld der Erziehung eines Kindes angemessen ist.

So und warum ist es höchste Zeit, dass Deutschland die Ehe für alle erlaubt? Weltweit machten die Niederlande 2001 den Anfang. Weitere Länder wie Belgien, Norwegen, Schweden, Frankreich und Großbritannien (ohne Nordirland) folgten. Sogar Länder mit starkem katholischem Einfluss (Spanien und Irland) waren schneller als Deutschland.

Außerhalb von Europa ist etwa Kanada seit 2005 für die Ehe für alle und selbst die Vereinigten Staaten von Amerika erlaubten die gleichgeschlechtliche Eheschließung 2015. Auch Südafrika sieht seit 2006 keinen Unterschied bei der Ehe, ist damit aber ein Einzelgänger auf dem Kontinent. Neben Deutschland gesellte sich zuletzt 2016 Taiwan zu den rund 20 Ländern mit der Ehe für alle hinzu.

Gerade weil schon so viele Länder auf der Welt dieses Ziel umgesetzt haben, sollte es eigentlich nur noch eine Formsache sein, die Ehe für alle durchzusetzen. Die 226 Gegenstimmen (es gab vier Enthaltungen) im Bundestag lassen einen aber doch grübeln, was so viele Politiker denn befürchten? Ist es etwa der engstirnige Gedanke, dass war früher schon so, also bleibt es auch so?

Im Internet fand ich ges­tern ein Quiz, das einem die Meinung abnehmen sollte, ob man für oder gegen die Ehe für alle stimmen würde. Das Quiz bestand aus dieser einfachen Frage: „Wer sich liebt, heiratet. Punkt.“ Als Antwortmöglichkeiten gab es Ja und Nein. Manchmal können Themen, über die mehr als 600 gewählte Politiker abstimmen, eben ganz leicht gelöst werden.

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