Strandkorb-Geplauder mit "Hair"-Darsteller Merlin Fargel

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Merlin Fargel im Gespräch mit KA-Redakteur Philipp Ling.

Der neue "Berger" in der Wiederaufnahme des Musicals plaudert im Strandkorb darüber, was ihm diese Rolle alles abverlangt.

Bad Hersfeld. In der vorigen Woche ist die Wiederaufnahme des Musicals „Hair“ mit großem Erfolg gestartet. Dabei gab es einige Umbesetzungen, darunter Merlin Fargel, der mit dem Hippie-Anführer Berger eine der Hauptrollen übernommen hat. Während „Hair“ für ihn eine Premiere ist, hat er mit den Festspielen bereits Erfahrung gesammelt: 2017 spielte er in „Titanic“ die Rolle des Ausgucks. Für die Wiederaufnahme im vorigen Jahr stand er aber wegen anderer Verpflichtungen nicht zur Verfügung. „Man kann es sich als Darsteller oft nicht aussuchen“, sagt er und fügt hinzu: „Sonst wäre ich jedes Jahr hier.“ Denn von Bad Hersfeld ist er begeistert: „Die Stiftsruine ist einmalig und alles ist hoch professionell“, lobt er – da könne sich Bad Hersfeld mit allen Theatern in Deutschland messen. „Als Darsteller träumt man von solchen Produktionen. Jeder Bad Hersfelder kann stolz auf diese Festspiele sein“, findet er.

Merlin Fargel hat früh auf der Bühne angefangen: In seiner Heimatstadt Bonn gibt es ein renommiertes Kinder- und Jugendtheater, das immer mit Kinderdarstellern arbeitet – ganz ähnlich wie beim Familienstück der Festspiele. „Ich konnte schon mit 13, 14 Jahren Theaterluft schnuppern und habe so auch eine sehr reale Vorstellung von diesem Beruf bekommen“, erinnert er sich. So entschied er sich nach der Schule für das Studium zum Bühnendarsteller und wurde an der Folkwang Universität der Künste in Essen angenommen – als einer von sechs aus über 200 Bewerbern. „Diesen Beruf zu ergreifen war schon ein Traum von mir. Dann diese Chance zu bekommen, das war eine große Bestätigung.“

Die Aufführung von „Hair“ im vergangenen Jahr hat er gesehen und war sehr begeistert – umso größer war die Freude, als er das Angebot bekam, mitzuspielen. Obwohl es nicht ganz einfach sei, in eine bestehende Produktion einzusteigen – noch dazu in einer Hauptrolle – wurde er von seinen Kollegen herzlich aufgenommen, wozu natürlich auch die familiäre Atmosphäre in Bad Hersfeld beigetragen habe. „Sie haben mich als ihren Anführer akzeptiert“, sagt er im Hinblick auf seine Rolle. Zum Glück sei die Musicalwelt nicht so groß, so dass er auch auf einige bekannte Gesichter traf. Auch mit Gil Mehmert hat er zuvor schon zusammengearbeitet. Vor seiner neuen Rolle hatte er aber auch großen Respekt, da die Aufführung mit viel Tanz und Bewegung körperlich sehr anstrengend ist: „Ich habe gesehen, wie die Kollegen geschwitzt haben, wie viel Energie sie reingesteckt haben. Deshalb habe ich mich intensiv körperlich vorbereitet.“ Zum Glück hatte er schon für seine vorherige Rolle als Tarzan von seinem Trainer ein Fitnessprogramm zusammengestellt bekommen, das er nutzen konnte. Dazu gehört neben reichlich Cardio- Einheiten vor allem auch, das Singen bei gleichzeitiger körperlicher Betätigung einzuüben. Denn während der Songs stehen den Darstellern nur kurze Atempausen zur Verfügung, so wie Melodie und Text sie hergeben, gleichzeitig verausgaben sie sich beim Laufen, Springen und Tanzen – der Körper will Luft holen, kann aber nicht. So werden die Songs beim Seilspingen oder auf dem Stepper eingeübt. „Das ist unglaublich anstrengend und war auch für mich die größte Herausforderung bei diesem Stück“, berichtet er.

Die Rolle des Berger ist obendrein für ihn besonders spannend, da dieser vom Charakter her ganz anders als er selbst sei: „Er ist ein Macher, der immer aus dem Bauch heraus handelt und mit dem Kopf durch die Wand will. Ich selbst bin eher ein Kopfmensch.“ Wenn er nun in seiner Rolle einen Menschen mit ganz anderer Denkart, mit einem anderen Körper- und Lebensgefühl spielt, entdeckt er auch sich selbst neu: „Ich denke, jeder Mensch hat verschiedene Seiten in sich. Deshalb liebe ich diesen Beruf, weil man aus sich raus muss und diese Seiten an sich entdecken kann.“

„Hair“ sei außerdem ein ganz besonderes Stück – mit viel guter Laune und Spaß, aber auch ernsthaften Seiten. Neben dem historischen Abbild der damaligen „Flower Power“-Zeit hat es auch eine aktuelle Brisanz: „Umweltverschmutzung, Krieg, der Rechtsruck in Europa – das sind alles aktuelle Themen. Es ist schön, dass das auch beim Publikum ankommt, denn wir hoffen, dass es etwas in den Zuschauern hinterlässt.“ Doch diesbezüglich gibt es keine Sorgen: „Schon bei der Premiere kam so viel zurück. Nach der ersten Szene war der Applaus so lange, dass ich nicht so recht wusste, wann ich reinkommen soll“ erinnert er sich. Und der Aufruf am Schluss „Let The Sunshine In“ habe ja angesichts des Wetters wohl gut funktioniert.

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