Auch ich bin wie Herr Herbert Mühlbauer entsetzt über Heiderich!

Reaktion auf das Schreiben von Helmut Heiderich im Kreisanzeiger vom 8. Januar. Foto: nh

Ein weiterer Leserbrief als Reaktion auf Helmut Heiderichs Kommentar zum Windkraftausbau in Breitenbach am Herzberg.

Breitenbach am Herzberg.Ralf Schulz kommentiert Helmut Heiderichs Kommentar zum Windkraftausbau in Breitenbach am Herzberg (Kreisanzeiger 7./8. Januar). Weitere Äußerungen von Karl-Heinz Licht und Herbert Mühlbauer gibt es unter den Links.

Wie wollen wir denn das 2°C Ziel erreichen und den C0 2 Ausstoß senken, wenn wir solche verantwortungslosen Politiker haben, die nur dafür sorgen, dass möglichst keine erneuerbaren Energien eingesetzt werden können.

Wenn ich etwas von Herrn Heiderich zum Thema Windräder höre, dann kann ich mich nicht dem Eindruck erwehren, dass hier ein ideologischer Kampf gegen Windmühlen stattfindet. Da Sie, Herr Heiderich, Mitglied im Bundestag sind und dafür gesorgt haben, das sich der Bau von WKA´s nur noch für große Firmen wie EON, RWE und Vattenfall lohnt, kann ich nachvollziehen, dass Ihnen der Clou der "Windradfirma" nicht passt!

Ihnen liegt eine Bürgerbeteiligung an solchen Projekten fern. Man kann Ihre Abneigung gegen die Windkraft in jeder Ihrer Äußerungen spüren. Die Förderung dieser Energiegewinnung ist unabdingbar, um weiteren Schaden durch die Verbrennung fossiler Energieträger zu vermeiden. Ich kann und will nicht glauben, dass eine solche Hetze gegen fortschrittliche Energiegewinnung, selbst in der CDU mit einer Physikerin an der Spitze, Platz hat. Herr Heiderich, ich bin davon überzeugt, dass Sie sich nicht ernsthaft, unvoreingenommen und fachlich kompetent mit dem Zusammenhang Energiegewinnung, Verbrauch und CO2 Problematik auseinandergesetzt haben. Sie waren in der Vergangenheit ein starker Verfechter der Atompolitik. Eine Politik also, welche unübersehbar viele Generationen die sich nach uns, noch mit der Bedrohung ihrer Gesundheit beim Rückbau der Entsorgung und Lagerung konfrontiert sieht.

Diese/unsere Enkel, Urenkel... werden also in Zwangshaft genommen, sich um diesen/unseren Abfall, ich nenne es lieber Dreck, zu kümmern und sich in Gefahr zu bringen, und dafür weitere Energie zu verschwenden. Hierzu hätte ich gerne eine Aussage von Ihnen. Vielleicht würde Ihnen ein Licht beim Besuch im Schacht Asse aufgehen. Hier könnten Sie sich ein Bild von der Verseuchung unserer Natur machen? Hier gibt es viel zu tun, viele defekte strahlende Fässer sind zu bergen, bevor sie völlig außer Kontrolle geraten. Sie könnten sich auch Gedanken dazu machen, warum der von Ihnen erwähnte Energieüberschuss bei windstarken, oder im Fall der Solaranlagen, sonnenreichen Tagen nicht genutzt werden kann. Es gibt zu wenige Politiker in Regierungsverantwortung, die sich wirklich um dieses Problem kümmern.

Sie als Mitglied des Bundestages sind in der Verantwortung und haben die Stellschrauben in der Hand, Einfluss auf die Industrie zu nehmen, effiziente Energiespeicher im Netz zu platzieren. Hier muss es einen Mix aus schnell verfügbarem Strom aus Batteriespeichern für kurze Energiespitzen und langsameren Pufferspeichern (Pumpspeicherkraftwerke, Erzeugung von Wasserstoff und Zuführung zu Gaskraftwerken…) geben. Hier müssen auch Fördergelder in vorhandene und noch zu erforschende Technologien gehen. Diese Fördergelder sind leicht bei der Autoindustrie abzuzweigen (hier fließen immer noch große Summen in die Entwicklung von Verbrennungsmotoren). Auch die Förderung der Kohle ("schönen Gruß" an die Sozialdemokraten), ist absurd.

Nun diese Speicher müssen genauso wie die Energielieferanten möglichst gleichmäßig über das Land verteilt werden. So kann man den übermäßigen Ausbau der Stromtrassen vermeiden. Ein weiteres Problem sind die vielen veralteten Kohle- und natürlich Atomkraftwerke, welche sich nur in begrenztem Maße regulieren oder bei Bedarf nicht einfach abschalten lassen. Hier muss ein Umdenken her. Die erneuerbare Energie muss der 'Master' und die CO2 Verursacher der 'Slave' sein. Im Moment ist es genau umgekehrt, weil die Politik an der Leine der Energiewirtschaft läuft.

Wir können den CO2 vermeidenden Strom in windreichen oder sonnenreichen Zeiten nicht effizient nutzen, weil wir keine Regel oder Abstellmöglichkeiten an den CO2-Schleudern haben. Ihnen ist es aber lieber, unnötig CO2 zu erzeugen und die dabei entstehende überschüssige Energie auch noch zu verschenken, und dann noch die CO2 vermeidende Energieversorgung zu verunglimpfen. Und das nach einem Jahr, wo bekannt wurde, dass wir wieder mehr C02 erzeugt haben. Aber Ihnen liegt das schnelle Geld für die Konzerne scheinbar näher als die Zukunft dieses genialen Planeten, der mit seiner Vielfalt, uns und allen noch verbliebenen Lebewesen und Pflanzen ein wahres Paradies bietet.

Eine weitere Möglichkeit liegt in der Hand von den Energieversorgern vor Ort. Es gibt leider noch immer Haushalte, wo Strom in Nachtspeicheröfen "verbrannt" wird. Diese Speicher werden durch die Stromversorger stur in der Nacht aufgeladen, ob viel Energie vorhanden ist oder nicht! Es bräuchte nur ein bisschen Druck von verantwortlichen Politikern, und man könnte diese anachronistische Heizungsform vorübergehend nutzen, um diese Spitzenüberschüsse wenigstens in der kalten Jahreszeit noch sinnvoll zu nutzen, und das dann auch noch ohne CO2 zu verursachen. Im Übrigen wurden in der Vergangenheit Provisionen an die Mitarbeiter der Energieversorger ausgezahlt, wenn sie Verträge für solche Nachtstromverträge abgeschlossen haben. Wahnsinn!

Und daraufhin mussten dann Atom- und Kohlekraftwerke mit Fördermitteln gebaut werden, um diesen Bedarf zu decken (sorgen Sie doch dafür, dass die Energieversorgungsunternehmen die Fördermittel zum Beispiel für Kindergärten zurückgeben). Nun wurde "billige" Atomenergie auf Teufel komm raus erzeugt. Diese Atomenergie kommt uns allen jetzt bei der Entsorgung teuer zu stehen. Die Bundesländer, die sich bei der Erzeugung eine goldene Nase verdient haben, wollen sich um diese strahlende Hinterlassenschaft nun nicht mehr kümmern. Gewinn ja, Verantwortung? Fehlanzeige!

Elektroenergie ist eine veredelte Energie (die durchschnittliche Effizienz aller Kohlekraftwerke der Welt liegt bei 31 Prozent!). Man muss also 100Kwh Energie erzeugen, um dann 31Kwh "verheizen" zu können. Es werden also 69 Prozent Energie vernichtet und das dabei entstehende CO2 in die Atmosphäre eingetragen. Die Leitungsverluste und die Leiden durch Atemwegserkrankungen und Krebs nicht eingerechnet. Aber diese Leiden sind ja nur dort, wo die Kohle oder Atomkraftwerke sind und ihre Hinterlassenschaften "landen".

Auch nicht zu vergessen, dass in den Siebzigern die Nachtspeicheröfen Asbest enthielten. Da bleibt einem der gerne benutzte Spruch "saubere Energie" im kranken Halse stecken. Aber auf dem oben genannten Weg könnte man die Nachtspeicher auch bei starken Energielieferungen durch erneuerbare Energien "füttern". Aber hier sind die Energieriesen dieses Landes gefordert, ihre "Rundsteuergeräte" in diesen Spitzenzeiten zu schalten. Die wollen aber ihre Hausmacht nicht verlieren, denn sie VERDIENEN an diesem Prinzip. Natürlich werden sie nicht müde, die Windenergie nach allen Regeln der Polemik zu verunglimpfen.

Da werden natürlich auch immer wieder gerne alle Arten an Vögeln und Fledermäusen angeführt. Aber die sind zum Glück schlauer als vermutet! Vögel und Fledermäuse gewöhnen sich an solche Hindernisse. Sicher gibt es Schäden. Aber die Schäden durch Ausrottung, Bejagung, Umwelt und Ackergifte sind weit größer. Im Übrigen müssten wir auf der Stelle den Autoverkehr einstellen. Die Zahl an toten Tieren auf den Straßen ist immens. Hier vielleicht mal auf dem Beifahrersitz setzen und zählen. Aber diese Tiere werden in dieser Gesellschaft anders gewichtet. Der Tod kommt hier durch das Statussymbol Auto. Das kocht natürlich nicht so hoch. Womöglich gibt´s noch eine schreckliche Beule am "heiligen Blechle".

Ich behaupte nicht, dass eine WKA schön aussieht. Aber Krebs, Lungenerkrankungen, Hochwasser, Stürme, Leid und Tod durch Klimawandel ist sicherlich hässlicher anzusehen! Nicht zu verschweigen, die dadurch verursachte Völkerwanderung. Da wird der momentane Flüchtlingsstrom dagegen verblassen. Übrigens lässt sich eine WKA mit Sicherheit leichter und ohne strahlende Altlasten zurückbauen, wenn sie dann verschlissen oder eine wieder modernere Form der Energiegewinnung gefunden ist. In den jetzigen Zeiten mit Anschlägen ist auch klar, was es bedeutet, wenn ein Atomkraftwerk angegriffen werden sollte.

Eine zerstörte WKA erscheint im Vergleich hierzu geradezu lächerlich. Die Störfälle in Tschernobyl und Fukushima sind in unserer schnelllebigen Zeit leider schon aus den Schlagzeilen verschwunden. Ein Störfall an einem WKA endet maximal mit einem endlichen Brand oder einem Umfallen der Anlage. Die Folgen eines Störfalles im Atomkraftwerk sind unabsehbar und haben mitunter weltweite Auswirkungen. Auch zum Thema Energieeinsparung hört man leider nichts. Es MUSS ja immer Wachstum her. Selbst bei der Energiegewinnung mit logischerweise weiterer Steigerung des CO2 Eintrags in die Atmosphäre. Hauptsache schwarze Zahlen und steigende Börsenkurse.

Aber Achtung, in der Natur ist endloses Wachstum nicht vorgesehen! Noch hustet unser Planet "nur". Aber auch dieser Husten "wächst". Herr Heiderich es gibt auch in Ihren Reihen sicher verantwortungsvollere Kandidaten, die besser mit der Zukunft unseres Planeten und des Lebens darauf umgehen. Von Ihnen erwarte ich nicht, sich angemessen dieser Problematik zu stellen. Mir ist nun auch klar warum es mit der Energiewende nicht mehr weitergeht. Sie wollen eine Rolle rückwärts. Suchen sie sich besser einen anderen "Spielplatz" aus, dieses Gebiet ist nicht für Ränkespielchen zu Lasten zukünftiger Generationen geeignet. Dass Sie Mitglied im Parlamentarischen Beirat für Nachhaltige Entwicklung sind, halte ich in diesem Zusammenhang übrigens für einen Treppenwitz. Ich hoffe Sie müssen zu Ihrer Einstellung noch mal vor Ihren eigenen Kindern oder Enkeln Rede und Antwort stehen und sich erklären.

Es dürfte Ihnen nun wohl klar sein, das Sie sicher nicht der Kandidat sind, von dem ich mich vertreten fühle.

Ralf Schulz

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