Aufschwung? Von wegen!

Von GERALD SCHMIDTKUNZDie Osterferien stehen vor der Tr, an den Tankstellen stellt es sich jetzt wieder ein: das ungute Gefhl der Gehaltse

Von GERALD SCHMIDTKUNZDie Osterferien stehen vor der Tr, an den Tankstellen stellt es sich jetzt wieder ein: das ungute Gefhl der Gehaltsempfnger, denen eine eben erst errungene Lohnerhhung erneut sang und klanglos durch die Finger rinnt. Seit 2005 ist der Preis fr den Liter Kraftstoff (ungeachtet der Sorte) im Jahresschnitt um an die 10 Prozent gestiegen. Da ist es fr die Vielfahrer in den nordosthessischen Flchenlandkreisen kaum ein Trost, dass sie auf manchen Zapfpistolen den Hinweis lesen drfen, dass sich Vater Staat mit 60 bis 70 Prozent am Endpreis einer Tankfllung gtlich tut. Es wre allerdings zu einfach, die sinkende Kaufkraft im Lande allein auf die Minerallkonzerne abzuschieben. Vielmehr ist in den vergangenen vier Jahren die Inflationsrate insgesamt schneller gestiegen als das verfgbare Nettoeinkommen der Brger. Jede noch so hart erstrittene kleinprozentige Lohnerhhung war allemal schon Schnee von gestern, ehe sie denn auf dem Konto gutgeschrieben war. Die lachenden Dritten waren immer nur die groen Arbeitgeber, die die Republik mit ihren Nachrichten ber Schwindel erregende Gewinnsteigerungen erstaunten. Was solch freie Marktwirtschaft wirklich fr das finanzielle Schicksal eines Arbeitnehmers bedeuten kann, zeigt aktuell das Beispiel der Schwalmstdter Schuhfabrik Rohde. Dort wird die Rettung des Unternehmens gro gefeiert obwohl die Arbeitnehmer wieder die Gelackmeierten sind. Diejenigen, deren Arbeitspltze jetzt mit Dumpingmethoden zu erheblichen Lohneinschnitten erkauft worden sind, werden sich vermutlich freuen, dass sie berhaupt noch eine Arbeit und ein Einkommen haben. Ob sie damit aber wirklich ber ein gerecht verteiltes Auskommen verfgen, bleibt abzuwarten. Zehn Prozent erpresster Lohnverzicht sind bei netto 1.500 Euro im Monat immerhin stolze 150 Euro weniger in der Lohntte. Von solchem Geld bezahlt manch einer die Rate fr seinen lngst flligen neuen Gebrauchtwagen. Der von Bundeskanzlerin Merkel gebetsmhlenartig heruntergeleierte Spruch vom Aufschwung, der bei den Menschen angeblich ankommt, entlarvt sich letztlich als Lug und Trug. Wir alle brauchen keine dmmliche Durchhaltepropaganda. Wir wollen schlicht und ergreifend mehr Netto im Geldbeutel. Dann, das betonen auch alle Kreishandwerkerschaften als Kenner des Konsumverhaltens der Menschen vor Ort immer wieder, dann klappt's vielleicht auch mit dem Aufschwung.

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