"Aus der Spur geraten"

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Erneuerbare Energien treten heutzutage immer mehr in den Vordergrund. Foto: Rainer-Sturm_pixelio.de

Waldhessen. In einem ausführlichen Interview thematisiert der Bundestagsabgeordnete Helmut Heiderich (CDU) die Reform des EEG

Waldhessen. Der heimische Bundestagsabgeordnete Helmut Heiderich (CDU) fordert seit Langem eine stärkere wirtschaftliche Ausrichtung des Erneuerbaren Energien Gesetzes (EEG). Die jetzigen Reformvorschläge von Umweltminister Gabriel gehen ihm nicht weit genug.

Herr Heiderich, Sie kämpfen für einen Systemwechsel beim EEG. Warum?

"Das EEG war eine erfolgreiches Instrument um erneuerbare Energien in den Markt zu bringen. Jetzt brauchen wir allerdings den Umstieg vom Marktanzreiz- zum Marktwirtschaftsprogramm. Es darf bei den Erneuerbaren nicht mehr um ständigen Zubau gehen, sondern im Mittelpunkt muss der tatsächliche Bedarf auf dem Markt stehen."

Stellt man mit dem EEG nicht den Erfolg der Energiewende infrage?

"Das EEG ist aus der Spur geraten und muss dringend reformiert werden. Als wir die Energiewende eingeleitet haben war folgender Dreiklang unser Ziel: Bezahlbarkeit, Umweltgerechtigkeit und Versorgungssicherheit. Nichts von dem ist bislang umgesetzt! Die Bürger zahlen in diesem Jahr rund 24 Milliarden Euro für das EEG und der Strompreis steigt. Wir schädigen also das Weltklima stärker als bisher. Und von einer wirklichen Versorgungssicherheit kann keine Rede sein."

Die Bundesregierung will den Ausbau bei Wind und Sonne deckeln. In Hessen soll er dagegen sogar steigen.

"Wir brauchen aus meiner Sicht eine deutlich stärkere und vor allem verlässlichere Deckelung. Schon heute gibt es mit 36 Gigawatt Solarstrom, 34 Gigawatt Windstrom und 7 Gigawatt Biomasse, mehr Kapazität aus erneuerbaren Energien auf dem Markt, als wir brauchen. Der Chef der Deutschen Energieagentur Kohler sagt, dass im Schnitt 30-50 Gigawatt an Kapazität ausreichen. Auch nach seiner Meinung ist eine lineare Fortschreibung des Ausbaues der erneuerbaren Energien nicht möglich. "

Das bedeutet zum Beispiel?

"Nach Auskunft der Bundesregierung sollen von den 24.000 Windkraftanlagen in Deutschland ca. 10.000 durch ein sogenanntes Repowering aufgerüstet werden. Allein dies ergibt einen Zuwachs von 20 bis 25 Gigawatt. Die Bundesregierung will den Windausbau aber auf 2,5 Gigawatt pro Jahr deckeln. Wir erreichen also alleine mit dieser Maßnahme das Ausbauziel für die gesamten nächsten zwei Wahlperioden. Und diese ohne eine einzige neue Windkraftanlage an Land."

Gibt es noch weitere Probleme?

"Durch die zeitweise Überproduktion von Wind und Sonne müssen wir den Strom zu Niedrigstpreisen ins Ausland verkaufen. Die deutschen Stromkunden zahlen aber dennoch die komplette EEG-Umlage dafür. Das ist ein doppeltes Minusgeschäft. Gegenüber dem Rekordjahr 2012 ist der Stromexport im letzten Jahr erneut um 36 Prozent gestiegen. Das können wir uns auf Dauer nicht leisten."

Reicht eine Deckelung der Windkraft aus um die Probleme zu lösen?

"Wir brauchen eine komplett neue Austarierung der Stromversorgung. Dazu gehören neue Stromleitungen, eine Kapazitätssteuerung für alle Erzeuger und vor allem Speichermöglichkeiten für überschüssigen Strom. Hier stehen wir noch ganz am Anfang der Entwicklung. Inzwischen müssen wir jetzt sogar hochmoderne konventionelle Gas- und Pumpspeicherkraftwerke subventionieren. Diese rechnen sich heute aufgrund des Stromüberangebotes bei den Erneuerbaren nicht, werden aber dringend benötigt, um die Schwankungen bei Wind und Sonne auszugleichen."

Bundesumweltminister Gabriel hat jetzt erste Eckpunkte seiner Reform vorgestellt. Wie beurteilen Sie diese?

"Gabriels Vorschläge gehen in die richtige Richtung, reichen aber bei Weitem nicht aus. Meine Sorge ist, dass es uns in dieser Wahlperiode mit der Windkraft ähnlich geht, wie mit der Solarkraft in der letzten Wahlperiode. Dort gab es trotz vorherigen Behauptungen auch keine ausreichende Deckelung. Deshalb sind die Kosten so gewaltig explodiert. Ich habe immer gesagt eine Energiewende gibt es nicht zum Nulltarif. Aber wir dürfen nicht einfach blind in die nächste Kostenfalle laufen."

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