Beschwingte Melancholie aus dem Norden - Weimarer Universitätsorganist spielte in der Rokoko-Kirche Niederaula

Niederaula. "Orgelromantik aus dem Norden" – dieses besondere Vergnügen bereitete jüngst der Universitätsorganist der Stadt Weimar, Dr.

Niederaula. "Orgelromantik aus dem Norden" – dieses besondere Vergnügen bereitete jüngst der Universitätsorganist der Stadt Weimar, Dr. Wieland Meinhold, einer sehr kompakten Zahl von Zuhörern in der evangelischen Kirche in Niederaula. Gegensätzlicher hätte der Abend nicht sein können: Die lindgrüne, von der mächtigen Kanzel und der imposanten Orgel beherrschten Rokoko-Kirche wurde erfüllt von sphärischen, virtuos kristallinen Klängen, die so anders waren als Vieles, was das mitteleuropäische Ohr, zumal in einer Kirche, zu hören gewohnt ist. Sehr individuelle Klangkaskaden trug der quirlige, ungemein beredte und kommunikative Universitätsorganist ebenso vor, wie er den 1.026 Pfeifen der "Königin" durchaus erdige Klänge entlockte.

Mit nordischer Musik verbinden viele Menschen gerade noch Edward Grieg, vor allem dessen "Peer-Gynt-Suite", oder Jean Sibelius, referierte Dr. Meinhold als Einstieg in den musikalischen Abend, nachdem Pfarrer Werner Ewald die erwartungsfrohen Zuhörer begrüßt hatte. Beide Komponisten, Grieg mit "Sarabande" sowie "Ases Tod", Sibelius mit der "Finnlandia" in der Fricker-Orgeltranskription, kamen ebenso zu Gehör, wie hierzulande kaum oder gar nicht bekannte Komponisten. So interpretierte Dr. Meinhold ein sehr eigenwilliges Stück des Isländers Hallgrimur Helgason, das zwar das Ohr, nicht aber so recht das Herz erreichen wollte. Ganz anders dann die ein wenig an Akkordeonspiel erinnernde und die See näher bringende, schwermütige Elegie in E-Moll des schwedischen Komponisten Gustav Hägg.

Beschwingte Melancholie – so lässt sich die Empfindung zusammenfassen, die dieser Abend der Orgelromantik aus dem Norden hinterließ, vor allem durch die vom "Flötenregister" beherrschte Improvisation des Universitätsorganisten über altisländische Themen sowie die Interpretationen schwedischer Lieder. "St. Stefan reitet", lautete ein Liedtitel, und in der Tat, mit ein wenig Phantasie konnte man den Schnee unter den Hufen knirschen und das Geschirr klingeln hören.

Bedauerlich, dass so Wenige nur der Einladung in das Gotteshaus gefolgt waren. Doch  wie bemerkte eine der Damen beim Hinausgehen: "Das ist immer so in Niederaula, erst heißt es, es ist nichts los, und wenn’s dann was gibt, kommt keiner…". Schade um den kurzweiligen Orgelabend, der nicht nur mächtige Musikalität, sondern auch eine begeisternde Orgelführung geboten hatte.

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