Besorgnis nach kanadischem Übernahmeangebot: "Ein Schock für uns"

+

Nach dem kanadischen Übernahmeangebot an die Firma K+S fürchten viele Bergmänner Konsequenzen wie Stellenabbau oder Standortschließungen.

Heringen. Vor allem die ­Ungewissheit macht vielen Kumpeln von K+S derzeit zu schaffen. "Wir alle machen uns ­Gedanken, aber etwas Konkretes weiß noch niemand. Das ist ein Schock.", sagt ein Bergmann vom Werk ­Hattorf, der namentlich nicht genannt werden will. Die Angst vor Stellenabbau oder gar Werksschließung greife aber um sich. Negative Konsequenzen hält er für warscheinlich. "Um ­eine Tonne Kali zu fördern, betreiben wir hohen Aufwand. In Kanada geht das viel einfacher."Ein Kollege vom Standort Wintershall blickt mit gemischten Gefühlen auf das Übernahmeangebot des kanadischen Düngemittelherstellers Potash Corporation of Saskatchewan (PCS): "Man macht sich schon seine Gedanken, was die Zukunft bringt. Ich habe vor drei Jahren ein Haus gebaut und es wäre natürlich nicht gut, wenn hier in der Region ­Stellen abgebaut werden würden."

Das Übernahmeangebot an K+S seitens PCS hatte Ende letzter Woche für viel Aufsehen gesorgt. Es beinhaltet die komplette Übernahme des deutschen Konzerns für insgesamt 7,7 Milliarden Euro – was dem Wert von 40 Euro pro K+S-Aktie entspräche. Im Jahr 1997 scheiterte ein erstes Übernahmeangebot an K+S durch die Kanadier am Widerstand der Kartellbehörde.

Michael Wudonig, der Pressesprecher der K+S Gruppe, teilte am Dienstag auf Anfrage mit: "Wir prüfen derzeit den von der kanadischen ­Potash Corp. unterbreiteten Übernahmevorschlag." Bei der Prüfung sei unter anderem das Interesse der Mitarbeiter, Kunden, Lieferanten und Standortregionen zu berücksichtigen. Auch, ob der Vorschlag den Interessen der K+S Aktionäre diene und den Wert von K+S angemessen widerspiegelt, spiele eine ­Rolle.

Heringens Bürgermeister Hans Ries betrachtet grundsätzlich nicht jede Übernahme negativ, in diesem Fall äußert er allerdings doch ­Bedenken: "Die Konzernzentrale läge nicht mehr 90, sondern viele tausend ­Kilometer entfernt. Somit bestünde weder ­eine politische noch eine ­historisch gewachsene Verbindung außer die des erhofften Profits." Er kommt allerdings zu dem Schluss, dass der ganzen ­Sache nichts anderes als eine Spekulation zugrunde liegt – im wahrsten Sinne des Wortes.

Als "Kind des Werratals" ist der Staatsminister im Auswärtigen Amt und MdB ­Michael Roth (SPD) besorgt über die aktuelle Entwicklung. Schriftlich teilt er mit: "Ich sehe kein einziges Argument, das aus Sicht der K+S AG, seiner Beschäftigten oder der Region eine Übernahme durch PCS rechtfertigen würde." Er sei froh, dass Unternehmen, Gewerkschaft, Betriebsrat und die Politik auf allen Ebenen an einem Strang ziehen. Die politischen und rechtlichen Möglichkeiten, gegen eine sogenannte "feindliche Übernahme" vorzugehen, seien freilich sehr begrenzt, so Roth.

Und auch Helmut Heiderich (CDU), MdB, hat Bedenken: "Den erneuten Angriff des kanadischen Düngermittelherstellers Potash auf unsere heimische Kaliindustrie gilt es genauso abzuwehren wie bereits 1997." Es sei im Interesse des Landes, dass K+S ein deutsches Unternehmen mit Sitz in Hessen bleibe.Für alle Beteiligten, insbesondere die Beschäftigten, mache es einen erheblichen Unterschied, ob die Entscheidungen im fernen Kanada getroffen würden oder von einem inländischen Unternehmen mit Sitz in Kassel.

Angeblich möchte PCS keine Veränderungen im Bezug auf Standorte und Mitarbeiter vornehmen. Offizielle Aussagen dazu gibt es allerdings noch nicht.

Das könnte Sie auch interessieren

Meistgelesene Artikel

Fast vierzig Fahrräder gegen Diebstahl gesichert

Fahrradcodier-Aktion in Rotenburg
Fast vierzig Fahrräder gegen Diebstahl gesichert

Autokino kommt nach Heringen

Von Komödie bis Krimi und von Aktion bis Thriller ist beim  VR-Bankverein Autokino-Sommer alles dabei.
Autokino kommt nach Heringen

Timo Lübeck (CDU) als Bürgermeisterkandidat im Haunetal nominiert

Am 1. November finden im Haunetal Bürgermeisterwahlen statt – und mit Timo Lübeck (Bild, mitte) gibt es nun auch einen CDU-Kandidaten für das Amt des Rathaus-Chefs. …
Timo Lübeck (CDU) als Bürgermeisterkandidat im Haunetal nominiert

Spektakulärer Videodreh auf Burg Hauneck: S.A.W. drehte neues Musikvideo

Haunecker Band S.A.W. drehte das neue Musikvideo auf Burg Hauneck - mit Bildergalerie
Spektakulärer Videodreh auf Burg Hauneck: S.A.W. drehte neues Musikvideo

Kommentare

Hinweise für das Kommentieren

Von Mo. bis Fr. in der Zeit von 18 bis 9 Uhr und am Wochenende werden keine neuen Kommentare freigeschaltet.
Bitte bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht.