Besser Kinderschänder als Steuersünder?

Ein Kommentar von KA-Redakteur Rick Fröhnert.
+
Ein Kommentar von KA-Redakteur Rick Fröhnert.

Ein Kommentar von KA-Redakteur Rick Fröhnert zur Verurteilung von Kinderschänder Otto B.

Die Überschrift mag reißerisch und deutlich überspitzt sein – doch steckt wohl leider ein kleines bisschen Wahrheit darin. Wie kann es sonst sein, dass Otto B.*, der seine ­eigene Nichte, ­damals 11 bis 13 Jahre ­alt, insgesamt sechsmal ­sexuell missbrauchte und danach sogar noch pornografische Bilder von dem Mädchen an­fertigte, eine ­ge­ringere Strafe bekommt als ein Steuersünder? Ein aktuelles Beispiel ist "Protz-Prinz" Markus von Anhalt, der wegen 800.000 Euro Steuerhinterziehung vier Jahre ins Gefängnis muss. Oder Uli Hoeneß, der zu ­einer dreieinhalbjährigen Haft­strafe verurteilt ­wurde.

Im Strafgesetzbuch heißt es bei sexuellem Missbrauch Minderjähriger im §176a: "Der sexuelle Missbrauch von Kindern wird [...] nicht unter zwei Jahren bestraft." Bei Steuerhinterziehern heißt es im §370: "Mit Freiheitsstrafe bis zu fünf Jahren [...] wird bestraft, wer den Finanzbehörden oder ­anderen Behörden über steuerlich erhebliche Tatsachen unrichtige oder unvollständige Angaben macht."

Hier geht es um einen schweren sexuellen Miss­brauch ­einer Minderjährigen – ­eine Straftat, für die es keine Entschuldigung gibt. Der Täter hat nachhaltig das Leben ­seiner ­eigenen Nichte zerstört. Da frage ich mich: Ist ein Menschenleben nicht wichtiger als Geld?Positiv wurde Otto B. noch angerechnet, dass er geständig war. Doch hat er zehn ­Jahre lang mit dem Wissen, was er seiner Nicht angetan hat, ­gelebt – und ­geschwiegen. Wie kann man ihm nun ein Geständnis positiv anrechnen, dass erst erfolgt, wenn die Wahrheit bereits ans Licht gekommen ist?

Nochmal Glück für B.: Die Verjährung! Wären seine Taten nämlich nicht erst über zehn Jahre ­später bekannt geworden, wäre auch dessen Strafe höher ge­wesen. Etwa für das Erstellen der Nacktfotos des Mädchens – hier wurde er nur noch für den Besitz der Fotos belangt. Selbst Richterin Michaela Kilian-Bock sagte in ­ihrer Urteilsverkündung, zum Angeklagten gewandt: "Wären die Taten zeitnah verhandelt worden, wäre ihre Strafe höher ausge­­fallen."Mit etwas Glück ist B. als Ersttäter nach zwei Dritteln der Strafe ­wieder auf freiem Fuß. Ein Leben lang muss Otto B. aber mit ­seinem Gewissen klar kommen. Damit, was er seiner hilflosen Nichte angetan hat!

Mehr zum Thema

Das könnte Sie auch interessieren

Meist Gelesen

Reinhard Weimar ist tot – Ex-Mann von Monika Böttcher starb am Sonntag in Hohenroda an Herzversagen

Hohenroda. Reinhard Weimar ist tot. Das bestätigte Bad Hersfelds Polizeipressesprecher Manfred Knoch am Montag auf Kreisanzeiger-Anfrage. Reinhard We
Reinhard Weimar ist tot – Ex-Mann von Monika Böttcher starb am Sonntag in Hohenroda an Herzversagen

Wenn das eigene Überleben zu einem Kampf wird - 38-Jährige mit Darmkrebs im Endstadium

Spendenaufruf für krebskranke Mutter aus Rotenburg - finanzielle Unterstützung hilft, damit Mutter und Kinder gemeinsam noch etwas mehr Zeit verbringen können.
Wenn das eigene Überleben zu einem Kampf wird - 38-Jährige mit Darmkrebs im Endstadium

Fernfahrer randalierte sturzbetrunken im Bordell

Offenbar wollte der 34-Jährige die Wartezeit bis zur Weiterfahrt mit einem Saufgelage überbrücken.
Fernfahrer randalierte sturzbetrunken im Bordell

Bahnhof Bad Hersfeld: Mensch von Zug erfasst

Soeben soll am Bahnhof in Bad Hersfeld eine Person von einem Zug erfasst worden sein.
Bahnhof Bad Hersfeld: Mensch von Zug erfasst

Kommentare

Hinweise für das Kommentieren

Von Mo. bis Fr. in der Zeit von 18 bis 9 Uhr und am Wochenende werden keine neuen Kommentare freigeschaltet.
Bitte bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht.