Zu Bürgermeister Fehling: Komplett im Ton vergriffen

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Ein Kommentar von Redakteur Philipp Ling zu Fehlings Äusserungen auf Facebook.

Ein Kommentar von Redakteur Philipp Ling zu Fehlings Äusserungen auf Facebook:

Ich bin wohl das, was man einen "Gutmenschen" nennt; ich versuche immer, über Menschen nicht vorschnell zu urteilen. Als ich den facebook-Post von Bürgermeister Thomas Fehling zum ersten mal las, war mein erster Gedanke deshalb: "Fake!" Irgendjemand hatte sich offenbar in Fehlings Account gehackt, um ihm zu schaden. Als das Dementi ausblieb, wich diese naive Hoffnung dem reinen Fremdschämen – über Fehling genauso wie über diejenigen, die diesem Unsinn auch noch applaudierten.

Gleich vorweg an diejenigen, die ob dieser Worte die verfassungsmäßige Meinungsfreiheit in Gefahr sehen: Natürlich darf Fehling sagen, was er denkt, aber Meinungsfreiheit schließt auch ein, dass man für seine Meinung kritisiert werden darf. Wenn er das, was er da geschrieben hat, wirklich denkt, dann – das ist meine Meinung – verdient er Kritik, und zwar reichlich.Das fängt schon bei der Ausdrucksweise an: Flüchtlinge, die "in vollem Saft stehen" und "vor überschüssiger Energie strotzen" – ist das eine angemessene Wortwahl angesichts massenhafter sexueller Übergriffe? Nein, es ist genau der süffisant-hämische Tonfall, den man auf zahlreichen Hetzseiten im Internet wiederfindet; die Sprache derjenigen, denen die Opfer dieser Taten herzlich egal sind, solange sie sie nur zum Beweis für ihre betonköpfigen Vorurteile missbrauchen können.

Denn es geht wieder einmal nur darum, dass "Flüchtlinge" dies getan haben und die unausgesprochene Vorstellung, dass an all unseren gegenwärtigen Problemen inklusive sexueller Belästigung nur "die" schuld sind. Dabei werden dann vor Verfolgung und Bürgerkrieg Geflüchtete mit Berufskriminellen und alkoholisierten Idioten in einen Topf geworfen und pauschal als "Drückeberger" verunglimpft (oder sind etwa nur die Grapscher Drückeberger und die anderen sind legitim Geflüchtete?). Angesichts dessen, dass Kriegsdienstverweigerung ein anerkanntes und im Grundgesetz besonders geschütztes Menschen- und Grundrecht  ist, betrachte ich dies als besonders schäbiges "Argument". Ich selbst gehöre noch der Generation an, die ihr Gewissen in dieser Hinsicht äußerst gründlich erforschen musste und diese Entscheidung jemandem vom grünen Tisch und aus einem Land, das gerade 70 Jahre Frieden feierte, zu diktieren, ist unredlich.Aber auch das lässt sich mit antiquierten Männlichkeitsphantasien  noch locker unterbieten (was dazu wohl die Kämpferinnen der kurdischen Frauenschutz-Brigaden zu sagen hätten?).

Um die Vorfälle in Köln, Hamburg und in anderen Städten zu kritisieren, hätte es dieses ganzen gequirlten Quatschs jedenfalls nicht bedurft. Dass er seine Verbalattacken hinterher wieder relativiert und jetzt korrekt von "einigen Kriminellen" spricht, macht es nicht ungeschehen. Jedes dieser hetzerischen Worte, einmal in die Welt gesetzt und im Internet massenhaft verbreitet, ist eines zuviel.

Dieser Verantwortung sollte sich ein demokratischer Politiker bewusst sein, bevor er im Zorn in die Tasten haut – oder einfach nur versucht, sein Fähnchen in den vorherrschenden Wind zu hängen.

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