Büro-Alltag schlimmer als die Hölle? – Richter: Kündigung wegen Arbeitsplatz-Romans unrechtmäßig

Unser „interessantes Urteil“ bekommen wir von der Deutschen Anwaltshotline AG in Nuernberg...
+
Unser „interessantes Urteil“ bekommen wir von der Deutschen Anwaltshotline AG in Nuernberg...

Nürnberg. Wer sich als Hobby-Schriftsteller betätigt und in sein Werk auch Beobachtungen aus dem tagtäglichen Brotjob einfließen lässt, kann wege

Nürnberg. Wer sich als Hobby-Schriftsteller betätigt und in sein Werk auch Beobachtungen aus dem tagtäglichen Brotjob einfließen lässt, kann wegen der Veröffentlichung eines solchen Arbeitsplatz-Romans nicht einfach von seiner Firma gekündigt werden.

Schon gar nicht außerordentlich und vor allem nicht unter Bezug auf die vorgeblich verletzten Persönlichkeitsrechte anderer Mitarbeiter und des Arbeitgeber-Managements. Das hat jetzt das Arbeitsgericht Herford unterstrichen (Az. 2 Ca 1394/10).

Wie die telefonische Rechtsberatung der Deutschen Anwaltshotline (www.anwaltshotline.de) berichtet, hatte der von dem Rausschmiss betroffene Verkaufs- und Export-Sachbearbeiter eines Küchenmöbelherstellers zuvor einen Roman aus seiner Arbeitswelt veröffentlicht - unter dem Titel "Wer die Hölle fürchtet, kennt das Büro nicht”.

Wie recht der Mann schon allein mit dieser Zeile hatte, zeigte sich sogleich nach dem Erscheinen seines Werkes. Obwohl er jedes Wort darin in seiner Freizeit niedergeschrieben hatte, wurde dem Betriebsrats-Mitglied umgehend gekündigt. Die Geschäftsleitung persönlich zog mit Auszügen aus dem Roman durch die Firma, um Arbeitnehmer zu finden, die sich durch die Romanfiguren angesprochen und gegebenenfalls beleidigt gefühlt haben könnten.

"So sollte offensichtlich Stimmung gegen den missliebigen Roman-Schreiber gemacht werden - um den zweifellos übereilten und unrechtmäßigen Rauswurf nachträglich mit dem Vorwand begründen zu können, der Hobby-Literat und sein Werk stören den Betriebsfrieden", erklärt Rechtsanwältin Tanja Leopold (telefonische Rechtsberatung unter 0900/1875000-0 für 1,99 Euro pro Minute).

Nach Auffassung des nordrhein-westfälischen Arbeitsgerichts allerdings ein unbotmäßiges Unterfangen. Eine außerordentliche Kündigung käme bei Verstößen gegen die dem Arbeitnehmer obliegenden Verpflichtungen aus dem Arbeitsverhältnis in Betracht. Davon könne bei dem Freizeit-Werk aber keine Rede sein - selbst wenn der Betroffene sich, wie von der Firmenleitung behauptet, über Monate und Jahre hinweg entsprechende Notizen für sein Buch am Arbeitsplatz gemacht habe. Der umstrittene Roman ist, wie im Vorspann des Buches unterstrichen, eine reine Fiktion und weder ein Sach- noch ein Tagebuch. Das Grundrecht der Kunstfreiheit ziele ausdrücklich auch auf die Verwendung von Vorbildern aus der realen Lebenswirklichkeit ab.

Das könnte Sie auch interessieren

Meist Gelesen

Kasseler Oktoberspaß auf der Schwanenwiese
Kassel

Kasseler Oktoberspaß auf der Schwanenwiese

Der Kasseler Oktoberspass lockt vom 1. bis zum 24. Oktober mit vielen Attraktionen auf die Schwanenwiese Kassel.
Kasseler Oktoberspaß auf der Schwanenwiese
Glinicke Gruppe trauert um Seniorchef: Peter Glinicke ist im Alter von 88 Jahren verstorben
Kassel

Glinicke Gruppe trauert um Seniorchef: Peter Glinicke ist im Alter von 88 Jahren verstorben

Die Glinicke Gruppe, eine der großen familiengeführten Automobil-Handelsgruppen Deutschlands mit Gründungssitz in Kassel, trauert um ihren Seniorchef Peter Glinicke, der …
Glinicke Gruppe trauert um Seniorchef: Peter Glinicke ist im Alter von 88 Jahren verstorben
„Das Ende naht“ – Netflix postet Trailer zum zweiten Teil der finalen Staffel „Haus des Geldes“
Serien

„Das Ende naht“ – Netflix postet Trailer zum zweiten Teil der finalen Staffel „Haus des Geldes“

Seit Anfang September laufen die ersten Folgen der finalen „Haus des Geldes“-Staffel. Jetzt hat Netflix den lang ersehnten Trailer zur Fortsetzung veröffentlicht.
„Das Ende naht“ – Netflix postet Trailer zum zweiten Teil der finalen Staffel „Haus des Geldes“
Klartext: Die Spritpreise steigen und steigen
Fulda

Klartext: Die Spritpreise steigen und steigen

Der Benzinpreis nähert sich historischem Hoch: Ein Klartext von Redaktionsvolontärin Martina Lewinski.
Klartext: Die Spritpreise steigen und steigen

Kommentare

Hinweise für das Kommentieren

Von Mo. bis Fr. in der Zeit von 18 bis 9 Uhr und am Wochenende werden keine neuen Kommentare freigeschaltet.
Bitte bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht.