Chor- und Orchesterkonzert „Verfemte Musik“ der Hersfelder Kantorei

Chor- und Orchesterkonzert mit "Verfemter Musik" der "Hersfelder Kantorei".

Unter der Leitung von  Stadtkirchenkantor Sebastian Bethge wird am 17. März um 20 Uhr Musik von im Nationalsozialismus verfemten Komponisten aufgeführt.

Bad Hersfeld - Im Chor- und Orchesterkonzert „verfemte Musik“ am Samstag, den 17.03.2018 um 20.00 Uhr in der evangelischen Stadtkirche Bad Hersfeld soll es darum gehen, einige Facetten der verheerenden Auswirkungen der NS-Kulturpolitik zu zeigen.

Dazu wird beispielhaft Musik vier unterschiedlicher Komponisten erklingen, die stilistisch sehr unterschiedlich sind, aber alle im dritten Reich nicht aufgeführt werden durften. Den Rahmen bilden passend zum Kirchenjahr zwei Passionskantaten. Die erste ist „O Haupt voll Blut und Wunden“ von Felix Mendelssohn Bartholdy. Dieser war zu Zeiten des dritten Reiches schon lange verstorben, allerdings wurde er der NS-Rasseideologie folgend nicht aufgeführt und musste nach 1945 quasi neu entdeckt werden.

Selten aufgeführtes Wer von Walter Braunfels

Am Schluss des Konzertes ist die Passionskantate von Walter Braunfels zu hören. Dieses eindringliche Werk entstand während des Krieges, ohne Perspektive aufgeführt zu werden. Braunfels war bis 1933 einer der erfolgreichsten Komponisten Deutschlands, erhielt dann aber Aufführungsverbot aufgrund seiner halbjüdischen Herkunft. Seine künstlerischen Wurzeln sind die deutsche Romantik und der Katholizismus. Unter schwierigsten Bedingungen und unter Bedrohung lebend entwickelt er im Zentrum seiner Kantate mitten im Krieg eine ergreifende Vision einer besseren Welt, ausgehend von der Fußwaschungsszene der Passionsgeschichte. Walter Braunfels überlebte das dritte Reich, seine Musik ist aber immer noch weitgehend vergessen.

Anton Webern ist der einzige Komponist des Abends, der nicht aus Gründen seiner rassischen Herkunft, sondern aufgrund der Art des Komponierens zur "entarteten Musik" zählte. Von ihm erklingen die geistlichen Lieder op 15.

Das bedrückendste Beispiel wird die Studie für Streichorchester von Pavel Haas sein, dessen steil aufsteigende Karriere als Komponist mit der Besetzung der Resttschechei durch das Deutsche Reich endete. Dieses Werk entstand im Theresienstädter Ghetto. Es sprüht vor tänzerischer Folklore und Energie. Die NS-Führung benutze es für ihren Propagandafilm „der Führer schenkt den Juden eine Stadt“, in dem es in Ausschnitten unter den Augen des Komponisten aufgeführt wird. Nachdem es bei einem Besuch des Roten Kreuzes noch einmal gespielt wurde, wurde Haas nach Auschwitz deportiert und vergast.

Vorträge von Bischof Hein und Staatsminister Roth

Dieser Abend kann und soll kein Versuch einer Wiedergutmachung sein, sondern die Musik und die Schicksale sollen der Gegenwart Mahnung und Lehre sein. Deshalb bedankt sich die Hersfelder Kantorei bei Bischof Dr. Hein und Staatsminister Michael Roth, die die Hintergründe zum Spannungsfeld Kunst, Politik und Religion erläutern werden und bei Schülerinnen/Schülern und Lehrerinnen/Lehrern der Konrad-Duden-Schule, die einen Bezug zur Hersfelder Region herstellen werden.

Es musizieren: Anna Nesyba – Sopran, Sebastian Kitzinger – Bass, die Thüringer Symphoniker Saalfeld-Rudolstadt und der Konzertchor der Hersfelder Kantorei unter der Leitung von Sebastian Bethge.

Karten können im Vorverkauf in der Hoehlschen Buchhandlung, Weinstraße 21, 36251 Bad Hersfeld und bei Mitgliedern der Hersfelder Kantorei für 15 € (ermäßigt 12 €) erworben werden oder an der Abendkasse für 18 € (ermäßigt 12 €).

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