Kampf gegen den Krebs

Apotheker Gerson Schüler an seinem Arbeitsplatz im Reinraum-Labor. Foto: Ling

Die City-Apotheke stellt Zytostatika zur Krebsbehandlung her.

Bad Hersfeld. Der Apotheken-Skandal in Bottrop hat die Herstellung von Zytostatika in Apotheken ins öffentliche Bewusstsein gebracht. Dabei fühlen sich viele Apotheken, die diese Spezialaufgabe wahrnehmen, nun zu Unrecht in ein schiefes Licht gerückt. Es ist wie überall: Ein schwarzes Schaf wirft leicht ein schlechtes Licht auf den ganzen Bereich, obwohl gerade bei der Zytostatika-Zubereitung die Kontrollen sehr hoch sind. In Hessen werden die spezialisierten Apotheken durch das Regierungspräsidium Darmstadt nach strengen Vorschriften kontrolliert, was einen Missbrauch aus-schließt.

Die City-Apotheke in Bad Hersfeld gehört zu den Apotheken in Deutschland, die diese speziellen Krebsmedikamente für die Chemotherapie herstellen – und gewährt dem Kreisanzeiger exklusive Einblicke in diesen speziellen Arbeitsbereich. Nur 250 öffentliche Apotheken gibt es in Deutschland, die Zytostatika anfertigen; nicht wenige haben dieses Aufgabenfeld aufgrund der stetig steigenden Hürden wieder aufgegeben. Die City-Apotheke hat jedoch in die neueste Labortechnik inves­tiert und verfügt über ein modernes Reinraum-Labor, das den strengen Anforderungen genügt. Sechs Mitarbeiter sind speziell für diese Aufgabe geschult – was auch stetige Weiterbildung mit einschließt. Denn in diesem Bereich wird intensiv geforscht. Und jeder neu entwickelte Wirkstoff soll natürlich so schnell wie möglich den Patienten zugute kommen. „Onkologen setzen stets die neuesten Ergebnisse um“, erklärt Gerson Schüler, einer der Mitarbeiter für die Zytostatika-Herstellung. Nicht selten muss das onkologische Team das Behandlungsschema aus der Zulassungsstudie recherchieren, wenn der behandelnde Arzt sofort neueste Therapieverfahren umsetzen will. „Zwei bis drei Stunden dauert das schon, sich da durchzuarbeiten“, sagt er. Denn Sorgfalt ist bei dieser Arbeit oberstes Gebot. Zytostatika sind im Wesentlichen spezielle Zellgifte, deren Einsatz eine heikle Balance erfordert: Sie sollen die Krebszellen sicher abtöten, ohne dabei den gesunden Körperzellen allzuviel Schaden zuzufügen. Die Dosierung muss daher stets individuell auf den Patienten abgestimmt werden. Vor allem das Körpergewicht und die Körperoberfläche spielen bei der Bemessung eine wichtige Rolle. „Fehler kann man sich dabei nicht leisten“, bekräftigt Saskia Hildwein. Deshalb werden die Berechnungen der Wirkdosis vom Arzt und vom Apotheker jeweils gegenkontrolliert. Darüber hinaus gilt bei der Zubereitung von Chemotherapien das Vier-Augen-Prinzip, das heißt, dass alle Arbeitsschritte von einem zweiten Mitarbeiter beobachtet und kontrolliert werden. Die aufwendigen Sicherheitsanforderungen dienen nicht nur der Sicherstellung einer keimfreien Arbeit, sondern natürlich auch dem Schutz der Mitarbeiter, die mit den giftigen und oftmals sogar krebserregenden Stoffen hantieren. Mehrere Druckschleusen sorgen dafür, dass nichts davon nach außen dringen kann, und für die Mitarbeiter gehört es zum Arbeits­alltag, mehrmals täglich in den Schutzanzug zu schlüpfen, um die benötigten Rezepturen herzustellen. Denn auch die Haltbarkeit spielt eine Rolle: Manche Anwendungen müssen zubereitet werden, während der Patient bereits in der Arztpraxis wartet, um direkt ausgeliefert und verabreicht zu werden. In dem Labor werden nicht nur Zytostatika hergestellt, sondern auch andere individuelle Anwendungen, beispielsweise Augentropfen, Lösungen gegen chronisch entzündliche Darmerkrankungen sowie Schmerzpumpen. Für Gerson Schüler ist dies eine spannende Arbeit – auch wenn ein mulmiges Gefühl bleibt: „Bei aller Routine darf man dabei niemals nachlässig werden.“ Neben der eigentlichen Herstellung im Reinraum ist das Onko-Team der City-Apotheke auch noch spezialisiert auf die Beratung zu den relativ neuen Krebssmedikamenten in Tablettenform und zu Nebenwirkungen der Chemotherapie.

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