Der gute Pädagoge? -„Club der toten Dichter“ bei den Jubiläums-Festspielen

„Club der toten Dichter“ bei den 70. Bad Hersfelder Festspielen“.
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„Club der toten Dichter" bei den 70. Bad Hersfelder Festspielen“.

Mit einer Bühnenadaption des Erfolgsfilms „Club der toten Dichter“ wurden die 70. Bad Hersfelder Festspiele eröffnet.

Bad Hersfeld. Kann man einen Filmstoff, der im Jahr 1959 spielt, heute als Theaterstück auf die Bühne bringen und dennoch eine aktuelle Aussage transportieren?

Joern Hinkel, der Intendant der „Bad Hersfelder Festspiele, hat dies mit der europäischen Erstaufführung von „Club der toten Dichter“ nach dem Drehbuch von Tom Schulman und der Verfilmung mit Robin Williams getan.

Wir befinden uns auf der elitären Welton Academy, einer Privatschule für Jungen, an der ein autoritärer Führungsstil herrscht. In dieses Gefüge dringt der Lehrer John Keating ein, bravourös gespielt von Götz Schubert. Er möchte statt sturen Einpaukens von Lehrstoff seinen Schülern das selbstständige Denken beibringen. Sie sollen gegen Regeln und nach eigenem Gewissen handeln.

Das scheint auch zunächst zu funktionieren, doch der Freigeist der Eleven mündet in Verrat, Schulverweis und in einem Fall sogar mit Selbstmord. Die Frage stellt sich: Was hat Keating, der selbst gefeuert wird, erreicht?

„Club der toten Dichter“ ist in der Regie von Hinkel einhandwerklich gut gemachtes, dramatisches und abwechslungsreiches Theater. Die Hauptrollen sind mit Schubert, Hannes Hellmann als autoritärem Direktor Gale Nolan und Peter Englert als Mathematiklehrer, der zwar streng sein sollte, aber im stillen Kämmerlein dem Rock‘n‘Roll frönt, bestens besetzt. Vor allem aber sind die jungen Darsteller zu loben, die als Teenager mit allen Problemen, die 17-Jährige Jungs normalerweise haben, glaubhaft auf der Bühne stehen.

Dem erst 19 Jahre alten Nico Kleeman nimmt man den unsicheren, stotternden Todd Anderson sofort ab. Till Timmermann, der unter der strengen Knute seine Soldatenvaters (ein durch und durch unsympathischer Thorsten Nindel) leidet, aber trotzdem an seiner Leidenschaft, dem Theaterspielen, festhält, glänzt in seiner Rolle und auch der aus Bad Hersfeld stammende Simon Stache, dem als Knox Overstreet der Liebeskummer schwer zu schaffen macht, spielt seine Rolle brillant. Philipp Quell als draufgängerischer Charlie Dalton überzeugt ebenso wie die anderen Schüler Leonard Dick, Oscar Hoppe, Stefan Reis, Manuel Nero und Steffen Recks.

In wenigen Szenen tauchen Mädchen auf, hier ist vor allem Nell Pietrzyk als Chris Noel, der Schwarm von Knox, zu nennen. Die Szenen, in denen die jungen Frauen auftreten, sind auch die einzigen, in denen bunte Farben die Stiftsruinen-Bühne beherrschen. Ansonsten sind das Bühnenbild von Jens Kilian und die Kostüme von Kerstin Micheel eher in gedeckten Tönen gehalten – eben wie an einer Eliteschule in den USA am Ende der fünfziger Jahre.

Bei „Club der toten Dichter“ zählt das schauspielerische Handwerk. Götz Schubert hat einen ganz eigenen Keating kreiert. Den Kumpel der Schüler, die Vertrauensperson, denjenigen, zu dem man mit Problemen kommen kann. An sich ist dieser Keating dennoch ein autoritärer Pädagoge. Er befiehlt, Schulbücher zu zerstören, er befiehlt, auf Tische zu steigen, er führt Schüler vor, er befiehlt, Runden im Takt auf dem Schulhof zu drehen. Und seine Schüler gehorchen. Einzig Dalton verwehrt sich dem Appell des Laufens. „Du hast es verstanden“, sagt Keating dann. Hier schimmert ganz kurz durch, was er eigentlich erreichen möchte.

Dieser „Club der toten Dichter“ ist vielleicht aufgrund der Tatsache, dass es coronabedingt keine Pause gibt und die Handlung auf gut zwei Stunden verkürzt werden musste, nicht ganz so stimmig wie der Film. Dass ein Theaterstück einem Film niemals bis aufs i-Tüpfelchen gleichen kann, ist klar. Dass aber den Film-Regisseuren andere Mittel zur Verfügung stehen, um innere Konflikte und Gefühle zu vermitteln, ist auch klar. Nahaufnahmen gibt es im Theater nicht. Innere Monologe auch selten. Dem Zuschauer bleibt es überlassen, welche Aussage er in Hinkels Version von „Club der toten Dichter“ sehen möchte.

Schauspielerisch und technisch ist an der Inszenierung nichts zu kritisieren. Das Ensemble spielt fantastisch und auch das Gesamtkonzept ist stimmig und den Jubiläumsfestspielen im 70. Jahr würdig. Das Premierenpublikum belohnte diese Leistung mit langem, begeistertem Applaus. Die meisten der kommenden Aufführungen in der Bad Hersfelder Stiftsruine sind ausverkauft. Eventuelle Restplätze können über www.bad-hersfelder-festspiele.de gebucht werden.

Rubriklistenbild: © Göbel

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