Pro und Contra: Strafmündigkeit mit 12 Jahren 

KA-Mit­arbeiter Rick Fröhnert und ­Julia Fernau haben ein Pro- und Kontrakommentar geschrieben.

Das Thema „Strafmündigkeit mit 12 Jahren“ wird derzeit ­hitzig diskutiert. Rick Fröhnert und ­Julia Fernau haben ein Pro- und Kontra dazu geschrieben:

Rick Fröhnert

Wenn ich höre, dass fünf Rotzlöffel im Alter von 12 bis 14 Jahren eine junge Frau vergewaltigen und dafür keine Strafe bekommen, ist für mich klar: Hier kann etwas nicht richtig laufen. Es ist in meine Augen eine Schande für unser System. Wer alt genug ist eine Frau zu vergewaltigen, der ist auch alt genug mit aller Härte des Gesetzes bestraft zu werden. Doch genau hier liegt in Deutschland das Problem. Viel zu lasche Gesetze für ­Sexualstraftäter – egal in welchem Alter.

Erst letzte Woche kam der Erzieher Benjamin L. aus Dresden mit lächerlichen 21 Monaten auf Bewährung davon – obwohl er mehrfach ein 7-jähriges Mädchen missbraucht hat. Das nun aber fünf (minderjährige) eiskalte Vergewaltiger überhaupt keine Strafe bekommen, nur weil sie in den Augen der Justiz zu jung sind, ist das absolut falsche Signal und kann noch wirklich gefährlich werden. Wenn man nämlich lernt, dass man mit 12 Jahren ungestraft alles tun kann, dann fallen früher oder später auch alle Hemmungen. Nun kommt häufig das Argument, es handelt sich noch um Kinder und es seien eben Sorgenkinder. Doch hier ist es in keinster Weise damit abgetan, eine schwierige Kindheit, eine andere Staatsbürgerschaft oder schlechte familiäre Verhältnisse der jungen Täter als Grund zu nennen. Es handelt sich um ein schweres Verbrechen und kein Kavaliersdelikt, der hart bestraft werden muss.

Bleibt zu hoffen, dass der Spruch „kleine Kinder, kleine Sorgen – große ­Kinder, große Sorgen“ hier nicht zutreffend ist. Wer im Kindesalter zu solch unmenschlichen Taten im Stande ist und damit aufwächst, dass es keine Strafe dafür gibt, zieht völlig falsche Schlüsse. In Ländern wie der Schweiz oder Groß­britannien ist man bereits im Alter von 10 strafmündig. Eine Anpassung, die in Deutschland längst überfällig ist.

Julia Fernau

Eine 12-jährige Person verbinde ich automatisch mit einem Kind. Dass eine Gruppe von Kindern diesen Alters kürzlich eine junge Erwachsene vergewaltigt haben soll, erschüttert mich. Bei der Tat soll es wohl um Machtdemonstration gegangen sein. Entschuldigung, aber in welcher Welt leben wir?

Mit 12 Jahren auch mal etwas Dummes im Schilde zu führen, ist wohl jedem von uns bekannt: Das Badezimmer unter Wasser setzen, heimlich SMS über Mamas Handy schreiben oder die Tapete versauen – ganz normal. Aber ein derart brutales Gewaltverbrechen im Alter von 12 Jahren auszuüben ist alles andere als normal und übersteigt jegliche Toleranzgrenze. Ich habe zwar keinen Funken Mitleid mit den Jungs, aber „ab in den Knast und Steine kloppen“ ist auch keine Lösung. Eine Freiheitsstrafe dient dazu, seine Straftat zu sühnen und auch die Strafmündigkeit setzt voraus, dass einer Person die Folgen ihrer Handlung bewusst sind. Ob ein Kind mit 12 Jahren weit genug denken und die Konsequenzen seiner Taten verinnerlichen kann, stelle ich in Frage. Doch jeder, der eine Straftat begeht, kann nur eine Störung – in welchem Umfang auch immer – haben. Ein gesunder Menschenverstand käme doch gar nicht erst auf die Idee, Gewalt an den Tag zu legen. Dennoch: Rein in die Zelle und hinter schwedischen Gardinen versauern ist für Kinder der falsche Weg. „Mildere“ Mittel wie die Unterbringung in eine psychiatrische Klinik samt Therapie und Betreuung könnten langfristig gesehen eine effektivere Wirkung erzielen. Denn anscheinend fehlt den Tätern eben dieser gesunde Menschenverstand, um entschlossen und human zu handeln – das Problem muss also an der Wurzel gepackt werden. Eine ärztliche Behandlung könnte insofern eine größere Präventionsfunktion erzielen, als eine Freiheitsstrafe im Gefängnis.

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