Druide in der Baugrube

Von PHILIPP LINGFriedewald. Oft beginnen archologische Sensationen mit einem Zufall. So auch in Friedewald, als Erich Hbener am Dien

Von PHILIPP LING

Friedewald. Oft beginnen archologische Sensationen mit einem Zufall. So auch in Friedewald, als Erich Hbener am Dienstag morgen in der Baugrube vor seinem Haus einen rtlichen Stein aufblitzen sah. Jeder andere wre wahrscheinlich achtlos daran vorbergegangen, doch der Rentner, der sich hobbymig mit Mineralogie und Archologie beschftigt, wute sofort, womit er es zu tun hatte: Einem bearbeiteten Halbedelstein. Neugierig geworden, suchte er weiter. Und als er noch mehr Schmuckseine, Tonscherben, verrostete Eisenteile und sogar Aschenreste fand, war sich der Hobby-Archologe sicher, es mit einem wertvollen wissenschaftlichen Fund zu tun zu haben. Nach einer ersten Begutachtung vermutet er ein keltisches Urnengrab aus der mittleren Latnezeit (zwischen 300 v.Chr. und 150 v.Chr), der Bltezeit der Kelten. An den Urnenbruchstcken sind ganz deutlich mediterrane Einflsse erkennbar, erlutert der Entdecker begeistert. Das sei typisch fr jene Zeitepoche, als die Kelten Handelsbeziehungen mit dem Mittelmeerraum unterhielten. Die weiteren Grabbeigaben, insbesondere die bearbeiteten Schmucksteine, lassen darauf schlieen, dass es sich bei dem Toten um eine hochgestellte Persnlichkeit handelte, wahrscheinlich einen Stammesfrsten oder Druiden, so Hbener. Letzteres wrde darauf hindeuten, dass es in der Umgebung Friedewalds zu dieser Zeit einen zentralen Kultort gab. Das ist eine echte berraschung, so Brgermeister Martin Grll bei einer ersten Ortsbegehung. Die Dorfgeschichte muss nun vllig neu geschrieben werden. Leider wisse man ber die Kelten in dieser Region sehr wenig, da sie keine schriftlichen Zeugnisse hinterlassen haben. Eine Besiedlung in der sdlichen Wetterau sei aber seit den spektakulren Funden 1998 gesichert. Auch dort wurde bei Bauarbeiten ein Keltengrab freigelegt.

Friedewald wird Keltendorf

Zur Sicherung des Fundortes lieen der Landeskonservator und das Amt fr Denkmalschutz die Bauarbeiten sofort einstellen. Die Fundstcke wurden zur weiteren Untersuchung bereits an das archologische Institut der Justus-Liebig-Universitt in Gieen geschickt. Es wird davon ausgegangen, dass sich unter dem Dorf die berreste einer greren Siedlungsanlage befinden, die nun ausgegraben werden sollen.Das wird natrlich einige Jahre in Anspruch nehmen, so Grll. Schon whrend der Grabungen wollen wir aber diesen sensationellen Fund zu einem touristischen Hhepunkt im Kreis Hersfeld-Rotenburg machen. Die Gemeinde rechnet daher mit mehren hundert Besuchern im Jahr, die allein wegen der Keltensiedlung im Seulingswald nach Friedewald kommen werden. In Planung ist auch ein neues Museum am Schloss, welches ausschlielich wertvolle Funde aus der vorchristlichen Keltenzeit zeigen wird.

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