Ehrenamt in der Mongolei - Zahnärzte ohne Grenzen leisten Überragendes

Waldhessen/Erdenetsogt. Den Jahresurlaub benutzen, um anderen Menschen zu helfen? Nicht viele würden das freiwillig tun. Zu den wenigen gehört Chr

Waldhessen/Erdenetsogt. Den Jahresurlaub benutzen, um anderen Menschen zu helfen? Nicht viele würden das freiwillig tun. Zu den wenigen gehört Christina Köthe. Die gebürtige Waldhessin ist zahnmedizinische Fachangestellte und gerade von einem drei-wöchigen Hilfseinsatz in der Mongolei zurückgekehrt. Ihren Einsatz dort beschreibt sie als sehr kräftezehrend. Los ging es für alle Helfer am Berliner Flughafen. Das Ziel: Die Hauptstadt Ulaanbaatar in der Mongolei. Nach einem weiteren Inlandsflug und einer langen Fahrt durch die Wüste war das Team endlich am Einsatzort, einem Nomadendorf fern ab jeder Zivilisation.

Die Waldhessin erinnert sich: "Es war sehr aufregend. Schon als wir ankamen, warteten die Einheimischen vor der Jurte (Zelt, in dem die Nomaden wohnen) und begrüßten die Gäste mit Ziegenkäse, Stutenmilch und Milchtee. Die Gastfreundschaft war ganz unglaublich." Trotz völliger Übermüdung ging es dann für die Ehrenamtlichen gleich weiter: "Wir bauten gleich unsere mobilen Zahnstationen und den     Stromaggregator auf und schon zwei Stunden später behandelten wir den ersten Patienten." Das war auch gut so, denn bereits bei der Ankunft des Teams warteten die Patienten vor der Tür.

Die Arbeit war nicht einfach, oft musste das Team improvisieren. "Und Licht gab es auch keins. Einzig eine Kopflampe ermöglichte es uns, zu arbeiten", so Köthe und weiter: "Aber all die Probleme wurden durch die Dankbarkeit der Patienten wieder gut gemacht. Eine solche Herzlichkeit und Dankbarkeit sieht man nie. Manche Patienten übernachteten mehrere Tage, um die Chance auf eine Behandlung zu kommen".

Auch die Lebensbedingungen vor Ort waren alles andere als gewohnt für das Team. Plumpsklo, keine Dusche und keine Einkaufsmöglichkeiten zehrten an den Kräften der Freiwilligen: "Ich bin psychisch und körperlich manchmal stark an meine Grenzen gekommen, aber nach einem dankbaren Menschen war alles wieder gut", so die Waldhessin. Sie erinnert sich an den ergreifendsten Moment: "Ein Mann bekam drei Zähne gezogen. Im Anschluss gaben wir ihm einen Zettel mit Verhaltensregeln und der Mann sagte zu uns, er könne nicht sehen. Wir setzten ihm eine unserer Lesebrillen auf und Tränen stiegen in seine Augen. Er freute sich so sehr, wieder sehen zu können, dass er uns alle umarmte und sich bedankte." In solchen Momenten wisse sie, warum sie ihren Beruf mache: Um zu helfen.Es sei ein Stück harte Arbeit gewesen mit Behandlungen an sechs Tagen in der Woche, circa zehn Stunden täglich. "Doch für die Erfahrungen, die wir gemacht haben, hat es sich gelohnt. Ich habe durch die Arbeit wieder wertzuschätzen gelernt, was ich alles habe und das ich dafür dankbar sein kann, das ich eine Familie habe, die mich bei all meinen Einsätzen immer unterstützt", so die 29-Jährige dankbar. Und sie ist sicher, auch in Zukunft wieder an solchen Einsätzen teilzunehmen. Köthe: "Ich kann nur jedem empfehlen, auch mal über den Tellerrand zu schauen."

Insgesamt hat ihr Team über 400 Patienten behandelt, 600 Zähne gezogen und 600 Füllungen gelegt. Alle 40 Zahnärzte zusammen haben bei diesem Einsatz 7.200 Patienten, also zehn Prozent des Einsatzgebietes, behandelt. Christina Köthe hofft: "Vielleicht haben im nächsten Jahr weitere zehn Prozent die Chance auf Schmerzfreiheit. Dafür ist die Stiftung Zahnärzte ohne Grenzen allerdings auf Spenden angewiesen. Wir bitten deswegen Zahnärzte, ihr Altgold für den guten Zweck zu spenden."Infos unter www.dwlf.org

Extra-Info

Die Stiftung Zahnärzte ohne Grenzen (dentists without limits) unterstützt verschiedene Länder zahnmedizinisch, darunter die Mongolei, Nepal, Namibia und Sri Lanka. Die Stiftung finanziert sich ausschließlich durch Geld- und Zahngoldspenden.  Zudem sucht die Stiftung ständig Menschen, die sich dazu bereiterklären, ehrenamtlich zu arbeiten und anderen Menschen zu helfen. Was vorausgesetzt wird sind Ehrlichkeit, Verantwortungsbewusstsein, Teamfähigkeit und Engagement. Zudem ist es von Vorteil, Englisch sprechen und Emails verschicken zu können.Wer spenden möchte, kann das auf folgendes Spenden-konto: EV Kreditgenossenschaft eG Kassel, Zahnärzte ohne Grenzen, Kontonummer: 530 2471, Bankleitzahl: 520 604 10.Mehr Informationen gibt es online unter www.dwlf.org

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