Hassl: E-Mobilität ist ein großes Märchen

Bürgermeister Uwe Hassl sprach mit dem Kreisanzeiger über das Thema E-Monilität. Foto: Arc hiv

Bebras Bürgermeister Uwe Hassl: „Die große Lüge von der E-Mobilität und wie wir für dumm verkauft werden“

Bebra. Der Kreisanzeiger traf sich mit Bebras Bürgermeister Uwe Hassl und sprach mit dem Rathaus-Chef der Biberstadt über das ­Thema E-Mobilität. Dabei nahm Hassl kein Blatt vor den Mund und sprach ­offen und ehrlich über die Probleme, die durch Elektroautos entstehen.

Herr Hassl, die Bundesregierung propagiert, dass ab 2020 eine Million Elektroautos in Deutschland fahren sollen. Müssen die Kommunen da nicht mitziehen und als Beispiel vorangehen? Hier wird uns ein großes ­Märchen aufgetischt. Die Kommunen sollten abwarten, denn unsere Energiebilanzen gehen gar nicht mehr auf.

Wie ist das zu verstehen, das müssen Sie erklären!  Wir Deutschen sollen die Erde retten und in Schweden hat man ausgerechnet, dass allein die Produktion eines Akkus für einen Tesla S 17 Tonnen CO2 verschlingt. Wir in Bebra stellen gerade die Straßenbeleuchtung auf LED um und könnten so 400 Tonnen CO2 jährlich sparen. Unsere ganzen Bemühungen und die anderer Kommunen sind dahin, wenn die Bundesregierung für ihre Ministerien jährlich 23 neue Dienstwagen ­dieses Typs einführt und der Rest der Deutschen ebenfalls auf E-Autos setzen würde. Damit ist ein Elektroauto bei der Herstellung so umweltfreundlich wie ein moderner Benziner oder Diesel nach einer Laufleistung von 200.000 Kilometer. Das sagt aber so niemand.

Die Kommunen fahren aber doch nicht so große E-Autos. Das stimmt. Wir haben zwar einen elektrischen Mercedes, aber um von einem Besuch in der Landeshauptstadt in Wiesbaden wieder nach ­Hause zu kommen reicht der Strom des Akkus nicht. (lacht) Nordhessen sind da deutlich schlechter dran und aufladen unterwegs ist ja wohl noch nicht.

Man spricht in diesem ­Zusammenhang von Ladeinfrastruktur. Wie sieht es bei Ihnen damit aus? Ja, wir haben drei Ladestationen im öffentlichen Raum, die immer belegt sind und die noch kostenlos sind. Das geht auf Dauer natürlich nicht, aber Frau Merkel ist doch Physikerin und sagt nicht, woher der Ladestrom kommen soll. Das verstehe ich nicht.

Was ist daran nicht zu ver­stehen? Der Strom kommt doch aus der Steckdose. Da werden wir von der ­Regierung auch für dumm verkauft, denn da musste erst neulich der Diplomphysiker Ebert etwas dazu sagen. Wenn nach Feierabend nur zehn Prozent der eine Million Autobesitzer ihre Fahrzeuge auf-­laden wollen und müssen, dann wird zusätzlich zum normalen Energiehunger der Deutschen ein Strombedarf von 35.000 Megawatt benötigt. Wir brauchen also bis 2020 ungefähr 23 neue mittlere Kohlekraftwerke, die sicherlich nicht umweltverträglich sind. Vielleicht will Frau Merkel aber den bevorstehenden Energiehunger mit Atomkraftwerken abdecken.

Und den Energiebedarf über regenerative Energien ­sicherzustellen, wie wäre es damit? Die Energiebilanz ginge in der Tat nur so auf. Zur Stromproduktion dürften keine ­fossilen Brennstoffe genutzt werden. Der Diplomphysiker Ebert hat ausgerechnet, dass dann 23.000 neue Windräder oder eine Fotovoltaikanlage mit einer Größe des Saarlandes erforderlich wären. Wohlgemerkt, diese Zahlen gehen von nur 10 Prozent der eine Million Elektrofahr-­zeugen aus, die täglich ­geladen werden sollen. Das Energienetz bräche in jedem Fall zusammen.

Die Tankstellen könnten doch in Tauschstationen für die ­Akkus umgewandelt werden. Ja, das wäre denkbar und womöglich sinnvoller, als Ladesäulen. Aber auch die Akkuproduktion ist umstritten. Es wird ein Haufen an sogn. seltenen Erden wie Lithium und Neodym benötigt, deren Ressourcen heute schon endlich erscheinen, wenn man sie nicht gerade vom Nachbarplaneten holen möchte. Hat sich schon einmal jemand Gedanken darüber gemacht, unter welchen menschenunwürdigen Arbeitsbedingungen diese seltenen Erden von Kindern in Schwellenländern gefördert werden? Ich glaube kaum.

Herr Hassl. Wie lautet ihr ­Fazit? Ich würde dafür plädieren, die E-Mobilität nicht als ultima-ratio zu verstehen und sich erstmal Gedanken darüber zu machen, woher die benötigte Energie kommen soll, wenn man diese nicht über Atomstrom decken möchte. Ein bisschen mehr Ehrlichkeit der Befürworter wäre da sicherlich angebracht. Ich persönlich würde daher kein Elektroauto erwerben wollen.

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