Schlechte Witterung schadete der Landwirtschaft – immer weniger Zuchtsauenbetriebe 

Nach dem Erntepressegespräch gab es noch ein Gruppenfoto in vertrauter Atmosphäre der Landwirtschaftsexperten, mitten auf dem Feld.

Auf dem Hof Mischels informierte der Präsident des Hessischen Bauernverbandes Karsten Schmal unter anderem über die bisherigen Ernteergebnisse.

Breitenbach. Kälte, Frost und ein unverhältnismäßig kalter Frühling haben den landwirtschaftlichen Betrieben in diesem Jahr ganz schön zugesetzt, wie der Präsident des Hessischen Bauernverbandes, Karsten Schmal, am Donnerstag erklärte. Bei einem Pressegespräch auf dem Hof Mischels in Breitenbach informierte Schmal, gemeinsam mit dem Vorsitzenden des Kreisbauernverbandes Hersfeld Rotenburg, Friedhelm Diegel und dem Betriebsleiter des Hofes, Markus Ritter, über die bisher vorliegenden Ernteergebnisse sowie aktuelle landwirtschaftliche Themen.

Dauerregen störte die Ernte

„In den letzten Wochen hat es so viel geregnet – den hätten die Landwirte eher im April und Mai gebrauchen können, als wir eine sehr lange Trockenheit hatten“, berichtet Schmal. Die widrigen Witterungsbedingungen würden dazu führen, dass die Mähdrescher kaum zum Einsatz kommen können. Getreide und Raps seien über-all reif, doch durch den Regen in den letzten Tagen müsse die Ernte ständig wieder unterbrochen werden, das mache den Landwirten in der Region ganz schön zu schaffen.

„Was wir jetzt brauchen, ist beständiges, trockenes und sonniges Wetter. Wenn jetzt eine Woche lang die Sonne scheinen würde, dann wäre die Ernte gegessen“, verkündete der Präsident des Hessischen Bauernverbandes. Zwar haben einige Aussaaten den Frühjahrsfrost überstanden, jedoch nicht unbedingt den späteren Hagel und Stark­regen. „Allein in Hessen meldeten über 800 landwirtschaftliche Betriebe schwere Schäden durch schlechte Witterungsbedingungen“, so Schmal. Hauptsächlich seien Getreide, Raps, Mais, Kartoffeln sowie Obst und Gemüse betroffen. Aber auch die vergangene Hitzewelle, die ein paar Tage andauerte, habe ihre Spuren hinterlassen: So seien Weizenbestände in einigen Gebieten notreif geworden, was zu einer Verkürzung der Kornfüllungsphase führe und den Ertrag beeinträchtige. Dabei sei der Winterweizen die wichtigste Getreideart in Hessen.

Totalausfälle

Für die Obst- und Gemüsebauern seien die Witterungsbedingungen ebenfalls sehr ungünstig gewesen. So gab es bei ihnen sogar Totalausfälle, da viele der Knospen in dem kalten Frühjahr verfroren waren. Das führte widerum zu einem Anstieg der Obst- und Gemüsepreise.

Erzeugerpreise gestiegen

In Hinsicht auf die Erzeugerpreise für Milchvieh- und Schweinehalter sowie Brotweizen und Winterraps können Landwirte aufatmen, denn sie seien wieder gestiegen. „Das führte natürlich dazu, dass sich die Stimmung der Bauern verbessert hat. Wir müssen aber auch bedenken, dass gerade die Milchvieh- und Schweinehalter ein langes Preistief hinter sich haben“, sagte Schmal.

Anschließend sprach er die pauschale Kritik gegenüber der modernen Landwirtschaft an: „In Verbindung mit dem Einsatz von Dünge- und Pflanzenschutzmitteln werden wir Landwirte meist zu Unrecht an den Pranger gestellt. Schließlich geht es um die Ernte und damit um unsere Ernährung.“ Der Nitratbericht der Bundesregierung belege, dass die Qualität des Grundwassers in Deutschland nicht immer schlechter werde, sondern insgesamt sehr gut sei.

Zahl der Zuchtsauen in Hessen sinkt 

Abschließend sprach der Experte noch den Rücklauf der Zuchtsauenbestände an: Das Kastenurteil des Oberverwaltungsgerichts Magdeburg setze den Sauenhaltern zu – um der Nutztierhaltungsverordnung gerecht zu werden, müssen Bauern ihre Ställe umbauen, was zu enormen Kosten führt. „Es ist zu befürchten, dass die Zahl der Sauenhalter in Hessen deshalb noch weiter sinken wird“, befürchtet Schmal. „2010 gab es in Hessen noch 1.450 Betriebe mit Zuchtsauenhaltung, 2016 nur noch 770. Die Versorgung mit Schweinefleisch aus der Region würde damit immer schwieriger.“

Die Gastgeberfamilie Ritter hält auf ihrem Hof 240 Zuchtsauen, inklusive Ferkelaufzucht. Betriebsleiter Markus Ritter wohnt dort mit seiner Ehefrau und ihren fünf Kindern. Die Familie bewirtschaftet den Hof Mischels bereits in der fünften Generation und hat bis jetzt schon 17 Lehrlinge ausgebildet. „Wir sind überrascht: Trotz der vergangenen Trockenheit ist unsere Ernte bisher zufriedenstellend“, erzählte Ritter abschließend.

Mehr zum Thema

Das könnte Sie auch interessieren

Meistgelesene Artikel

35-jähriger Mann Opfer eines brutalen Überfalls - Polizei sucht Zeugen

In Bad Hersfeld ist am 20. November ein 35-Jähriger Mann brutal in einem Frisörsalon überfallen worden.
35-jähriger Mann Opfer eines brutalen Überfalls - Polizei sucht Zeugen

Revolution und Magie: Programm der „68. Bad Hersfelder Festspiele“ vorgestellt

Intendant Dr. Dieter Wedel (75) stellte am Dienstagvormittag den Spielplan des Theaterfestivals vor. Ein ernstes Stück, eine Komödie und zwei Musicals werden gespielt.
Revolution und Magie: Programm der „68. Bad Hersfelder Festspiele“ vorgestellt

Mehrere hundert Strohballen brannten in Oberaula

Über 70 Feuerwehrleute waren am Montagnachmittag im Einsatz gegen meterhohe Flammen in Oberaula.
Mehrere hundert Strohballen brannten in Oberaula

Schwerer Unfall auf der A 7 nach 25 km Geisterfahrt

Unfallopfer wollte Geisterfahrer an der Unfallstelle verprügeln.
Schwerer Unfall auf der A 7 nach 25 km Geisterfahrt

Kommentare

Hinweise für das Kommentieren

Von Mo. bis Fr. in der Zeit von 18 bis 9 Uhr und am Wochenende werden keine neuen Kommentare freigeschaltet.
Bitte bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht.