HKZ eröffnet „Europas schönstes EPU-Labor“

Rotenburg. Seit 1998 werden in der Kardiologischen Fachklinik am Herz- und Kreislaufzentrum Elektrophysiologische Untersuchungen (EPU) durchgeführt.

Rotenburg.Seit 1998 werden in der Kardiologischen Fachklinik am Herz- und Kreislaufzentrum Elektrophysiologische Untersuchungen (EPU) durchgeführt. Hierbei handelt es sich um eine spezielle Herzkatheteruntersuchung, die bei Patienten mit Herzrhythmusstörungen angewendet wird. Mit ihrer Hilfe kann man Herzrhythmusstörungen analysieren, um über die optimale Therapie-Form zu entscheiden. Es kann damit beurteilt werden, ob alleine mit Medikamenten behandelt, ein Schrittmacher, ein Defibrillator implantiert oder eine Ablation erfolgen sollte. Während der Untersuchung können Rhythmusstörungen lokalisiert werden, die spontan auftreten oder falls nicht, durch elektrische Stimulationen des Herzmuskels ausgelöst werden können.

Eine Möglichkeit, Herzrhythmusstörungen dauerhaft ohne Medikamente zu beseitigen, ist die Katheterablation. Dabei wird im Herzen gezielt jenes Gewebe abladiert ("verödet"), das Ursache (oder Voraussetzung) für eine Rhythmusstörung ist. Dies kann durch Hochfrequenzstrom erfolgen (Hochfrequenzablation), der die Katheter-Spitze bzw. das Gewebe dort auf ca. 60°C erhitzt. Teilweise werden auch gekühlte Katheter eingesetzt oder mit Kälte gearbeitet (Kryoablation), wobei im Herzen Temperaturen von bis zu -70°C erreicht werden.

In den vergangenen Jahren wurden im HKZ knapp 200 elektrophysiologische Untersuchungen und 150 Ablationen jährlich vorgenommen. Um diesen Bereich weiter zu stärken und dabei auch den modernsten technischen Entwicklungen Rechnung zu tragen, wurde die EPU-Katheteranlage nun komplett erneuert und an einem bevorzugten Ort im Diagnostik-Gebäude eingebaut. Es handelt sich um das Artis zee biplane System der Fa. Siemens. Inklusive der Umbaukosten beträgt das Investitionsvolumen rund 800.000 Euro.

Gerade bei Ablationen muss häufig die Katheterlage aus verschiedenen Blickwinkeln beurteilt werden, hierbei hilft eine "biplane" Anlage ungemein, denn sie besitzt zwei getrennte Röntgenanlagen, die unabhängig voneinander den Patienten durchleuchten können. Da die Röntgenröhre nicht immer wieder gekippt werden muss, um den richtigen Blickwinkel einzustellen, wird viel Zeit bei der Untersuchung eingespart.

Die elektrischen Signale aus dem Herzen, die über die Katheter abgeleitet werden, können direkt als Kurven oder dank Computertechnik als virtuelles 3-D-Bild abgebildet werden. Dabei ist es möglich, durch unterschiedliche Farbgebung den Weg des Stromflusses im Herzen oder auch die unterschiedliche elektrische Spannung der Herzmuskelzellen in verschiedenen Bereichen darzustellen.

Die neue Röntgenanlage ist so beweglich, dass sie sich um den Patienten herumdrehen kann. Damit ist sie in der Lage, Bilder nach dem Prinzip der Computertomographie, bei der auch die Röntgenröhre um den Patienten rotiert, zu erzeugen. Auch diese Bilder können dreidimensional durch einen Computer aufgearbeitet werden und ermöglichen damit eine bessere Orientierung und Steuerbarkeit der Katheter im Herzen.

Nachdem solche Techniken heute in der Klinik ihren alltäglichen Einsatz gefunden haben, hat sich auch ein bedeutender Wandel des Verständnisses von Rhythmusstörungen vollzogen und zu einer Neueinschätzung des Verhältnisses von Aufwand bzw. möglicher Komplikationen in Bezug zum zu erwartenden Nutzen der unterschiedlichen Therapieformen geführt.

Häufig entstehen tachykarde Rhythmusstörungen durch die sogenannte "kreisende Erregung". Hierbei läuft ein elektrischer Impuls im Kreis – ohne sich an die anatomisch vorgegebenen Leitungsstrukturen zu halten. Die Grundlage hierfür sind einerseits angeborene zusätzliche Leitungsbahnen andererseits Infarkte oder weitere Herzerkrankungen, durch die Narbengebiete entstehen, die elektrisch nicht oder sehr schlecht leiten. Aber auch einzelne, kleine Zellbereiche können elektrische Impulse abgeben und damit den geordneten Herzrhythmus stören. Solche Areale, die Rhythmusstörungen auslösen oder zur Aufrechterhaltung der Arrhythmie erforderlich sind, können in der EPU ermittelt werden. Hierzu wird mit Kathetern an typischen Stellen im Herzen nach krankhaften Signalen gesucht, die die Reaktion auf elektrische Impulse bzw. deren Ausbreitungswege im Herzen analysieren und ggf. auch die oben angeführten Möglichkeiten der computergestützten Signalverarbeitung nutzen. Ist der entsprechende Bereich identifiziert, kann abladiert werden.

Immer wieder wird die Häufigkeit angeborener Rhythmusstörungen, die sich erst im Erwachsenenalter bemerkbar machen, unterschätzt. Dabei ist eine zusätzliche Leitungsbahn im Herzen angelegt. Durch Ablation wird dieses Gewebe zerstört und vom Organismus schließlich durch Narbengewebe ersetzt– Narbengewebe kann keinen Strom leiten, so dass hierdurch der Rhythmusstörung der Boden entzogen wird. Hier sollte heutzutage angesichts der hohen Erfolgsquote, der geringen Komplikationsrate und der zu erwartenden "Heilung" immer eine Ablation erfolgen.

Ablationen sind insbesondere bei angeborenen Erkrankungen bei geringem Komplikationsrisiko höchst effektiv und stellen daher unbestritten die Therapie der ersten Wahl dar. Bei erworbenen Arrhythmien sind die Erfolgsquoten zwar geringer, aber – abhängig von der Form der Rhythmusstörung – doch so gut, dass spätestens nach einem wirkungslosen oder unbefriedigend verlaufenen medikamentösen Behandlungsversuch heute immer eine Ablation diskutiert werden sollte.

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