Erstaufnahmeeinrichtung auf gutem Weg

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Die HEAE in der Alheimer Kaserne verzeichnet eine positive Entwicklung.

Rotenburg. Ein halbes Jahr ist vergangen, seit die Hessische Erstaufnahmeeinrichtung (HEAE) in der Alheimer Kaserne ihre Pforten für Schutzsuchende geöffnet hat – Zeit, eine erste Zwischenbilanz zu ziehen. Wie Einrichtungsleiter Thomas Baader berichtet, sind nach den chaotischen Zuständen während sgroßen Ansturms an Flüchtlingen jetzt wieder geordnete Verhältnisse eingekehrt.Obwohl immer noch täglich Flüchtlinge ankommen, können jetzt alle zunächst in der Erstaufnahme Gießen registriert werden, bevor sie nach Rotenburg kommen.Im Januar 2016 lag die Zahl der Asylsuchenden zwar dreimal so hoch wie im Vorjahr, aber "gefühlt sind das gar nicht so viele", meint Gabriele Fischer vom Regierungspräsidium Gießen: "Wir haben uns jetzt daran gewöhnt."

Auch die Unterstützungsangebote durch Ehrenamtliche sind gut angelaufen. Gottfried Wackerbarth beispielsweise ist einer von mittlerweile 19 (bald 21) ehrenamtlichen Lehrern, die den Flüchtlingen Deutschkenntnisse vermitteln. Auch für den pensionierten Kunst- und Musiklehrer ist Sprachunterricht eine ganz neue Erfahrung. Wobei ‘Deutschkurs’ fast etwas zu hoch gegriffen ist, wie er bald feststellen musste; die bunte Zusammensetzung der Klasse mit unterschiedlichsten Bildungsniveaus ebenso wie die hohe Fluktuation der Schüler machen strukturierten Unterricht im herkömmlichen Sinne schwierig. "Man muss da schon sehr flexibel sein", meint er. Deshalb konzentriert er sich auf Wesentliches: Grundwortschatz und Alphabetisierung, denn viele seiner Schüler kennen natürlich auch das lateinische Alphabet noch nicht.Die Verständigung erfolgt hauptsächlich über Schüler, die Englisch können, aber Wackerbarth hat sich selbst  die wichtigsten Wörter und Phrasen in den verschiedenen Sprachen – Farsi, Urdu, Persisch – herausgesucht.

Sogar seine Lehrmaterialien erstellt er größtenteils selbst, auf die Bedürfnisse seiner Schüler zugeschnitten. Doch die Arbeit lohnt sich: "Ich habe selten so viel Lob erfahren", berichtet er. Für die Flüchtlinge sei es eine wichtige Erfahrung, dass sich jemand Zeit für sie nimmt und ihnen weiterhilft. Und für manche seiner Schützlinge ist er der erste Lehrer, dem sie in ihrem Leben begegnen.

Mit der Einrichtung einer eigenen medizinischen Abteilung hat sich außerdem die medizinische Versorgung deutlich verbessert. Auch begegnet man damit der im Vorfeld häufig geäußerten Sorge, die medizinische Versorgung der Flüchtlinge könne zu Lasten der Bevölkerung gehen, wenn die Ärzte vor Ort dann deutlich mehr Patienten behandeln müssen. Jetzt versehen zwei Ärzte direkt in der Kaserne ihren Dienst – die nach Auskunft von Günter Wenczel, dem Leiter der medizinischen Abteilung, "alles, was es gibt" behandeln. Darunter sind schwere Kriegsverletzungen ebenso wie die Spuren der entbehrungsreichen Flucht, verbreitete Krankheiten und auch Behinderungen.Geplant ist, die medizinische Abteilung zu vergrößern und sich in Rotenburg gewissermaßen auf die Versorgung solcher Fälle zu spezialisieren.

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