Fehling zum bürgerlichen Engagement: „Wer etwas verändern will, muss selbst mit anpacken“

Bad Hersfeld. Prominente Persönlichkeiten aus der der Region sind bei StudiumPlus, dem dualen Studienprogramm der Technischen Hochschule Mittelhessen

Bad Hersfeld. Prominente Persönlichkeiten aus der der Region sind bei StudiumPlus, dem dualen Studienprogramm der Technischen Hochschule Mittelhessen (THM), oft und gern gesehene Gäste. Gleichwohl war der Besuch, über den sich Studierende der Außenstelle Bad Hersfeld dieses Mal freuen durften, ein besonderer. Thomas Fehling, Bürgermeister der Kreisstadt, folgte der Einladung der Hochschule und kam in die Jugendherberge Bad Hersfeld, um mit dem jungen akademischen Nachwuchs über die Fragen der Ethik im Unternehmensalltag zu diskutieren. Das Unternehmergespräch, so der offizielle Titel der Veranstaltung, ist Bestandteil des Lehrmoduls Betriebsethik bei StudiumPlus. Seit zwei Jahren findet es auch am Studienort Bad Hersfeld statt. Dieses Mal nahmen 23 Studierende der Fachrichtung Logistikmanagement im dritten Semester daran teil.  Mit Fehling begrüßten sie einen Gast, der nicht nur in den Kommunalgremien der Kur- und Festspielstadt zu Hause ist, sondern auch jede Menge Erfahrung aus der internationalen Wirtschaftspraxis mitbringt.

Als Chef einer Stadtverwaltung mit fast 400 Mitarbeitern profitiere er oft von dieser Erfahrung, berichtete Fehling, der vor seinem Amtsantritt in 2011 als Bereichsleiter eines global agierenden IT-Unternehmens tätig war. "Unterschiedliche menschliche Charaktere und Arbeitsweisen im Team zu vereinen ist nicht einfach." Dennoch bedeute für ihn die Personalverantwortung vor allem einen motivierenden und vertrauensbasierten Umgang mit Menschen: "Ich möchte meine Mitarbeiter dazu ermutigen, eigenes Potenzial zu entdecken, Ideen zu entwickeln und die Umsetzung selbst in die Hand zu nehmen."

Auch in seiner politischen Laufbahn setzte Fehling stets auf liberale Werte wie Eigenverantwortung und hohes persönliches Engagement. Sich selbst bezeichnet der langjährige Kreisvorsitzende der FDP als "überzeugten Freiheitsdenker". "Unsere Gesellschaft funktioniert nur, wenn jeder Einzelne seinen Beitrag dazu leistet", steht für ihn fest. Seine Vision sei es, Bad Hersfeld auf dem Weg zu einer Mitmachstadt weiter voranzubringen. "Hier soll man gerne leben, arbeiten und sich entfalten können", beantwortete Fehling die Frage der Studenten nach seinen Zielen als Bürgermeister. "Das geht nur, wenn jeder mit anpackt – sei es im Sportverein, in der Kirche oder bei der freiwilligen Feuerwehr. Wenn man etwas bewegen und verändern will, muss man selbst aktiv werden", sagte er und warnte vor übertriebenen Erwartungen an die Politik: "Diese Aufgabe können Politiker den Bürgern nicht abnehmen".

Besonders die junge Generation sieht er in der Pflicht, sich politisch einzumischen und das vermeintlich Altbewährte kritisch zu hinterfragen: "Nicht immer erntet man dabei Applaus. Aber es lohnt sich für das zu kämpfen, wovon man überzeugt ist."

Eigenes Wertesystem zu definieren und dazu zu stehen, sei deshalb besonders wichtig, wenn man als Mensch und Führungskraft ethisch korrekt handeln will. "Für mich persönlich sind Integrität und Glaubwürdigkeit Werte, auf die ich unter keinen Umständen verzichten kann. An diesem Anspruch möchte ich mich selbst stets messen", so Fehling. Auch achte er darauf, dass trotz aller Professionalisierung die positive Spannung, das "Adrenalin-Gefühl", das ihn bei wichtigen Terminen wie die Eröffnung der Festspiele oder die Lolls-Rede begleitet, im Alltag nicht untergeht: "Ohne persönliche emotionale Beteiligung kann man seinen Job nicht gut machen."

Auf die Schattenseiten seines Amtes angesprochen, gab der 45-jährige Politiker offen zu: "Privatsphäre hat man als Bürgermeister kaum". Auch für Hobbies bleibe so gut wie keine Zeit. Dennoch: "Ich habe mich aus Überzeugung für diesen Weg entschieden und kann mit den Konsequenzen leben." Jedem, der beruflich aufsteigen will, würde er raten, die Entscheidung bewusst zu treffen und zu seinem Lebensentwurf zu stehen: "Denn wer sich für A entscheidet, verzichtet auf B und C", brachte Fehling es in der Programmierer-Fachsprache knapp auf den Punkt.

Und noch etwas gab der IT-Profi den jungen Leuten mit auf den Weg: "Internet und soziale Netzwerke bieten enorme Chancen, verleiten aber oft zum unüberlegten Handeln. Gehen Sie kritisch und reflektiert damit um. Nicht immer ist Schnelligkeit ein Trumpf."

In seinem Schlusswort dankte Prof. Dr. Harald Danne, Leitender Direktor von StudiumPlus und Moderator des Abends, dem Gast für eine offene und spannende Diskussion. "Als Treiber der dualen Hochschulidee in Nordhessen haben Sie die Entwicklung der Außenstelle von Anfang an mit begleitet", erinnerte er sich. "Heute ist Bad Hersfeld der zweitgrößte Standort von StudiumPlus nach Wetzlar."

Fehling selbst zeigte sich begeistert vom Austausch mit den Nachwuchsakademikern und sicherte sowohl der Hochschule als auch ihren Studierenden die größtmögliche Unterstützung der Stadt zu: "Sie sind die jungen Talente, die unsere Region braucht".

+++ EXTRA-INFO +++

StudiumPlus ist ein innovatives duales Studienkonzept. Dahinter stehen drei starke Partner: die Technische Hochschule Mittelhessen (THM) als größte Fachhochschule in Hessen, das CompetenceCenter Duale Hochschulstudien StudiumPlus e.V. (CCD), in dem über 500 Unternehmen und Einrichtungen zusammengeschlossen sind, sowie der Kammerverbund Mittelhessen unter Federführung der IHK Lahn-Dill.In 2010 eröffnete StudiumPlus eine Außenstelle in Bad Hersfeld, an der zurzeit 96 Studierende eingeschrieben sind.

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