Festakt und Feier zum Festspiel-Start

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Der diesjährige Auftakt der Festspiele war ein Appell für Freiheit und Demokratie.

Bad Hersfeld. Freiheit und Demokratie waren die Schlagworte beim Festakt zur Eröffnung der Bad Hersfelder Festspiele, passend zum Stück „Der Prozess“. Gleich zu Beginn erinnerte Joern Hinkel an Walter Lübcke (der selbst vor zwei Jahren auf der Festspielbühne sprach) als einen, der diese Werte hochgehalten hatte und dafür nun ermordet worden war. Ihm wurde mit einer Schweigeminute gedacht und Hinkel unterließ es nicht, sich in seiner Rede noch einmal explizit dessen Worte zu eigen zu machen; dass nämlich diejenigen, die unsere gemeinsamen Grundrechte ablehnten auch die Freiheit hätten, dieses Land zu verlassen. Ein mutiges Bekenntnis für die Demokratie. Freiheit, so sagte er, sei ein zerbrechliches, leicht angreifbares Gut, das täglich verteidigt werden müsse. Doch könne sie nur so weit reichen, wie Freiheit, Ehre und Würde der anderen Menschen gewahrt werden. „Freiheit kann kein Freibrief sein“, so Hinkel, und weiter: „Freiheit heißt, Verantwortung zu übernehmen.“ Anschließend rezitierten Ensemblemitglieder anlässlich des 70. Geburtstages des Grundgesetzes die Grundrechtsartikel. Bürgermeister Thomas Fehling würdigte in seiner Rede die „erschreckende Aktualität“ des Stückes: „Mehr und mehr erleben wir ‘kafkaeske’ Zustände.“ Es sei geradezu paradox, dass gerade 70 Jahre Grundgesetz gefeiert wurde, während die Maßstäbe dieser Verfassung – Menschenwürde, Demokratie und Anstand – im Alltag in den Hintergrund gerieten. Dann begrüßte er den Ehrengast und Festredner Deniz Yücel, der selbst ein Jahr lang ohne Anklage im Gefängnis saß. Der hatte erst einmal gute Neuigkeiten, denn gerade hat das türkische Verfassungsgericht entschieden, dass seine Inhaftierung rechtswidrig war. Er gestaltete seinen Vortrag als Ratschläge an Josef K. – „von Knacki zu Knacki“ – zum Umgang mit dem Unrechtssystem. Naiv dürfe man nicht sein und sich nicht blenden lassen, denn das Unrecht sei nicht immer sofort zu erkennen. Keineswegs greife in der Türkei die Regierung in alle Prozesse ein und zahlreiche Urteile würden nach wie vor rechtsstaatlich gefällt. Umgekehrt drohten auch in Rechtsstaaten stets Gefahren – hier nannte er die Verfassungsschutzämter als Beispiel für Behörden, die ein gefährliches Eigenleben entwickelten und abgeschafft werden müssten. Er warnte auch vor falscher Sympathie mit den Ausführenden, die selbst ins System verstrickt sind: „Jeder Einzelne ist für sein Tun verantwortlich.“ Im Unterschied zu Josef K. wusste er aber stets, warum er im Gefängnis saß: „Ich hatte nichts verbrochen, ich wurde verhaftet, weil ich meine Meinung gesagt und meine Arbeit als Journalist gemacht habe.“ Doch der wichtigste Rat an Josef K. lautet: „Gib niemals auf“. Das schafft K. freilich nicht, am Ende akzeptiert er das Unrechtsregime, gegen das er nicht ankommt. „Das ist der größte Fehler: Dem Unrechtsregime Legitimität zu verleihen, das ist das Falsches­te, was man tun kann.“ Ministerpräsident Volker Bouffier brachte seine Freude über Yücels Freilassung zum Ausdruck. Das aktuelle Verfassungsurteil ebenso wie die Bürgermeisterwahl in Istanbul seien hoffnungsvolle Zeichen: „Wir wünschen uns, dass es der Türkei gelingt, auf dem Weg in die Willkür umzukehren. „ Yücels Attacke gegen den Verfassungsschutz konnte er freilich nicht unwidersprochen lassen. „Das ist grundfalsch“, sagte er: Beim Hessischen Verfassungsschutz arbeiteten hunderte Menschen nach bestem Wissen und Gewissen, um uns zu schützen. „Dank ihrer Arbeit wurden viele Morde und Anschläge verhindert.“ So ergab sich ganz von selbst ein anschauliches Beispiel, dass man auch konträre Ansichten respektvoll und ohne Beleidigungen austauschen kann. Schließlich wies Bouffier darauf hin, dass der Schutz der Menschenwürde nicht nur wie im Grundgesetz „Verpflichtung aller staatlichen Gewalt“ sei, sondern auch Aufgabe der gesamten Gesellschaft. Er rief dazu auf, Hetze und Grenzverschiebungen nicht hinzunehmen, sondern zu widersprechen. Demokratie vertrage es, dass Menschen sie ablehnten oder abschaffen wollten. „Was sie nicht verträgt, ist Gleichgültigkeit und Teilnahmslosgkeit“, schloss er, bevor er die Bad Hersfelder Festspiele offiziell eröffnete.

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