Festspiel-Porträt: Der Mann der vielen Rollen

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Peter Englert ist in diesem Jahr wohl der „Mann mit den meisten Rollen“ bei drei Festspielstücken.

Schauspieler Peter Englert, der auf der Bühne zahlreiche Figuren verkörpert,  im Strandkorb-Geplauder.

Bad Hersfeld - Seit fünf Jahren gehört Peter Englert zum Ensemble der Bad Hersfelder Festspiele. Er spielte 2015 in „Komödie der Irrungen“, 2016 in „Krabat“, beide Jahre in „Sommernachtsträumereien“, 2017 in „Luther“, 2018 in „Shakespeare in Love“ und in „Indien“ mit. „Ich glaube, dieses Jahr habe ich – wenn ich richtig gezählt habe – 14 Rollen“, sagt Englert. Er stand bei „Shakespeare in Love“ auf der Bühne und gehört zu den Ensembles von „A long way down“ und „Emil und die Detektive“.

„Beim Rollenwechsel innerhalb eines Stückes muss ich immer voll konzentriert sein“, sagt er. Im Gegensatz zu einer großen Rolle, bei der ein Schauspieler die Möglichkeit habe, eine Entwicklung darzustellen, müsse man mit mehreren kleinen Rollen noch präziser „auf dem Punkt präsent sein“. Das reize ihn, so der Schauspieler.

2015, in der ersten Spielzeit der Intendanz von Dieter Wedel, hat dieser nahezu seine komplette Festspielcrew aus Worms nach Bad Hersfeld versetzt. Denn dort hat der Wormser Englert seine ersten Schritte als Schauspieler gemacht. „Ich habe dann gegoogelt, was Bad Hersfeld ist“, erinnert sich der Schauspieler. „Ich war maßlos überfordert, als ich den ersten Tag auf der Bühne der Stiftsruine stand. Da drin soll ich spielen – wirklich?!“

Lieblingsplatz in der Stiftsruine

Neben den altehrwürdigen Mauern der Ruine hat es im die Bühnen- und Tribünenkonstruktion besonders angetan. „Es ist beeindruckend, wie sie mit der Ruine verwoben ist“, sagt er. Sein Lieblingsplatz sei in der Krypta unter dem Bühnengerüst. „Da ist während der Aufführungen kein Mensch, aber man bekommt mit, was auf der Bühne passiert.“

Einmal besuchte Englert den Intendanten Joern Hinkel im Herbst in Bad Hersfeld. „Als ich da in der leeren Stiftsruine stand, war das ganz seltsam. Ich habe mich doch tatsächlich erschrocken“, erzählt der 29-Jährige. Auch dass der Festspielbezirk außerhalb der Spielzeit leer ist, war eine neue Erfahrung für ihn.

„Bad Hersfeld ist meine Sommerfamilie“, sagt Englert. „Man hat hier viel Stress, aber hier arbeitet man nicht mit Kollegen, sondern mit Freunden.“ Im April heiratete Englert seine Kollegin Kim, die in diesem Jahr als Regieassistentin bei „A long way down“ im Schloss Eichhof und „Emil und die Detektive“ mitwirkt.

Englert greift ein

Die Figuren, die ich im Eichhof spiele, sind äußerst interessant“, sagt Englert. Er greife ein, wenn die vier Protagonisten nicht mehr weiter wüssten. „Und am Ende führe ich die vier ehemaligen Selbstmordkandidaten auf die Erde zurück“, so der Schauspieler.

„Shakespeare war für mich ein Traum“, erzählt er. Dort verkörperte er vier Rollen. „Das Stück ist toll und wir hatten eines der besten Ensembles, in dem ich je spielen durfte“, spart er nicht an Lob für die Kollegen. „Darum waren alle so traurig, als die letzten Aufführung vorbei war.“ Seine Lieblingsrolle dort sei die Lady Capulet gewesen. „Günter Alt und ich haben Brigitte als Queen Elizabeth I. immer zum Lachen gebracht“, erinnert er sich. „Günter und ich – wir waren schon ein Dreamteam“, sagt Englert mit einem Lachen.

Sein erstes Musical

„Emil und die Detektive“ ist das erste professionelle Musical, in dem Peter Englert mitspielt. Während der Probenzeit hat ihn besonders die Disziplin der Kinderdarsteller beeindruckt. „Das erinnert mich an die ,Nibelungenhorde‘ in Worms“, sagt er. „Die Kinder haben davon mehr als in zwei Jahren Schule“, ist sich Englert sicher. Das Mitspielen auf der Bühne fördere Leidenschaft und Teamgeist. „Und das Selbstbewusstsein der Kinder wächst auf eine gute Art.“ Englert sieht keinen grundlegenden Unterschied darin, für Kinder oder für Erwachsene zu spielen. „Es ist vor allem wichtig, seine Zuschauer ernst zu nehmen“, sagt er. Bei „Shakespeare in Love“ habe man auch in Erwachsenen das „innere Kind“ geweckt und bei „Emil“ habe der Premierenapplaus bereits gezeigt, dass es dem Ensemble gelungen sei, die „Magie im Theater zu wecken.“

Peter Englert ist fast schon ein Urgestein der Bad Hersfelder Festspiele. Mit Redakteur Christopher Göbel (rechts) plauderte der Schauspieler über Stücke, Rollen und Politik.

Stadtrat in Worms

Im vergangenen Jahr machte Peter Englert einen Ausflug in die Politik. Er trat als unabhängiger Kandidat für das Amt des Wormser Oberbürgermeisters an. „Ich bin immer dafür, sich einer Sache komplett zu widmen. Und so hätte ich den Schauspielerberuf tatsächlich aufgeben müssen, wenn ich gewählt worden wäre“. Englert erhielt gut 20 Prozent der Wählerstimmen und schrammte nur knapp an einer Stichwahl vorbei. „Es ging mir eigentlich nicht darum, zu gewinnen, sondern etwas zu verändern“, so Englert. Und das habe auch geklappt, wie sich bei der darauf folgenden Kommunalwahl gezeigt habe. Seitdem sitzt er nämlich (ehrenamtlich) im Wormser Stadtrat.

Neben der Schauspielerei widmet sich Englert auch der Musik. Zusammen mit seiner Band „The Döftels“ tourt er regelmäßig durch die Lande. Als Sänger nennt er sich „Jim Walker Jr.“. „Dieser Name kam nach dem Genuss gewisser alkoholischer Getränke zu Stande“, schmunzelt er. Ein Alter Ego sei aber ganz nützlich, da man dann etwas „rebellischer“ sein könne.

In diesem Jahr hat Peter Englert gemeinsam mit einem Kollegen Promotion-Videos und Porträts über die einzelnen Abteilungen für die Bad Hersfelder Festspiele gedreht. Diese sind unter anderem auf der „Facebook“-Seite der Festspiele anzuschauen.

In „A long way down“ und „Emil und die Detektive“ ist Peter Englert noch bis zum Ende der Spielzeit zu erleben. Und wer weiß: „Ich komme auch immer wieder gerne nach Bad Hersfeld“, sagt er augenzwinkernd.

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