Festspiel-Premiere von Funny Girl begeistert mit grandioser Hauptdarstellerin in Bad Hersfeld

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Mit Funny Girl stand nun die dritte Premiere der aktuellen Festspielsaison an - und das Musical begeisterte das Publikum vor allem mit Hauptdarstellerin Katharine Mehrling

Bad Hersfeld. Das Licht geht an, die Show beginnt. Eine kleine, unscheinbare junge Frau tanzt mehr schlecht als recht im blau-­weißen Matrosenoutfit zwischen langbeinigen Schönheiten über die Bühne. Und doch sind alle Blicke nur auf sie gerichtet. Denn Fanny ­Brice hat das „gewisse Etwas“, dass sie zum großen Star macht. Die Geschichte vom Funny Girl ist weltbekannt, für die Hauptrolle im gleichnamigen Film gewann Weltstar Barbra Steisand 1969 einen Oscar. In diese riesigen Fußstapfen tritt nun Katharine Mehrling – und meistert ihre Aufgabe mit Bravour.

Fast in jeder Szene ist die ­kleine Frau mit der großen Klappe zu sehen – und spielt sich in der rund dreistündigen Inszenierung von Stefan ­Hubert in Windeseile in die Herzen der Festspiel-Zuschauer. Kein Wunder das am Ende knapp 1.300 Premierenzuschauer von den Stühlen springen, als die 1,55 Meter große Hauptdarstellerin die große weiße Treppe zum Schlussapplaus herunterschreitet. Donnernder Applaus und Gänsehaut – ein echter Festspiel-Moment.

Katharine Mehrling spielt vom ersten Moment an Hersfeldpreis-verdächtig und lässt die Zuschauer stimmgewaltig und mit viel Charme und Witz an ihrer Geschichte teilhaben. Das Funny Girl ist eben wirklich lustig – denn sie trägt das Herz auf der Zunge. So bringt sie ihren Show­produzent Florenz Ziegfeld Jr. (gespielt vom hervorragenden Heinrich Schafmeister) mehr als einmal völlig aus der Fassung. Etwa wenn sie kurz vor der Show erklärt, sie könnte am Finale nicht teilnehmen, weil ihr der Song nicht gefalle. Nach einem von vielen herrlichen Wutausbrüchen, die Schafmeister mal herrlich überspitzt und mal völlig verzweifelt spielt, antwortet Fanny auf das Warum trocken: „Ich kann nicht ‚I am the beautiful reflection; Of my love‘s affection‘ singen – dann lachen die Leute mich ja aus.“

Das Funny Girl Fanny weiß eben, dass sie nicht die allerhübscheste ist – aber eben die mit dem größten Herz. Und das erobert ausgerechnet der charmante Gauner Nick Arnstein (gespielt von Alan Hodzovic). Er erkennt beim ersten Treffen Fannys großes Talent und gibt später sogar das Leben als professioneller Spieler, der um die ganze Welt reist, für die Liebe auf. Als seine Geschäfte jedoch unverschuldet ins Wanken ­geraten und er finanziell auf seine erfolgreiche Frau angewiesen ist, kratzt das an seinem Ego und ein Geflecht aus Lügen, Fehlern und falschen Entscheidungen führt zu einem Abschluss der beweist, dass eben nicht auf jede ­hollywoodreife Liebe auch ein Happy End wartet.

Die meiste Zeit jedoch zeigt Funny Girl den Aufstieg der Ausnahmekünstlerin und die damit verbundenen tollen Momente. Das Drama um das Scheitern der Liebe wird nach der Pause eher im Zeitraffer gezeigt. Das ist in manchen Szenen schade, aber eben so gewollt. Funny Girl soll nämlich in erster Linie Spaß machen – und das tut es auch. Fetzige Songs, mal auf deutsch, mal im original auf englisch wechseln sich mit ­rasanten Musical-Tanznummern ab.

Eine große Treppe auf der Bühne der Stiftsruine bildet den Mittelpunkt und wird während des Stücks mal zum Bahnhof, mal zum Restaurant und auch mal zur Garderobe. Zwei kleine Schiebebühnen, die von links und rechts in die Mitte schweben, runden das ge­lungene Bühnenbild ab. Die stärksten Momente hat Funny Girl, wenn sich die ­große Treppe in eine Showbühne verwandelt, bunt beleuchtet wird und mehr als ein Dutzend Tänzer und Sänger synchron ihrer Arbeit nachgehen. Das Ensemble ist super, hier ist vorallem Marianne Larsen als liebevoll schrullige Rose Brice zu erwähnen, die gerne mal das ganze Ensemble und die komplette Nachbarschaft zu einer Spontanparty in den heimischen Garten einlädt.

Für die Musik ist Christoph Wohlleben zuständig, der ­routiniert zeigt, wieso er einer der besten seines Fachs ist. Die Kostüme passen her­vorragend in die einzelnen Szenen und sind vorallem in den Shownummern wirklich sehenswert.

So ist Funny Girl als dritte Premiere der diesjährigen Bad Hersfelder Festspiele eine echte Empfehlung für Musical-Fans und Zuschauer, die Lust auf eine durchweg unterhalt­same, nicht zu aufregende Geschichte haben, bei der man mehr als einmal herzhaft Lachen kann. Zudem ist Katharine Mehrling als Hauptdarstellerin allein schon den Eintrittskarte wert.

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