Festspiel-Defizit: Gemeinsam die Zukunft sichern

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Sie standen Rede und Antwort zum Fehlbetrag der Festspiele (v.re.): Bürgermeister Thomas Fehling, Intendant Dieter Wedel, Andrea Jung (kaufmännische Leitung) und Co-Intendant Joern Hinkel.

Die Festspiel-Leitung gab jetzt Details zum Fehlbetrag bekannt  und präsentierte Lösungsvorschläge für das strukturelle Defizit.

Bad Hersfeld. Kein freudiger Anlass führte die Festspielleitung am heutigen Mittwoch im Kapitelsaal des Stadtmuseums zusammen: Das Defizit der diesjährigen Festspiele in Höhe von rund 600.000 Euro. Bevor es aber darum ging, wiederholte Bürgermeister Thomas Fehling noch einmal sein persönliches Fazit, nämlich dass 2017 eine ganz hervorragende Saison gewesen sei: „Wir hatten tolle Stücke, die gut besucht waren und außerdem zu lebhaften Diskussionen geführt haben – das ist es doch, was Kunst bewirken soll.“ Umso ärgerlicher sei natürlich das Defizit. Auch Intendant Dieter Wedel zeigte sich über das hohe Defizit bestürzt. Zum Erfolg im künstlerischen Bereich gehöre nicht nur der Zuspruch durch das Publikum, sondern auch die Einhaltung des Budgets. Er selbst sei insbesondere durch die Höhe des Fehlbetrags sehr schockiert gewesen, der angesichts der hervorragenden Auslastung auch für ihn sehr überraschend gewesen sei. Die kaufmännische Leiterin der Festspiele Andrea Jung beleuchtete die Faktoren, die zu dem Defizit geführt hatten. Dies waren vor allem Personalkosten – wobei allerdings, wie sie betonte, die Gehälter für die Schauspieler hier nur zu einem geringen Teil zu Buche schlagen. Vermutungen, dass die prominenten Schauspieler zu teuer seien, wies sie zurück – ganz im Gegenteil: Dank des Renommées der Festspiele würden einige hochkarätige Schauspieler sogar geringere Gagen als üblich akzeptieren, um in Bad Hersfeld unter Wedel spielen zu dürfen. Insgesamt sei man sogar bei den reinen Sachkosten für die Bühnenaufführungen im Etat geblieben. Allerdings machen die tatsächlichen Kosten für die künstlerische Ausgestaltung auch lediglich ein Drittel des Gesamtbudgets aus. Weitaus gravierender waren einige krankheitsbedingte Ausfälle in Schlüsselpositionen, weswegen entsprechende Leistungen extern (und damit in der Regel teurer) eingekauft werden mussten. Auch das schlechte Wetter sorgte für unerwartete Mehrkosten. Als Beispiel nannte Jung die vielen verregneten Aufführungen von „Titanic“: Hier mussten die zahlreichen Kostüme und Perücken für die nächste Vorstellung aufwendig gewaschen und getrocknet werden, was sich in etlichen Überstunden in der Kostümabteilung niederschlug. Diese Kostenfaktoren seien im laufenden Betrieb schwerlich abzufedern gewesen, ohne den Spielbetrieb zu gefährden – schließlich könne man den Zuschauern nicht einfach eine Aufführung in zerknitterten und schmutzigen Kostümen präsentieren.

Darüber hinaus machte Jung auch Probleme im Vertriebssystem aus. Mit der Kartenzentrale leisten sich die Festspiele einen eigenen Vertrieb, allerdings ohne, wie sonst üblich, diese Kosten (rund 400.000 Euro) auf die Kartenpreise aufzuschlagen. Dazu kommt das umfangreiche Rabattsystem, das hinterfragt werden müsse (allerdings natürlich nicht die Sozialrabatte). So seien zum Beispiel Rabatte für Vorstellungen in der ersten Wochenhälfte eingeführt worden, um diese traditionell schlechter nachgefragten Spieltage zu fördern. Dies sei mittlerweile aber obsolet: „Wir sind jetzt auch in der Woche voll ausgebucht“. Auch der an und für sich sehr erfreuliche frühe Kartenvorverkauf schlug sich am Ende wegen des Frühbucher-Rabatts negativ auf den Kartenpreis nieder.

Aufgrund der asynchronen Spielzeit seien außerdem die Möglichkeiten zum Gegensteuern in der laufenden Saison sehr begrenzt. Der optimale Zeitpunkt für entsprechendes Controlling sei jeweils am Ende der Spielzeit und dem Beginn der neuen – zu diesem Zeitpunkt war aber im vorigen Jahr die Stelle des kaufmännischen Leiters unbesetzt gewesen. Für das kommende Jahr sind nun einige Einschnitte vorgesehen: Zusätzlich zu der bereits in dieser Saison gestrichenen Spielwiese wird auch die Spielstätte am Eichhof dran glauben müssen: Diese sei zu unwirtschaftlich, zumal die Auslastung dort wiederum in hohem Maße wetterabhängig sei. Eine zeitgemäße Erneuerung der Bestuhlung und der Tribüne dort wäre mit hohen Kosten verbunden und hätte eine Reduzierung der Plätze zur Folge. Und auch das Theaterzelt wird es vorerst nicht mehr geben. Man wolle sich in der kommenden Spielzeit ganz auf das „Herz der Festspiele, nämlich den Spielort Stiftsruine konzentrieren. Hier sollen zum Ausgleich aber auch eine Kindervorstellung sowie ein heiteres Stück als Ersatz für den Eichhof aufgeführt werden. Damit man im kommenden Jahr, wie Wedel hoffte, nicht nur wiederum eine volle Auslastung, sondern auch die Einhaltung des Budgets verkünden könne.

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