Feuerwehren in Hersfeld-Rotenburg: Dramatischer Rückgang bei den Jugendfeuerwehren

Tann. Die jährliche Dienstversammlung für die Feuerwehrführungskräfte im Landkreis Hersfeld-Rotenburg fand in diesem Jahr in der "Besengrund

Tann. Die jährliche Dienstversammlung für die Feuerwehrführungskräfte im Landkreis Hersfeld-Rotenburg fand in diesem Jahr in der "Besengrundhalle" im Ludwigsauer Ortsteil Tann statt. In seiner Begrüßungsansprache zeigte sich Landrat Dr.Karl-Ernst Schmidt sehr erfreut über die sehr zahlreich anwesenden Feuerwehrleute  aus allen Gemeinden des Landkreises.

Neben dem Kreistagsvorsitzenden Horst Hannich konnte Landrat Dr. Schmidt auch den Leiter der Polizeidirektion Hersfeld-Rotenburg, Kriminaloberrat Klaus Wittich, den Beauftragten des Landkreises für die Polizei und Notfallseelsorge Pfarrer Alexander Riedel, den Leiter des Amtes für Brandschutz-Rettungsdienst und Katastrophenschutz Dieter Pfaff, den stellvertretenden Kreisverbandsvorsitzenden Karl-Heinz Diehl, den Kreisjugendfeuerwehrwart Bernd Spoelstra, die Vertreter der DRK Kreisverbände Rotenburg und Hersfeld, des THW , des DLRG sowie weitere Ehrengäste begrüßen.

Auch die große Anzahl der Bürgermeister die anwesend sind, zeigt sehr deutlich den großen Rückhalt den die Feuerwehr in den jeweiligen Gemeinden und in der Öffentlichkeit hat. Ludwigsaus Bürgermeister Thomas Baumann begrüßte alle Anwesenden die den steilen Weg zur "Besengrundhalle" in Ludwigsau-Tann offensichtlich ohne Probleme gut überwunden hatten.

Er stellte kurz seine Gemeinde vor und wies darauf hin, dass die Sicherstellung des Brandschutzes eine ureigenste Aufgabe der Gemeinden sei, aber man muss auch darauf hinweisen dürfen, dass dies alles nicht umsonst zu haben ist. In diesem Zusammenhang nannte Baumann als Beispiel die Einführung des Digitalfunks, was für die Gemeinde eine erhebliche finanzielle Belastung bedeute.

Landrat Dr. Karl-Ernst Schmidt sagte, dass diese Versammlung auch die Gelegenheit zu einem Rückblick und auch Ausblick. Die Sicherstellung des örtlichen Feuerschutzes ist eine Pflichtaufgabe der Städte und Gemeinden. In den Feuerwehren der Städte und Gemeinden im Landkreis Hersfeld-Rotenburg sind 3.617 Feuerwehrleute aktiv. 3.358 Männer und 259 Frauen, die rund um die Uhr den Auftrag für die Städte und Gemeinden und deren insgesamt rund 122.500 Bürgerinnen und Bürger erfüllen.

Dem großen ehrenamtlichen Engagement aber auch dem hohen Leistungsniveau in den Wehren ist es zu verdanken, dass bei uns im Landkreis die Rettung von Menschenleben, die Brandbekämpfung und die technische Hilfeleistungen flächendeckend sicher gestellt werden können.

In der Leitstelle des Landkreises wurden im Jahre 2010 kreisweit 24.258 Einsätze insgesamt und davon 1.104 Feuerwehr-Einsätze koordiniert. Eine unglaubliche Leistung aller Beteiligten, für die sich Landrat Dr. Schmidt herzlich bedankte. "An dieser Stelle möchte ich auch gleich meine Besorgnis ausdrücken über die nach wie vor hohe Anzahl von "Blinden Alarmen". Das wird nicht hingenommen und führt in hartnäckigen Fällen zur Strafanzeige. Es geht nicht an, dass unsere Rettungsleitungen blockiert werden durch Spaßanrufe oder durch Betrunkene, die meinen, mal richtig Dampf ablassen zu können." Landrat Dr. Schmidt bedankte sich bei allen Feuerwehren für die im Jahr 2010 geleisteten 1.104 Feuerwehreinsätze - das sind etwa fünf pro Tag.

Hinzu kommen noch diejenigen Einsätze, bei denen Hilfeleistungen ganz anderer Art gefordert sind. Gemeint ist speziell das Schnee-Chaos Anfang Dezember vergangenen Jahres, aber auch die Hochwasserlage im Januar und das Schneeräumen auf den Schuldächern, für das ich nochmals herzlich Dank sage. Kurz gesagt: Feuer und Wasser – unsere Wehren sind allzeit bereit.

Das Thema der demographischen Entwicklung betrifft auch die  Feuerwehren. Der demografische Wandel hat schon jetzt erheblichen Einfluss. Gegenüber 2009 hat die Mitgliederzahl unserer Aktiven um 38 zugenommen. Anders bei den Jugendlichen: Ein Minus von 143 Mitgliedern von 2010 gegenüber 2009. Das ist noch nicht alarmierend, aber es muss uns wachsam machen. Die Aktivitäten, die wir als Landkreis angestoßen haben, werden sicherlich ihre Wirkung zeigen. Ich weiß, dass das Engagement in den Schulen auf breite Zustimmung gestoßen ist. An der Stelle muss weiter gearbeitet werden und ich danke Ihnen allen für Ihr Engagement.

Auch die Gewinnung von so genannten Quereinsteigern wird zunehmend wichtig. Ebenso, wie die Einbindung von Frauen in die Feuerwehren. 259 von 3.617  Feuerwehraktiven sind Frauen. Das sind lediglich sieben Prozent.Das ist ein großes Aufgabenfeld, ebenso wie das aktive Zugehen auf Menschen mit Migrationshintergrund.Noch ein leidiges Thema sprach Landrat Dr. Schmidt an, den Feuerwehrführerschein.

"Er beschäftigt uns schon seit einigen Jahren. Endlich zeichnet sich eine Lösung ab. Das Bundeskabinett hat Mitte Dezember ein Gesetz verabschiedet, mit dem Feuerwehrleute auch Fahrzeuge bis 7,5 Tonnen lenken werden dürfen. Was jetzt noch fehlt sind die Ausführungsbestimmungen in den Ländern und wir hoffen, dass das Thema dann ein Ende hat. Niemand kann verstehen, dass wir zwar Fahrzeuge von 7,5 Tonnen anschaffen, die Feuerwehrleute sie aber nicht fahren können."

Abschließend bedankte sich Landrat Dr. Schmidt für das ehrenamtliche Engagement bei allen Feuerwehrmitgliedern, auch für die Bereitschaft, jederzeit ob Tag oder Nacht, Wochenende oder nicht, Familienfeier oder WM-Spiel, auszurücken, um zu retten, zu löschen, zu bergen und zu schützen.Kreisbrandinspektor Jürgen Weingarten wies in seinem Bericht darauf hin, dass 3358 männliche und 259 weibliche  Feuerwehrmitglieder aktiv sind, das ist ein Anstieg von insgesamt 38 Einsatzkräften im Jahr 2010. Sorge bereitet ihm die tagsüber uns zur Verfügung stehenden Einsatzkräfte (Tagesbereitschaft), die immer mehr abnimmt.

Auch die Anhebung der Altersgrenze für Einsatzkräfte auf 65 Jahre habe keinen entscheidenden Fortschritt gebracht.Eine Verordnung wird kommen, wonach in Zukunft  jeder über 60-jährige jedes Jahr einen Gesundheitscheck nachweisen muss. Nach einem Rückgang der Jugendfeuerwehren in 2009 auf 85 erfolgte in 2009 durch Reaktivierung von zwei Jugendfeuerwehren wieder ein Bestand von 87. Bei 152 Feuerwehren im Landkreis deutlich zu wenig, hier bedarf es einer Steigerung. "Von insgesamt 1132 gemeldeten Jugendlichen im Jahr 2009 ging die Mitgliederzahl 2010 dramatisch um 171 Mitglieder auf insgesamt 961 zurück". KBI Weingarten richtetet an alle Verantwortlichen und Führungskräfte die dringende Bitte, dass diese Tendenz mit allen uns zur Verfügung stehenden Mitteln gestoppt werden muss.

Auch bei den Kindergruppen (Bambinis) sieht es nicht gut aus. Bei 152 Feuerwehren sind gerade mal 40 Kindergruppen gemeldet, hier muß eine deutliche Steigerung in den nächsten Jahren erfolgen. Insgesamt sind bei den "Bambinis" im Kreisgebiet 354 Kinder  gemeldet. In fünf Großgemeinden gibt es gar keine Kindergruppen, dies kann schon fast als Versagen der Verantwortlichen bezeichnet werden, so die Aussage von KBI Weingarten. Gerade bei der Brandschutzerziehung in den Kindergärten oder den Grundschulen sei es gut möglich das Interesse der Kinder an der Feuerwehr zu wecken. Hier schlummert das Nachwuchspotenzial, es muß nur geweckt werden.

1406 mal mußten die Feuerwehren im Jahr 2010 zu den verschiedensten Einsätzen ausrücken, das sind 120 mehr als im Vorjahr 2009. Es gab auch leider wieder einige schwere Verkehrsunfälle bei denen es Tote und Schwerverletzte Personen zu beklagen gab. Hier nannte KBI Weingarten die Unfälle auf der B 27 bei Ludwigsau-Mecklar, Bebra-Blankenheim und Hohenroda-Ransbach.

Gerade bei solchen dramatischen Ereignissen seien die Einsatzkräfte der Feuerwehr besonders gefordert und deswegen spreche er allen Lob und Anerkennung für die hervorragend geleistete Arbeit zum Wohle unserer Bevölkerung aus.Anschließend gab KBI Weingarten noch neue Erlasse, Verordnungen und Neuerungen für die Brandschützer bekannt. (gm)

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